Eine Liebeserklärung an Irland

13 Wochen sind nun um und es wird Zeit für ein paar abschließende Worte. Das Auslandssemester ging, entgegen anfänglicher Erwartungen, viel zu schnell zu Ende. Vermutlich hat jeder, der das erste Mal für eine längere Zeit ins Ausland geht, die Sorge, niemanden kennenzulernen und auf sich alleine gestellt die Zeit „totschlagen“ zu müssen. Doch Gott sei Dank war dem nicht so und viele tolle Menschen haben meine Zeit in Dublin unvergesslich und zu einer überaus lehrreichen Zeit gemacht!

Zunächst kann ich wirklich jedem empfehlen, ein Auslandssemester zu machen und auch Irland in Betracht zu ziehen. Irland ist eine wunderschöne Insel, von der ich auf meinen Wochenendausflügen leider nur einen Bruchteil entdecken konnte. So lange drei Monate am Anfang auch scheinen, de facto hat man nie genug Zeit für alles.

Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich die meisten Ausflüge mit Freunden und Familie aus Deutschland erleben durfte. Hier in Irland habe ich wirklich zu schätzen gelernt, dass ich mich auf meine Freunde zu hundert Prozent verlassen kann. Neben einem Wochenende mit meinen Eltern und meiner Schwester bekam ich an vier weiteren Wochenenden Besuch aus Deutschland. Ich hätte anfangs tatsächlich nicht damit gerechnet, dass alle, die sich angekündigt haben, tatsächlich nach Dublin fliegen. Doch ich wurde eines Besseren belehrt und bin sehr glücklich, so viele schöne Tage mit meinen Freunden aus Deutschland erlebt zu haben. Doch auch die „besuchsfreien“ Wochenenden waren toll – ich hatte schöne Momente und Unternehmungen mit den anderen Praktikantinnen und neuen Freunden, und auch Ausflüge allein haben mir schöne Ecken Dublins gezeigt.

Es gab auch Momente, zum Glück nur sehr, sehr wenige, an denen ich mich einsam gefühlt habe. Ende Oktober gab es landesweit eine Woche Ferien. Leider bekam ich gerade in dieser Woche keinen Besuch, meine Freundinnen in Irland hingegen schon. Also fuhr ich alleine für fünf Tage in den Südwesten der Insel.  Nach zwei Nächten in Hostels verbrachte ich zwei Nächte in einem AirBnB in Kinsale, einer süßen Hafenstadt in der Nähe von Cork, der zweitgrößten Stadt Irlands. Da ich nur für drei Tage geplant hatte, was ich machen wollte (und dabei gehöre ich zu den Menschen, die wirklich alles planen müssen), gestaltete ich den vierten Tag nach den Vorschlägen meiner Gastgeber und fuhr mit einem Kleinbus rauf auf den Old Head of Kinsale. Als ich aus dem Bus ausstieg, wurde ich fast weggeweht, und als ich mit älteren Leuten im Cafe, in dem ich mich aufwärmen wollte, ins Gespräch kam und ihnen erzählte, dass ich hier wandern gehen wollte, kam nur ein „Are you serious?“. Trotz eher ungemütlicher Wetterverhältnisse lief ich dann erstmal los. Zwei Stunden alleine durch die Gegend wandern fühlte sich ziemlich komisch an. Im Nachhinein wusste ich aber, dass es einem persönlich sehr hilft, auch mal komplett mit sich alleine zu sein und die Gedanken schweifen zu lassen, ohne die Stille und den Mangel an Kommunikation durch sein Handy ausfüllen zu müssen. Wir alle sind es heutzutage nicht mehr gewöhnt, mit uns alleine zu sein. Ständig werden wir von Medien abgelenkt –  ich selbst verbringe drei Stunden täglich an meinem Handy, und dabei ist die Zeit vorm Laptop noch nicht mit eingerechnet.  Auf Dauer kann sowas nur ungesund und in jeglicher Hinsicht schlecht sein, daher war diese kurze Reise auf eine gewisse Art sehr entspannend.

Was meine Zeit maßgeblich so positiv gemacht hat, waren mein Praktikum und die Kinder. Die Greenlanes National School ist eine familiäre Schule, an der eine super freundliche Atmosphäre untereinander herrscht. In beinahe allen Klassen, in denen ich hospitiert und unterrichtet habe, habe ich Positivbeispiele gesehen, wie Unterricht laufen kann und sollte. Kinder wie Lehrer gehen alle sehr entspannt und nett miteinander um und es wurde viel gelacht. Spaß und diszipliniertes Arbeiten in der Schule müssen kein Gegensatz sein, sondern lassen sich wunderbar miteinander verbinden.

Ich konnte mich häufig im Unterrichten ausprobieren und Projekte umsetzen, die mir sehr am Herzen liegen. Die Resonanz und Partizipation der Schülerinnen und Schüler an meinem Unterricht war überaus positiv und hat mich in meinem Unterrichtsstil bestätigt. Gleichzeitig hatte ich genügend Gelegenheit, meinen Umgang mit den Kindern und meine Vermittlungsstrategien zu reflektieren – hierbei hätte ich mir aber auch einen kritischeren Blick seitens der Lehrkräfte gewünscht.

Die Kinder sind mir alle sehr ans Herz gewachsen und ich werde sie mit Sicherheit vermissen – obwohl man das nach jedem Praktikum sagen kann, sind drei Monate nun doch eine lange Zeit, in der man sich sehr aneinander gewöhnt.

Am Freitag hatte ich einen sehr rührenden Abschiedstag in der Schule – mit fast 30 Abschiedskarten und einer Menge wunderschöner Erinnerungen, aber auch mit riesiger Vorfreude, meine Familie, meinen Freund und meine Freunde in Münster wiederzusehen und meine eigenen vier Wände wiederzuhaben, saß ich vergangenen Samstag im Flugzeug zurück nach Deutschland. Zurück in Münster hoffe ich, meine Erfahrungen aus Irland auch im Unterrichten vor Ort anwenden zu können.

Normalerweise bleibe ich meinem Motto „In kein Land zwei Mal“ treu (ja, ich weiß, es klingt schon seltsam), aber für Irland mache ich in Zukunft definitiv eine Ausnahme und werde im nächsten Jahr nach günstigen Flügen Ausschau halten, um die Schule und neue Freunde in Dublin zu besuchen 🙂

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