Mein Praktikum an der Heworth CE Primary School in York

Hello again,

ich melde mich zurück für meinen zweiten Blogbeitrag aus York. Die Zeit vergeht wie im Flug. Kaum zu glauben, dass bereits zwei Drittel der Zeit um ist. Ich fühle mich immer noch sehr wohl hier und so langsam kennt man sich schon richtig aus und weiß sogar wolang die kleinen Snickleways führen. Beim letzten Mal habe ich euch etwas über mein Leben und besondere Erlebnisse außerhalb der Schule erzählt. Heute möchte ich deshalb gerne auf den Schulalltag eingehen. Ich versuche hierbei nicht zu viele Aspekte der vorherigen Beiträge zur Heworth CE Primary School zu wiederholen.

Die Heworth CE Primary School, an der ich mein dreimonatiges Praktikum absolviere, liegt in dem nordöstlichen Stadtteil Heworth. Die Schule ist verhältnismäßig klein und hat lediglich ein eingliedriges Stufenformat. Zur Schule gehören neben fünf Klassenräumen ein Fußballplatz und ein Schulhof. Die nahegelegene Church Hall wird insbesondere im Winter für den Sportunterricht genutzt, obwohl die Schüler und Lehrer, was Kälte betrifft, wirklich hartgesotten sind und selbst bei Minusgraden häufig in kurzer Hose auf dem Fußballplatz Sport unterrichtet wird. In der Schule herrscht ein unfassbar familiäres Klima und alle Lehrkräfte sind sehr bemüht, dass sich  jeder wohl und willkommen fühlt. Die Schule besteht aus sechs Jahrgangsstufen von der Reception Class bis zur Class 5. Wer mehr zur Struktur der Schule wissen möchte, kann dies gut in Leas Beitrag („Good morning, boys and girls!„) nachlesen. Alle Schüler tragen eine rot-weiß-graue/schwarze Schuluniform, wobei lediglich das Farbkonzept vorgegeben wird, nicht aber welche Kleidungsstücke getragen werden müssen. Das bleibt den Familien selbst überlassen. Ich finde ein Schulsystem mit Schuluniformen nicht verkehrt, da es definitiv den Zusammenhalt fördert und Mobbing sicherlich in gewisser Weise vorbeugen kann.

Die vier zentralen Werte der Schule sind: Trust, Compassion, Endurance und Forgiveness. Diese Werte sind angelehnt an den christlichen Glauben, da die Schule als Teil der Church of England in erster Linie diesem Glauben folgt, aber dennoch alle Schüler mit anderen Religionen mit offenen Armen empfängt. Die religiöse Orientierung der Schule zeigt sich beispielsweise in den Liedern, die gesungen werden, oder daran, dass vor dem Mittagessen gebetet wird. Darüber hinaus wird insbesondere Wert darauf gelegt, dass die Schüler sich untereinander mit Respekt behandeln, sich gegenseitig helfen und schätzen. In meiner Klasse (Class 5) ist die Sitzordnung beispielsweise so organsiert, dass neben jedem starken Schüler ein leistungsschwächerer Schüler sitzt, sodass sie sich gegenseitig während der Partnerarbeit unterstützen können. Das klappt wirklich gut!

Außerdem wird stets versucht, die Schüler über Belohnungen zu motivieren anstatt Disziplin nur über Strafen hervorzurufen. Dadurch sind die Schüler die meiste Zeit verblüffend motiviert. Jeden Freitag findet eine Assembly in der Schulaula statt, bei der alle Schüler der Schule zusammenkommen. Hier werden zusammen Lieder gesungen, selbst verfasste Texte der Schüler präsentiert, Bilder von Projekten der vergangenen Woche gezeigt oder Geschichten aus der Bibel auf interessante Art und Weise von den Schülern vorgeführt. Außerdem dienen die Assemblies dazu, dass Urkunden und Pokale durch die Klassenlehrer für besonders gute Leistungen, große Anstrengungesbereitschaft oder ein besonders positives Sozialverhalten in der vergangenen Woche  verliehen werden. Die Kinder sind dann immer sehr stolz, was sich sicherlich positiv auf ihre Motivation auswirkt. Darüber hinaus ist die ganze Schülerschaft klassenübergreifend in vier Gruppen eingeteilt. Falls sich ein Schüler während des Unterrichts besonders gut verhalten hat oder eine hohe Anstrengungsbereitschaft gezeigt hat, können die Lehrer dafür sogenannte Housepoints verteilen. Am Ende eines Monats wird dann geschaut, welche Gruppe die meisten Housepoints gesammelt hat und die Schüler dieser Gruppe können dann an einem bestimmten Tag ihre eigene Kleidung zur Schule tragen, was die Schüler als große Belohnung ansehen. Dieses Konzept finde ich richtig gut, da die Schüler die Schule so als einen positiven Ort wahrnehmen.

Darüber hinaus ist die Schule sehr engagiert, den Horizont der Schüler stets zu erweitern. Dafür bieten sie über den regulären Unterricht hinaus ein unfassbar abwechlsungsreiches Programm mit interessanten Themen. In den vergangenen zwei Monaten hatten wir beispielsweise eine Themenwoche zu Afrika. Hier haben die Schüler unter Anderem gelernt, wie groß der Kontinent Afrika ist und wie stark sich die sozialen Umstände der Menschen in Afrika unterscheiden (insbesondere zwischen urbanen und ländlichen Regionen). Außerdem hatten sie im Rahmen dieser Themenwoche auch einen Dozenten der York University zu Besuch, der eine Methode entwickelt hat, mit denen die Einheimischen in ländlichen Regionen Afrikas mit einer einfachen Apparatur ihr Trinkwasser selbst reinigen können, ohne dass große Kosten anfallen (wie sie auf dem Bild zu sehen ist).

