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Münster (upm)

Prof. Dr. Tono Eitel - ein Porträt

"Der ideale Platz für meine Sammlung"
Tono Eitel starb am 25. Juni im Alter von 84 Jahren. Diese Aufnahme zeigt ihn im Februar 2017 bei der Präsentation des Buches über seine Rollsiegel.<address>© Robert Dylka</address>
Tono Eitel starb am 25. Juni im Alter von 84 Jahren. Diese Aufnahme zeigt ihn im Februar 2017 bei der Präsentation des Buches über seine Rollsiegel.
© Robert Dylka

Er war ein großer Mäzen des Archäologischen Museums der WWU: der Jurist und Diplomat Prof. Dr. Tono Eitel. Die Universität trauert um den leidenschaftlichen Sammler, der nun im Alter von 84 Jahren in Münster verstarb. Kurz vor seinem Tod sprach Juliane Albrecht mit Tono Eitel für ein Porträt in der Universitätszeitung. Lesen Sie hier den Text aus der „wissen|leben“ Nr. 4, 21. Juni 2017:

Die Rollsiegel des Tono Eitel – eine Leidenschaft findet Heimstätte an der Universität Münster

Auf eines beziehungsweise einen konnte sich die Leitung der Universität Münster in den vergangenen Jahren zu Weihnachten verlassen: auf Prof. Tono Eitel und seine Rollsiegel-Geschenke. Mit großem Ehrgeiz und Akribie hatte der Münsteraner, Jurist und ehemalige Diplomat in vielen Jahren zuvor die kleinen Steinzylinder aus dem Altertum (ca. 7000 bis 331 vor Christus) gesammelt, die gerollt einen erhabenen Abdruck im Hochrelief hervorbrachten und so etwas wie die Unterschrift des Besitzers waren – kurz vor Jahresende übergab er stets einige Exemplare an die WWU.

Wie sich aus seiner Faszination für die Rollsiegel mit Kult-, Tier- oder mythologischen Szenen über die Jahre eine Herzensangelegenheit und lebenslange Leidenschaft entwickelte, kann er so genau gar nicht mehr sagen. „Es war einfach ein Hobby oder Steckenpferd, was mich gefangen nahm“, sagt er. „Es hat mir nicht nur viel Freude bereitet“, fügt er schmunzelnd hinzu, „sondern mich auch einen Batzen Geld gekostet.“

Dass die teils sehr wertvollen Artefakte den Weg in die Sammlung des Archäologischen Museums fanden, lag nicht unbedingt auf der Hand. Der im Jahr 1933 geborene Tono Eitel wuchs zwar in Münster auf und kannte die Flure der Universität schon als „Knäblein“, wie er sagt. Sein Vater Anton lehrte als Historiker an der WWU. Doch schon kurz nach Beginn seines Jurastudiums in Münster Anfang der 1950er Jahre kehrte Tono Eitel seiner Heimatstadt und der Universität den Rücken. Sein Ziel war zunächst Berlin und letztlich nach Stationen unter anderem in Bonn, Hamburg und New York die hohe Diplomatie – ab 1963 stand er in Diensten des Auswärtigen Amts.

Als die Außenminister der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs – darunter Georges Bidault (Frankreich) und Wjatscheslaw Molotow (Sowjetunion) – Mitte der 1950er Jahre in Berlin verhandelten, stand Tono Eitel als Beobachter vor dem Kammergerichtsgebäude im Bezirk Schöneberg. Dort tagte seinerzeit der Alliierte Kontrollrat. Auch 1990, als Vertreter der vier Besatzungsmächte sowie der Bundesrepublik und der DDR in den sogenannten Zwei-Plus-Vier-Gesprächen nach dem Fall der Mauer die deutsche Wiedervereinigung einläuteten, war er wieder mit von der Partie – Tono Eitel fungierte als Berater von SPD-Politiker Egon Bahr.

