„Come si dice in tedesco…?“ Mein DaF-Praktikum in Torino

Da ich nun seit zwei Monaten in der wunderschönen Großstadt Torino bin und mein Praktikum absolviere, hat sich allmählich so etwas wie ein Alltag eingeschlichen. Zumindest was meinen Arbeitsalltag angeht. Denn selbst wenn ich mir noch so viel Mühe gebe, etwas im Voraus zu planen – letztlich holt mich die herrlich entspannte, chaotische Gegenwart in Italien doch wieder ein. Von einer spontanen Gelegenheit in die italienische Oper zu gehen, ein Theaterstück anzuschauen, zahlreiche Kunstmessen zu besuchen oder einfach ein israelisches Essen gekocht zu bekommen – meist habe ich morgens beim Aufstehen noch nicht die geringste Vorstellung davon, was mich im Laufe des Tages erwarten wird. Ma amo questa vita!

Mein Praktikum ist im Kontrast hierzu sehr gut geplant und strukturiert. In dem Institut für deutsche Sprache und Literatur sind größtenteils LektorInnen tätig, die vor Jahren selbst aus Deutschland nach Turin gekommen sind und hier nun die deutsche Sprache unterrichten. Ich hatte das Glück, gleich zu Beginn das gesamte Kollegium kennenzulernen. In einer Gruppensitzung wurden zu Anfang die diesjährigen Zusammensetzungen und Inhalte der Kurse besprochen, was nebenbei bemerkt eine sehr lustige Angelegenheit war: alle organisatorischen Angelegenheiten wurden auf Deutsch geregelt, während die Schwierigkeiten beispielsweise bezüglich der Raumzuteilungen erhitzt auf Italienisch diskutiert wurden (was außer mir jedoch niemand zu bemerken schien). Am selben Tag habe ich mir anschließend meinen Stundenplan zusammengestellt. Dabei war mir wichtig, einen möglichst umfassenden Einblick zu gewinnen.

Die erste offizielle Praktikumswoche war dementsprechend vollgepackt. Als größte Schwierigkeit stellte sich heraus, die verschiedenen Gebäude in der Stadt ausfindig zu machen. Es kommt in Turin nicht selten vor, dass sich ein Universitätsgebäude in einem von außen relativ unscheinbarem Gebäude befindet, was als Entschuldigung dafür dienen könnte, dass ich nicht nur einmal an dem entsprechenden Eingang vorbeilief. In den Kursen war ich die erste Woche vor allem damit beschäftigt, mich vorzustellen und mich wiederum im Anschluss zahlreichen Fragen beispielsweise zu meinem Studium in Deutschland und meiner Tätigkeit in Turin zu stellen. Auch nach den Kursen sprachen mich die StudentInnen häufig an, entweder weil sie selbst schon einmal in Münster waren, weil sie meine Italienisch-Kenntnisse verbessern wollten oder einfach Lust auf einen Kaffee und ein Gespräch auf Deutsch hatten.

In der zweiten Woche fing dann erstmals mein eigenes Tutorium an. Ich habe hier die Möglichkeit bekommen, zweimal in der Woche Deutsch-StudentInnen ein Tutorium anzubieten, im Rahmen dessen wir Grammatik wiederholen, Texte besprechen, Kommunikation üben und uns über die verschiedenen Kulturen austauschen. Mittlerweile hat sich eine feste Gruppe aus 10-15 StudentInnen gebildet, die regelmäßig kommen und sich untereinander sehr gut verstehen. Das Schöne ist, dass ich das Ganze nicht allein organisiere. Mit mir ist noch eine weitere Studentin aus Berlin da. Wir unterstützen uns, wo wir nur können, entwickeln gemeinsam Unterrichtsmaterial und haben dabei so viel Spaß, dass wir schonmal nachts aus dem Fenster des Institutsgebäudes springen mussten, weil wir das Schließen der Türen verpasst hatten.

In den regulären Kursen helfe ich wo ich kann. Zu meinen Aufgaben zählten bis jetzt zum Beispiel die Aufsicht mehrerer Klausuren, die Korrektur von Texten und Tests, die Unterstützung der StudentInnen bei Referaten und Arbeiten sowie die Durchführung eigener Einheiten. Ich bemerke dabei zunehmend, dass es mir am meisten Freude bereitet, in den Master-Klassen mitzuwirken. Die StudentInnen sind sprachlich bereits in der Lage, über aktuelle Themen zu diskutieren und es ist wirklich spannend für mich, mit ihnen über aktuelle politische Entwicklungen in Italien, Deutschland, Europa und der Welt zu sprechen. Die Arbeit mit den LektorInnen ist ebenso bereichernd. Sie sind allesamt stets bemüht, mich in ihre Arbeit einzubinden und ich habe jederzeit die Möglichkeit, eigenen Input zu leisten.

Zusammenfassend kann ich demnach von meiner Tätigkeit nur Positives berichten. Ich lerne jeden Tag dazu, habe großen Spaß an meiner Arbeit und bin sowohl von den KollegInnen als auch von den StudentInnen, die oftmals nur wenige Jahre jünger sind als ich, nicht nur freundlich, sondern absolut herzlich aufgenommen worden.

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