Welcome to: Usbekistan

Mitten in der Nacht landet mein Flugzeug der russischen Airline Aeroflot in Buchara, meinem zukünftigen Praktikumsort in Usbekistan. Es ist nicht meine erste lange Reise, aber meine erste mit einer russischen Airline und ich bin während des Boardens erstaunt, wie fremd die kyrillische Schrift auf der Menükarte wirkt.

Ja, so muss sich wahre Fremde anfühlen. Wenn nicht einmal die Buchstaben Heimat versprechen. Ein ganz ähnliches Gefühl habe ich an meinem Umsteigeflughafen in Moskau, als ich einen Burger King mit kyrillischen Schriftzeichen sehe. Während des zweiten Flugs sinniere ich über das Land, in dem ich nun tatsächlich fast sieben Wochen leben werde. Usbekistan. 

Nun bin ich bereits seit einer Woche in Buchara, habe mein Zimmer im Studentenwohnheim bezogen, bin durch die historische wunderschöne Altstadt spaziert, mit dem Taxi durch die Stadt gerast, habe das Nationalgericht Palov probiert, auf dem Basar Obst und Gemüse gekauft und einen ‚typischen‘ Tag in der Bibliothek verbracht. Einiges scheint dem zunächst ganz ähnlich zu sein, was viele Studierende auch aus Münster kennen, doch Usbekistan und Deutschland trennen manchmal Welten. Aus für mich unerfindlichen Gründen startet zum Beispiel mein PC in der Bibliothek nicht, also frage ich die Studentin neben mir, ob sie Englisch spricht. Tut sie nicht. Nach einer (für mich sehr peinlichen) Minute wissen nun aber alle Studierenden im Raum um unsere Sprachbarriere und tatsächlich findet sich unter ihnen eine Studentin, die Englisch studiert. Sie erklärt mir, dass heute Vormittag leider der Strom ausgefallen ist.

Anschließend laufe ich mit einem usbekischen Dozenten zu einer offiziellen Meldestelle, die die notwendigen Registrierungen in Usbekistan übernimmt. Offensichtlich wird das Muster, nach dem diese Registrierungen ablaufen, häufig verändert – um „die Menschen zu verwirren“, wie meine Begleitung verzweifelt erklärt. Während des Gesprächs mit dem Beamten, in dem ich nur Zuhörerin bin, bekomme ich das Gefühl, dass hier Bürokratie eine Art Selbstzweck ist. Warum ich überhaupt registriert werden muss, kann mir nämlich niemand so richtig erklären und ich bezweifle, dass die enorme Anzahl dicker Ordner unter dem Schreibtisch des Beamten jemals wieder durchgesehen wird.

Besonders erscheint mir hier auch die unheimliche Gastfreundschaft der Usbeken. Nie musste ich bisher ein Taxi oder ein Mittagessen in der Mensa bezahlen. Als mich ein Student auf eine kleine Erkundungstour durch die magische Altstadt von Buchara begleitet, bringt er mir ein paar Wörter Usbekisch bei. Seitdem grüße ich mit salom (dabei legen sich die Usbeken die rechte Hand auf ihr Herz) und bedanke mich mit katta rahmat. Zwei Studentinnen laden mich abends zu sich ein und spielen für mich ein wunderschönes Stück auf der usbekischen ‚Gitarre‘, der dombra. Während ich der Musik lausche und mein Fladenbrot in die süße Kirschmarmelade dippe, habe ich ein leises, erstes Gefühl von Angekommensein in diesem fremden Land. Die größte Herausforderung bleibt für mich allerdings, (jeden Tag aufs Neue) zu erklären, dass ich kein Fleisch esse. Für die Usbeken absolut unverständlich, offensichtlich muss ich wahnsinnig sein, wenn ich freiwillig auf das Beste der Mahlzeit verzichte.

Die Studentin, die mich zum Palov-Essen in die Mensa einladen wird, dreht sich im Gehen zu mir um, und sagt: „You know what? If we are kind and good to the people surrounding us, there are no borders, just bridges!” Vielleicht sind die Welten, die uns trennen, ja gar nicht so schwierig zu überwinden.

 

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