Neben dem Studium mit dem Schwerpunkt Völkerrecht war Tono Eitel von den innerdeutschen Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg berührt. „Die deutsche Teilung hat mich sehr getroffen, die Wiedervereinigung ebenfalls – natürlich im positiven Sinne“, erzählt der 84-Jährige. In seinem Haus in Münster ist das Diplomaten-Leben Tono Eitels als Referent gewichtiger Politiker, als Botschafter (unter anderem in der libanesischen Hauptstadt Beirut) und als langjähriger Diplomat bei den Vereinten Nationen sichtbar: In den mannshohen Regalen stehen zig Bücher, auf den Kommoden liegen reichlich Schriftstücke, auf dem Schreibtisch ebenso viele Briefe.

Die einst eigens geschaffene Vitrine für die Rollsiegel aber ist mittlerweile leer: Die gut 200 Stücke „inklusive einiger Fälschungen“ (Tono Eitel) lagern in Tresoren und Vitrinen der Universität – als Dauerleihgaben oder Schenkungen (mittlerweile 96). Angefangen hatte es bei einem Kölner Antiquitätenhändler, wo der Jurist in jungen Jahren vier Rollsiegel sah, „aufgereiht auf einem Bindfaden, säuberlich rund um eine Rokoko-Tasse gelegt“. Vage belehrt, worum es sich handelte, erwarb er für 100 Mark alle vier – zwei erwiesen sich später als Fälschungen.

„Mich faszinierte die schon vor mehreren Tausend Jahren erreichte Meisterschaft nicht nur des Intaglios, sondern seine Ausführung im Rund und das auch bei komplexen Darstellungen“, schreibt Tono Eitel im Vorwort des kürzlich erschienenen Buches über Rollsiegel von Georg Neumann – Untertitel: „Die Stiftung der Sammlung Tono Eitel“. Zur Kunstfertigkeit der Rollsiegel – Intaglio steht für diese Art der frühen Tiefdrucktechnik – kam für den Juristen die „Jurisprudenz“ hinzu: Im rechtlichen Sinne dienten Rollsiegel der Beglaubigung von Dokumenten, zudem dienten sie als Sicherung von Verschlüssen. Heute kennt man eher Plomben oder Stempel als Echtheitsnachweis.

Seine Rollsiegel-Sammlung hat Tono Eitel dem Archäologischen Museum gestiftet – teils als Geschenk, teils als Dauerleihgabe.<address>© Robert Dylka</address>
Seine Rollsiegel-Sammlung hat Tono Eitel dem Archäologischen Museum gestiftet – teils als Geschenk, teils als Dauerleihgabe.
© Robert Dylka
Im Lauf der Zeit wuchs die Sammlung. Tono Eitel besuchte Märkte und Händler im Nahen Osten, „wo ich beruflich auf Posten war“, sowie Auktionen im Westen, um weitere Rollsiegel zu erwerben. Nachdem er seinen beruflichen Höhepunkt 1996 als Präsident des UN-Sicherheitsrates erlebt hatte, ging er zwei Jahre später in den Ruhestand – und bezog das Elternhaus im münsterschen Erpho-Viertel. „Kurz darauf stellte ich mir die Frage: Was machst du mit den Rollsiegeln? Bei Christie‘s oder Sotheby’s wollte ich sie nicht sehen, aber auch nicht als Appendix einer anderen Rollsiegel-Sammlung“, erinnert sich der Mäzen.

Schon die ersten Gespräche mit dem Kustos der Archäologischen Museums, Dr. Helge Nieswandt, deuteten eine neue Verbindung zwischen Tono Eitel, den Rollsiegeln und seiner Alma Mater an. An der WWU, wo die Archäologen schwerpunktmäßig den klassischen Zweig (griechische und römische Kultur) pflegen, gab es bis dato nur wenige Rollsiegel. Tono Eitel, den Helge Nieswandt als einen „wahren Kenner dieser Materie“ lobt, sah es als Fügung und Gelegenheit, die hiesige Abteilung des Vorderen Orients zu erweitern. „Es ist also der ideale Platz für meine Sammlung.“

Autorin: Juliane Albrecht

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