























































Das Seminar für Fundamentaltheologie und Religionsphilosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät lädt zu vier Veranstaltungen zum Christlich-Jüdisch-Muslimischen Dialog mit internationalen Gastreferent*innen ein. Die Teilnahme an den Hybrid-Veranstaltungen ist über Voranmeldung bei Herrn Jonas Erulo (jonas.erulo@uni-muenster.de) möglich.

Das Programm zum digitalen Hochschultag 2021 ist nun online. Am 11. November 2021 öffnet die Katholisch-Theologische Fakultät ihre virtuellen Türen für Interessierte am Theologiestudium. Ein gemeinsames Rahmenprogramm mit Evangelischer und Islamischer Theologie ermöglicht Einblicke ins Studium und informiert über aktuelle Entwicklungen rund um die Theologie in Münster. Weitere Informationen finden Sie hier [Download-Link, de].























































Es hat 43 Jahre gebraucht, bis Walter Kasper an alte Wirkungsstätte zurückgekehrt ist. Am Freitagabend sprach er im prall gefüllten „Audimax“ der Universität über das Zweite Vatikanische Konzil und stellte sich den durchaus heiklen Fragen aus dem Publikum. Wiederverheiratet Geschiedene, Interkommunion, Frauen, Demokratie in der Kirche, Limburg - es war alles dabei.
Der Anfang war persönlich. „Wir jungen Theologen hofften auf Erneuerung und auf Schleifung der Bastionen“, bekannte der frühere Bischof und Kurienkardinal, als er sich in die Zeit des Konzils (1962-1965) zurückversetzte. „Für uns war das der Beginn einer neuen Zeitrechnung.“ Doch die Begeisterung hielt nur bedingt – was auch an den Ergebnissen des Konzils lag. „Alle Texte wurden einmütig verabschiedet. Das hatte seinen Preis“, so Kasper. Denn die unterschiedlichen Richtungen in der Kirche wurden durch Kompromisspapiere versöhnt. „Und das führte später zu großen Konflikten in der Interpretation der Texte.“ Jede Seite zitierte das, was ihr passte. „Aber das Konzil ist kein Steinbruch“, so Kasper, der als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte von 1964 bis 1970 an unserer Fakultät dazu beitrug, die Texte des Konzils bekannt zu machen.
Der Gastvortrag war Teil des Projekts „Aggiornamento in Münster“ von Andreas Uwe Müller, dem heutigen Dogmatik-Professor. Darin wird versucht, das Konzil für junge Leute begreifbar zu machen, auch, indem die „Münster-Bezüge“ herausgestellt werden: Welche theologischen Ideen aus Münster sind im Konzil umgesetzt worden? Welche Theologen haben mitgewirkt? Wie wurden die Beschlüsse in Münster umgesetzt? Und: Was berichten Zeitzeugen, zum Beispiel Walter Kasper.
Und der schaute nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft, denn das Konzil sei „eine nicht abgeschlossene Geschichte“. So rücke die „Option für die Armen“, die im Konzil nur milde angesprochen wurde, durch Papst Franziskus endlich auch in den Blick der europäischen Kirche. Auch das Gewissen, das im Konzil als „Mitte und Heiligtum des Menschen“ bezeichnet wurde, in dem er „die Stimme Gottes hört“, werde noch nicht genügend geschätzt. „Das Gewissen des einzelnen ist die Grenze der Autorität der Kirche“, so der Kardinal. Auch müsse die Frage nach Gott deutlicher als früher gestellt werden. „Wir alle kennen Menschen, die nicht glauben. Und das sind keine schlechteren Menschen als die durchschnittlichen Christen.“
Die Zuhörenden waren eine bunte Mischung von Studierenden bis zu ergrauten Hörerinnen und Hörern des damaligen Professors; auch Bischof Felix Genn und Marianne Ravenstein als Prorektorin der WWU waren darunter. Fragen gab es einige, und die hatten es in sich. „Wenn das Gewissen zählt, können sich doch auch wiederverheiratet Geschiedene in ihrem Gewissen entscheiden, zur Kommunion zu gehen!“ war eine Bemerkung. „Stimmt“, antwortete Kasper, aber trotzdem seien auch klare Kriterien wichtig geben „und da werden wir neue Möglichkeiten finden“. Ob evangelische Christen in ihrem Gewissen entscheiden könnten zur Kommunion zu gehen, fragte ein anderer. "Ja", so der Kardinal. "Aber ich frage dann: Wollt ihr wirklich zu dem, was im Hochgebet vor der Kommunion gebetet wird ‚Amen‘ sagen?" Und auf dem Hintergrund der gerade diskutierten Umfrage zu Ehe, Familie und Sexualität wurde gefragt, ob die Kirche demokratischer würde. Kasper nannte es "synodaler", und das soll heißen: Erst wird auf allen Ebenen der Kirche breit diskutiert, und erst dann entschieden. "Wir sind eine Gemeinschaft von mündigen Christen. Da braucht es einen anderen Stil in der Amtsführung." Limburg? "Das kenne ich auch alles nur aus der Zeitung. Aber in Rottenburg-Stuttgart hätten meine Gremien zu mir gesagt: Bischof, so geht das nicht." Klare Worte von einem, der aus Münster kam und seit vielen Jahren in Rom ganz nah dran ist.


