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Münster (upm)

WWU-Doktorandin weist Plastikpartikel in Mineralwasser nach

Lebensmittelchemikerin Darena Schymanski über die Ergebnisse ihrer Studie
Darena Schymanski hat untersucht, wie viel Mikroplastik in Mineralwasser enthalten ist.<address>© Philipp Dreuw, PhD-Fotografie</address>
Darena Schymanski hat untersucht, wie viel Mikroplastik in Mineralwasser enthalten ist.
© Philipp Dreuw, PhD-Fotografie

Darena Schymanski, Doktorandin der Lebensmittelchemie aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Hans-Ulrich Humpf, hat Mineralwasser aus Mehrwegflaschen und Einwegflaschen aus PET sowie Mineralwasser aus Glasflaschen und Getränkekartons auf seinen Mikroplastikgehalt untersucht. Das Ergebnis: In jeder Probe waren zumindest einige Kunststoff-Partikel enthalten. Die meisten Partikel waren in Kunststoff-Mehrwegflaschen zu finden. In Einwegflaschen und in Getränkekartons waren es deutlich weniger. In einigen Glasflaschen wurde ebenfalls ein relativ hoher Mikroplastikgehalt festgestellt. Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL). Darena Schymanski hat die Untersuchungen per Raman-Mikrospektroskopie dort durchgeführt. Im Interview mit Christina Heimken gibt sie Einblicke in die Studie.

Haben Sie die Ergebnisse überrascht?

Jein. Wir hatten schon damit gerechnet, etwas Plastik in den Plastikflaschen zu finden. Aber dass wir in Einweg-PET-Flaschen kaum etwas finden, dafür jedoch so hohe Gehalte in Mehrweg-PET und auch in einigen Glasflaschen, das hat uns überrascht. Vor allem, dass 80 Prozent der Partikel sehr klein sind, ist erstaunlich – sie sind unter 20 Mikrometer groß, also unter 20 millionstel Meter.

Woher stammt das Plastik in den Flaschen?

Wir vermuten, dass es sich bei den Mehrweg-PET-Flaschen tatsächlich um einen Abrieb oder ein Herauslösen von winzigen Stückchen der Flaschen und Deckel handelt. Dafür spricht zum einen, dass wir in den PET-Flaschen hauptsächlich PET, also Polyethylenterephthalat, und PP, also Polypropylen, identifizieren konnten. Daraus sind die Flaschen und Deckel gemacht. Zum anderen wurden in den Getränkekartons ebenfalls Bestandteile der Verpackung gefunden, nämlich größere Zellulosefasern und Polyethylenpartikel. Woher das Mikroplastik aus den Glasflaschen stammt, können wir bisher nur ahnen. Hier wäre eine Stufenkontrolle der Prozesse vom Brunnen bis zur Abfüllung sinnvoll, um Eintragsquellen auszumachen.

Wie sollen Verbraucher nun reagieren?

Es ist schwierig, auf Grundlage der bisherigen Datenlage Empfehlungen abzuleiten. Weitere Untersuchungen müssen nun folgen. Es besteht Klärungsbedarf hinsichtlich der Herkunft der Plastikteilchen und der gesundheitlichen Bewertung.

Was erwarten Sie von den Mineralwasserherstellern?

Ich erwarte, dass die Hersteller im Rahmen ihrer Sorgfaltspflicht die Ursachen ermitteln und im Rahmen des vorbeugenden Verbraucherschutzes die Risiken beurteilen. Gegebenenfalls müssen sie dann nach dem Minimierungsprinzip „ALARA“ handeln. „ALARA“ steht für „As Low As Reasonably Achievable”, auf Deutsch “So wenig wie mit vertretbarem Aufwand möglich”. Der Plastikeintrag sollte also reduziert werden, soweit es technisch sinnvoll und möglich ist.

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