Als ich für einen Teil meines Praktischen Jahres nach Malawi flog, hatte ich vor allem drei Erwartungen: ein neues Gesundheitssystem kennenlernen, medizinisch dazulernen und meine gewohnte Umgebung verlassen und aus meiner Komfortzone treten. Bekommen habe ich all das – plus verloren gegangenes Gepäck, Lebensmittelvergiftungen und einige existenzielle Gedanken zum Thema globale Gesundheit.
Ankommen in einem neuen Alltag
Die zwei Monate verbrachte ich am Queen Elizabeth Central Hospital in Blantyre, hauptsächlich in der Chirurgie, aber auch in der Geburtshilfe. Das Praktikum war wirklich gut organisiert, sodass ich schnell in den Klinikalltag integriert wurde. Besonders schön war auch der enge Kontakt zu den lokalen Medizinstudierenden. Neben der gemeinsamen Visite verbrachten wir auch Zeit außerhalb des Krankenhauses miteinander und gingen gemeinsam Mittagessen.
Die Arbeit in der Klinik empfand ich auf vielen Ebenen als sehr herausfordernd. Neben den medizinischen Aufgaben musste ich mich zunächst, in einem für mich unbekannten Gesundheitssystem, orientieren: neue Abläufe, Kommunikation und Ressourcen. Dazu kamen die Verständigung auf Englisch und Chichewa, die mir im Klinikalltag begegneten. Das Anpassen, Beobachten und Dazulernen machte die Arbeit spannend – und manchmal auch herausfordernd.
Untergekommen bin ich in einer Unterkunft am Rand von Blantyre. Dort wohnten zahlreiche internationale Studierende und medizinisches Personal zusammen. Innerhalb kürzester Zeit entstanden enge Freund*innenschaften, die meinen Alltag in Malawi sehr geprägt haben. Wir haben nicht nur viel Zeit in der Klinik zusammen verbracht, sondern auch danach über viele Dinge gesprochen, die wir erlebt hatten und somit hat sich immer ein offenes Ohr gefunden, wenn man irgendwelche Sorgen hatte.
Zwischen Lernen und Zweifeln
Neben vielen positiven Eindrücken gab es natürlich auch Aspekte, die mich nachdenklich stimmten. Immer wieder stellte sich die Frage, ob und wenn ja wie internationale Ausbildungsaufenthalte einen nachhaltigen Beitrag leisten können oder ob sie teilweise eher den Lerninteressen der Auszubildenden dienen. Themen wie White Saviorism und Nachhaltigkeit begegneten uns täglich im Alltag, sowohl auf der Arbeit, als auch unterwegs bei international geförderten Projekten.

Ich habe bis jetzt keine abschließenden Antworten auf diese Fragen gefunden. Die Zeit in Malawi hat mir jedoch gezeigt, wie wichtig es ist, die eigene Rolle kritisch zu hinterfragen und zuzuhören. Für mich war diese Reflexion ein wesentlicher und immer wiederkehrender Bestandteil meines Aufenthaltes.
Malawi außerhalb des Krankenhauses
Mindestens ebenso prägend wie die Arbeit im Krankenhaus war das Kennenlernen des Landes. Nicht nur eine neue Landschaft, sondern eine komplett andere Politik und Wirtschaft sorgten dafür, dass man tagtäglich was dazulernte.
Herausforderungen im Alltag waren vor allem die Suche nach sicheren Lebensmitteln, um der nächsten Lebensmittelvergiftung aus dem Weg zu gehen und der Versuch einer möglichst ausgewogenen Ernährung bei täglich steigenden Preisen bei hoher Inflation und teuren Importprodukten (eine Packung Haferflocken kostete beispielsweise zwölf Euro).
An den Wochenenden blieb genug Zeit, um die Gegend außerhalb von Blantyre kennenzulernen. Gemeinsam mit Freund*innen mietete ich ein Auto und wir erkundeten die Umgebung. Zu den eindrucksvollsten Erlebnissen zählten definitiv der Lake Malawi, das Zomba Plateau und der Majete National Park.

Was bleibt?
Wenn ich jetzt auf die zwei Monate in Malawi zurückblicke, denke ich nicht zuerst an einzelne Situationen im Klinikalltag, sondern an Begegnungen mit Menschen, an Gespräche, gemeinsame Reisen und die vielen Situationen, die mich zum Nachdenken gebracht haben.
Die Zeit hat mir geholfen, eine realistischere Vorstellung davon zu entwickeln, wie es sein könnte, später einmal im Ausland zu arbeiten. Sie hat mir gezeigt, wie ich in ungewohnten und teilweise kritischen Situationen reagieren kann, und mir mehr Sicherheit gegeben, mit Unsicherheit umzugehen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass globale Gesundheit weit mehr bedeutet als Medizin allein. Sie umfasst gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Strukturen, ebenso wie Fragen nach Verantwortung und Privilegien.
Malawi war für mich kein perfekter Aufenthalt. Gerade deshalb war er so wertvoll. Würde ich es wieder machen? Definitiv. Dieses mal vielleicht mit einem AirTag im Koffer und einer etwas besser ausgestatteten Reiseapotheke.





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