(28.6.2013) Wer auf Anekdötchen aus der Zeit Joseph Ratzingers in Münster gehofft hat, war möglichwerweise enttäuscht. Dafür ordnete Hansjürgen Verweyen, Schüler und Promovend des späteren Papstes, sehr kompetent und detailfreudig dessen vor genau 50 Jahren gehaltene Antrittsvorlesung als Dogmatiker an unserer Fakultät in das Gesamt seiner Theologie und der damaligen Zeit ein. Mit einem Schwerpunkt auf das gespannte Verhältnis Ratzingers zur historisch-kritischen Exegese.
Ganz so voll wie im Hörsaal 1 des Fürstenberghauses, damals am 28. Juni 1963, war es nicht. Doch auch im Hörsaal KTh I mussten Zusatzstühle her, um die Interessenten am Gastvortrag des Ratzinger-Schülers und emeritierten Fundamentaltheologen, Hansjürgen Verweyen, unterzubringen. Das Publikum reichte von jungen Studierenden bis zu einer Vielzahl "älterer Semester", die teils sogar Ratzinger in seiner Münsteraner Zeit selbst gehört hatten. Sie folgten einem anspruchsvollen Gastvortrag, der zunächst die Antrittsvorlesung des jungen Dogmatikers Joseph Ratzingers in den zeitgeschichtlichen Hintergrund des Zweiten Vatikanischen Konzils einordnete. Insbesondere an den Schemata zur Dogmatischen Konstitution über die Offenbarung entzündete sich in Rom der Streit - und Joseph Ratzinger gehörte als Berater zur Vorbereitungskommission. Wie ist das Verhältnis von Schrift und Tradition als "Quellen der Offenbarung" zu denken, das war die Frage.
Ratzinger hatte, so Verweyen, als systematischer Theologe immer ein großes Interesse an exegetischen Fragen. Der historisch-kritischen Methode und vor allem der Suche nach dem "historischen Jesus" stand er dabei skeptisch gegenüber, ein Grundzug, der sich bis in seine neuesten Jesus-Büchern hinein zeigt. Schon Ende der 1960er Jahre kam es darüber zu Meinungsverschiedenheiten etwa zu Walter Kasper (seinem Nachfolger in Münster) und besonders scharf zu Hans Küng. Als "Flucht von Christus zu Jesus" bezeichnete Ratzinger die historische Rückfrage in seinem Grundlagenwerk "Einführung ins Christentum" (1968). Ratzinger berief sich in seiner zunehmenden Kritik oft auf lehramtliche Vorgaben. Doch Hansjürgen Verweyen wies in seiner Gastvorlesung nach, dass er diese Texte "zumindest einseitig" interpretierte. Und manche Thesen aus seinen Jesusbüchern bezeichnete er als "exegetisch nachweislich falsch". Den gesamten Vortrag lesen Sie hier.
Hansjürgen Verweyen, der viele Jahre lang Fundamentaltheologie an der Uni Freiburg lehrte, hat bei Joseph Ratzinger promoviert. Doch seine Beziehung zu dem Professor ging weit über das Wissenschaftliche hinaus. So taufte Ratzinger 1966 das erste Kind von Hans-Jürgen und Ingrid Verweyen und verhalf dem früheren Priesteramtskanidaten auch zu einem beruflichen Einstieg. Im Vorwort zu seinem Buch "Der unbekannte Ratzinger" schreibt Hansjürgen Verweyen: "Vor fünfzig Jahren wurde Papst Benedikt XVI. mein Lehrer. Den Dank, den ich Joseph Ratzinger schulde, vermag ich nicht abzutragen, aber hin und wieder ein Zeichen dafür zu setzen." Als weiteres "kleines Zeichen" mag die Gastvorlesung an unserer Fakultät gelten. Ein größeres sind die Bücher, die er gerade nach der Wahl Ratzingers zum Papst über dessen Theologie verfasst hat.

