Welchen Teil von Eyjafjallajökull hast du nicht verstanden?

Obwohl mich die isländische Sprache schon bei meinem ersten Besuch auf dieser Insel fasziniert hat, habe ich es bisher leider nicht geschafft, mehr als ein paar Sätze zur Alltagskommunikation zu lernen. Das liegt zum Teil sicherlich daran, dass mein Semester vor dem Praktikumsaufenthalt sehr überladen war mit Seminaren, Vorlesungen, Arbeiten und einem anderen Sprachkurs (Türkisch), den ich curricular belegen musste.

Zudem wurde am Münsteraner Sprachenzentrum leider kein Isländisch-Kurs angeboten. Mein geringer Fortschritt hier vor Ort hingegen ist wohl darin zu begründen, dass ich, durch meine Arbeit am deutschen Institut der Fakultät für Sprachen und Kulturen, wo ohnehin alle entweder Deutsch oder Englisch miteinander sprachen, kaum mit dem Isländischen in Berührung komme, und dass auch im Alltagsleben – selbst wenn ich versuche einfache Gespräche auf Isländisch zu führen – die Menschen schnell Englisch mit mir sprechen, wenn sie bemerkten, dass ich bei weitem keine Muttersprachlerin bin. Im Großen und Ganzen war das sehr hohe Sprachniveau im Englischen, welches hier vorherrscht, sehr vorteilhaft für mich, da ich diesen Praktikumsort unter anderem ausgewählt habe, um auch meine eigene kommunikative Kompetenz im Englischen vor meinem Einstieg ins Referendariat noch einmal aufzufrischen. Wenn man jedoch eine andere Fremdsprache als Englisch zu lernen versucht, ist die Tendenz vieler Menschen, in Island wie auch in Deutschland und vielen anderen Ländern, höflichkeitshalber zum Englischen zu wechseln, sobald man merkt, dass die Person sich mit der Landessprache schwer tut, eher hinderlich. Insgesamt kommt man vor allem in der isländischen Hauptstadt somit jedoch auch sehr gut ohne nennenswerte Isländisch-Kenntnisse zurecht.

Dennoch werde ich, wenn ich noch einmal für längere Zeit hierher komme, versuchen mich im Vorfeld stärker mit dem Erlernen der Sprache auseinanderzusetzen, da ich durch Gespräche mit Muttersprachlern und eigene Erfahrungen – beispielsweise beim Einsteigen in den Bus oder im Supermarkt an der Kasse – festgestellt habe, dass die isländische Sprache eine besondere identitätsstiftende Funktion für ihre Sprecher hat, und dass viele es sehr schätzen, wenn man versucht sie zu erlernen, obgleich man sie im Alltag hier kaum benötigt.

Für deutsche MuttersprachlerInnen soll es insgesamt nicht besonders schwer sein, Isländisch zu lernen,  da sich die beiden Sprachen in ihrer Struktur und auch bezüglich vieler Lehnwörter sehr ähneln, wodurch ich beispielsweise im Supermarkt kaum Probleme habe, zu verstehen, was auf den Lebensmittelverpackungen steht. Allein die Aussprache ist teilweise recht gewöhnungsbedürftig, da viele Buchstaben anders ausgesprochen werden als im Deutschen und es zwei Buchstaben, þ und ð, gibt, die die deutsche Sprache nicht kennt. Hierdurch ist es meiner Meinung nach deutlich schwieriger gesprochene Sprache zu verstehen als geschriebene.

Als Tipps zum Einstieg ins Isländische kann ich die App Drops oder die Website Icelandic Online empfehlen. Beide haben mir sehr geholfen, die ersten Wörter und Sätze zu lernen und auch halbwegs korrekt auszusprechen. Zudem hat einer der Dozierenden sich während meines Praktikums einmal einen Spaß daraus gemacht mit den „Nicht-Isländern“ des Kurses die isländische Aussprache zu üben. Dies war zwar belustigend für alle Beteiligten, aber auch sehr hilfreich. Lediglich bei Worten wie Eyjafjallajökull, Kirkjubæjarklaustur oder Hvannadalshnúkur komme ich noch immer an meine Grenzen.

Letztens habe ich dann noch ein Wort kennengelernt, das meiner Meinung nach besonders zu Island passt, und zwar der Begriff Gluggaveður. Dies heißt übersetzt so viel wie „Fensterwetter“ und bezeichnet das Phänomen, dass es wunderbar sonnig aussieht und es dich eigentlich nach draußen zieht, aber die Temperaturanzeige schlappe -10°C misst und es viel zu windig ist, um sich auch nur annähernd passend dagegen anzuziehen. So genießt man das schöne Wetter eben vom Fenster oder einem der vielen verglasten Balkons der Stadt aus.


P.S. für alle Isländisch-Interessierten: Am 25.05. findet ein 5-stündiger Isländisch-Crashkurs der Skandinavistik in Münster statt. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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