Darüber hinaus hatten die Schüler die Möglichkeit, mehr über die Sterne und die Planeten  zu lernen. Dafür wurde ein mobiles Planetarium in der Hall der Schule aufgebaut und die Schüler wurden auf eine Reise durch das Weltall mitgenommen, das war wirklich sehr interessant! Außerdem hat die Schule hin und wieder interessante Gäste zu Besuch, wie einen Buchautoren eines Buches, das einige Klassen kürzlich gelesen haben und einen Muslim, der einer Moschee in Leeds angehört. Er hat den Schülern den Islam im Rahmen eines Workshops näher gebracht. Am vergangenen Montag war ich mit dem Singing Club der Schule bei dem Choral Festival, an dem neben der Heworth CE Primary School noch fünf weitere Schulen teilnahmen. Neben einem Workshop bestand das Choral Festival daraus, dass jede Schule ein eigenes Lied vor Eltern und Verwandten präsentiert hat und alle Schulen gemeinsam Lieder vorgesungen haben. Ich denke, es wird deutlich, wie engagiert die Schule ist, den Kindern auch über das Curriculum hinaus vielfältige Erfahrungen zu ermöglichen.

Meine Aufgabe während meines Praktikums ist es, die Klasse 5 zu unterstützen. Außer freitags Nachmittags bin ich deshalb jeden Tag in dieser Klasse, unabhängig davon, welches Fach die Schüler gerade haben. Freitagnachmittags begleite ich die Reception Class und Class 1 zum Sport. Während ich in der Class 5 bin, unterstütze ich den Lehrer im Unterricht, indem ich einzelnen Schülern bei der Bearbeitung von Aufgaben helfe oder Sachverhalte nochmals erkläre. Häufig arbeite ich mit einer Gruppe schwächerer Schüler im Klassenraum oder in einer Gruppenarbeitsecke auf dem Flur zusammen und übe mit ihnen nochmal extra Aufgaben, damit sich das Gelernte festigt. Anfangs fiel es mir schwer, den Schülern Bruchaufgaben, Volumen- oder Flächenberechnungsaufgaben im Matheunterricht auf Englisch zu erklären, aber man eignet sich das Vokabular viel schneller an als man denkt und es macht mir mittlerweile echt Spaß, den Schülern bei Matheaufgaben zu helfen. Und nebenbei frischt es meine Matheskills auch nochmal wieder auf :D. Außerdem übe ich mehrmals pro Woche mit schwächeren Schülern das Lesen und vor allem das Verstehen des Gelesenen. An der Schule wird sehr viel Wert auf die Förderung des Leseverständnisses gelegt. Die Schüler müssen jeden Nachmittag nach der Schule noch für 15 Minuten zu Hause lesen und dies von den Eltern unterzeichnen lassen. Dafür erhalten sie Bücher aus der Schule, die für ihr Leseniveau angemessen sind. Das Tauschen der Bücher gehört zu dem Aufgabenbereich von uns Praktikanten. Ich tausche die zuende gelesenen Bücher der Schüler der 5. Klasse ca. alle zwei Tage. Darüber hinaus gehört zu meinem Aufgabenbereich natürlich die typischen Praktikantenaufgaben wie Kopieren, Laminieren, Sortieren oder mal die Pausenaufsicht zu übernehmen. Außerdem gestalte ich ab und zu die Plakate, die die Wand in der Klasse oder auf dem Flur schmücken mit aktuellen Kunstwerken der Schüler neu. Links sieht man beispielsweise die Kunstwerke der Schüler, die sie im Rahmen der Afrika-Woche gestaltet haben. Diese sind angelehnt an die Kunst des Ndebele-Stamms aus Süd-Afrika.

Mir gefällt das Praktikum unfassbar gut. Als Praktikantin fühlt man sich sehr willkommen und die Schüler nehmen die Hilfe von uns gerne an. Um die eigenen Englischfähigkeiten zu verbessern, eignet sich ein Praktikum wie dieses definitiv, da man den ganzen Tag bis nachmittags Englisch spricht und man so schnell fließender wird. Auch das Alltagsvokabular, das in der Uni selten gefragt ist, wird so auf jeden Fall nochmal aufgefrischt. Ich kann auch die Schule wirklich für ein Praktikum weiterempfehlen. Es herrscht ein tolles Klima. Durch die Offenheit der Lehrkräfte, konnte ich bisher definitv viel von ihnen lernen, was ich für meinen späteren Berufsalltag nutzen kann.

Ein kleiner Nachtrag noch zu meinem letzten Beitrag, in dem es um Sehenswertes in und um York ging: Besucht auf jeden Fall Whitby und Robin Hoods Bay an der Küste. Diese Orte sind vor allem bei gutem Wetter wirklich traumhaft schön. Dazu bietet es sich allerdings an ein Auto zu mieten. Auf dem Weg dorthin fahrt ihr durch den Nationalpark North York Moors und könnte wirklich schöne und interessante Moorlandschaft sehen.

So, das war’s nun wirklich von mir! Ich genieße nun noch die letzten drei Wochen hier und melde mich in ca. einem Monat mit einem abschließendes Beitrag zu meinem Auslandsaufenthalt zurück.

See you soon!

Carmen

 

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