Der Standort war ideal: Direkt am Wasserturm mittendrin im Katholikentagsgewühl stand der Pavillon unserer Fakultät. Hunderte kamen mehr oder weniger zufällig vorbei, blieben stehen, füllten den "Theo-Test" aus, hörten bei Interviews zu, suchten das Gespräch oder hinterließen eine Kontaktadresse. "In Münster habe ich auch studiert - damals!"
An explodierenden Studierendenzahlen wird der "Erfolg" eines Stands auf dem Katholikentag nicht zu messen sein. Aber er bringt ins Gespräch - auch mit Ehemaligen. "Ich habe noch bei Metz studiert!", "War eine tolle Zeit, damals!", "Schön, dass ihr da seid!" - so hörten wir oft. Andere wollten nur Kekse oder einen Bleistift abziehen, plaudern oder missionieren, wie das so ist auf einem Katholikentag.
Ein Treffpunkt war der Stand auch. Nicht unbedingt wie geplant "um Fünf", aber immer wieder im Laufe des Tages kamen Studierende und Dozierende vorbei. Sechsmal baten wir zum Interview - und jedes Mal gab es Zuhörerinnen und Zuhörer. Promis aus Kirche und Politik schlenderten bei uns vorbei, manche blieben stehen. Die Sonne schien, die Stimmung war gut.
Aufbruch? Man wird wohl die kleinen Schritte schätzen lernen müssen, denn riesige Aufbruchstimmung war nicht zu spüren. Doch die Engagierten, die Interessierten waren da in Mannheim. Sie hörten und diskutierten, und manche Veranstaltung war ein Gewinn. Und wer bei uns vorbei gekommen ist, hat gemerkt: Gut, dass unsere Fakultät da waren. Mittendrin auf dem Katholikentag.


Der Gastvortrag des langjährigen Vatikan-Korrespondenten und anerkannten vaticanista Marco Politi Ende April 2012 traf auf große Resonanz. "Der Hörsaal war überfüllt", sagt Antonio Autiero, Professor für Moraltheologie an unserer Fakultät, der den italienischen Journalisten eingeladen hat. "Und auch die an den Vortrag anschließende Diskussion war sehr klug und engagiert."
Das Publikum war quer durch die Generationen gemischt. "Es waren viele Studierende da, aber auch viele Münsteraner", so Professor Autiero. Sie hörten mit großer Aufmerksamkeit zu, als der italienische Vatikan-Experte das Pontifikat Benedikts XVI. als zweipolig beschrieb. "Als Denker, als Person des Wortes, hat Marco Politi den Papst als herausragend beschrieben", berichtet Autiero. "Aber zum 'Lenker der Kirche' hat er sehr viele kritische Anfragen." So seien die vergangenen Jahre von zahlreichen Krisen geprägt gewesen, etwa mit dem Islam, dem Judentum, aber auch innerhalb der Kirche. "Die Kurie ist führungslos, konstatierte Politi." Seinen gesamten Vortrag können Sie hören, wenn Sie unten links auf das kleine Dreieck klicken.
Die anschließende Diskussion war, so Antonio Autiero "von sehr klugen Fragen aus dem Publukim" geprägt. Und obgleich das 2011 erschienene Buch Politis "Ein Papst in der Krise" umstritten ist, blieben die Münsteraner auf Politis Seite. "Gerade von den älteren Zuhörern gab es großen Zuspruch und insgesamt eine große Begeisterung", fasst Autiero zusammen.
Der Journalist Marco Politi berichtete zwanzig Jahre lang für die linksliberale Zeitung "La Repubblica" aus dem Vatikan. Inzwischen arbeitet der 64jährige als freier Journalist. Der Italiener mit einer deutschen Mutter hat besonders über die Pontifikate von Papst Johannes Paul II. und jetzt von Benedikt XVI. geschrieben. Auf zahlreichen Reisen hat er die Päpste begleitet und persönlich kennen gelernt.