Ein Tag an der Háskóli Íslands

In diesem Beitrag werde ich einen typischen Praktikumstag am Deutschen Institut der Háskóli Íslands  beschreiben und so einen Einblick in die Arbeit am Institut und meine Aufgaben als Praktikantin schaffen.

07:30 Uhr – Aufstehen:

Nachdem mein Wecker klingelt öffne ich zunächst die Rollläden – gespannt wie ein Kind am Adventskalendertürchen. Was wird es heute sein? Blauer Himmel und Sonnenschein? Regen und Sturm? Bedecktes Grau und vereiste Straßen? Oder vielleicht einer dieser Schneestürme, nach denen plötzlich 20 cm Neuschnee liegen? Der Blick aus dem Fenster sorgt fast stündlich für neue Überraschungen.

Reykjavík am 01. April 2019
Reykjavík am 05. April 2019

 

09:10 Uhr – Mit dem Bus zur Uni:

Um vom knapp 4 km vom Zentrum entfernten Stadtteil Heimar, in dem ich während meines Praktikums lebe, täglich zur Uni zu gelangen, habe ich mir ein Monatsticket für den Bus gekauft. Das funktioniert ganz praktisch über die App der Verkehrsgesellschaft Strætó, so dass man das Ticket auf dem Handy stets dabei hat. Es gilt für alle Busse im Stadtgebiet und ist 30 Tage ab dem Kaufdatum gültig, also nicht nur den jeweiligen Kalendermonat. Außerdem ist es mit etwa 90€ pro Monat für isländische Verhältnisse recht günstig. Die Busse fahren sehr zuverlässig und meist pünktlich, aber man sollte zusehen, dass man einen Sitzplatz erwischt, damit einen der oftmals rasante Fahrstil der Fahrer und Fahrerinnen – ja, hier gibt es weitaus mehr weibliche Busfahrer als in Deutschland – nicht umhaut.

Auf diese Busfahrt könnte man natürlich verzichten, indem man sich eine Wohnung oder ein Zimmer an einem zentraleren Standort mietet, aber der Mietmarkt in Reykjavík ist mitunter härter als in den meisten deutschen Großstädten und gerade wenn man eine Unterkunft nur für wenige Wochen sucht, muss man nehmen, was man kriegen (und bezahlen) kann.

 

09:35 Uhr – Mein ganzer Stolz:

Mein Bürofenster (rechts oben)

Ankunft an meinem ersten eigenen Büroplatz (!!). Während man in Schulpraktika noch meist in irgendeiner Ecke des Lehrerzimmers geparkt wird, in der man dann Tag für Tag zusehen kann, ob noch ein Stuhl frei bleibt, ist es eine willkommene Abwechslung für dieses Praktikum tatsächlich einen eigenen Schreibtisch in einem Büro mit vier weiteren KollegInnen zu bekommen. Hier lagere ich all meine Arbeitsunterlagen und Material für die Vorbereitung von Unterrichtsstunden, trinke morgens meinen ersten Kaffee, den ich mir zuvor aus der gegenüberliegenden Mitarbeiterküche geholt habe, und gehe anschließend zur ersten Seminarssitzung.

 

10:00 Uhr – Schreiben IV:

In Schreiben IV, einem Zweit- bzw. Drittjahreskurs  des Bachelorstudiengangs Deutsch, geht es darum den Studierenden kommunikative Schreibkompetenzen, wie das Zusammenfassen und Rezensieren von Texten oder das Schreiben von Erörterungen, zu vermitteln. Da es in dem Studiengang insgesamt nur rund 35 Studierende gibt und die Studierenden die Reihenfolge ihrer Seminare recht frei wählen können, gibt es häufig Kurse mit sehr geringer Teilnehmerzahl. Hier nehmen wöchentlich nur rund drei bis fünf Studierende an den Sitzungen teil, weshalb ich mich meist eher ins Unterrichtsgeschehen einbringe, als bloß zu hospitieren, indem ich beispielsweise mitdiskutiere oder den Studierenden bei ihren Aufgaben helfe. Heute gilt es, das Thema „Gleichberechtigung am Arbeitsplatz“ zu erörtern, wobei zunächst ein Informationstext gelesen und zusammengefasst wird, die vorkommenden Sprachhandlungen des Textes herausgefiltert und benannt werden, und im Anschluss Inhalte und Phrasen für eine eigene Erörterung zum Thema erarbeitet werden. Nach zwei mal 40 Minuten – die übliche Stundentaktung an der HÍ – ist die heutige Kurssitzung vorbei und die Studierenden bekommen die Hausaufgabe bis zur nächsten Woche ihre Erörterungen einzureichen, auf welchen am Ende die Kursnote beruhen wird.

 

12:00 Uhr – Beratungsgespräch:

Ich sitze in meinem Büro, treffe abschließende Vorbereitungen für die nächste Seminarssitzung, die ich heute selbst unterrichten werde, und warte auf eine Studentin aus dem ersten Bachelorjahr. In diesem ersten Jahr belegen die Studierenden verpflichtend einen Kurs zur Übersetzung aus dem Isländischen/ Englischen ins Deutsche und ich biete ein Tutorium zum Kurs, sowie persönliche Beratungstermine an. Als die Studentin kommt, gehen wir in einen freien Seminarraum, um meine BürokollegInnen nicht zu stören, und besprechen ihre letzten Zwischentests aus dem Übersetzungskurs. Hierbei gehen wir die Übersetzungen Satz für Satz durch und besprechen typische Fehler und wie sie diese in ihren nächsten Übersetzungen vermeiden könnte, bzw. welche Übungen ihr helfen könnten den einen oder anderen grammatikalischen Aspekt zu wiederholen oder zu festigen. Die Studierenden sind stets sehr dankbar für dieses Angebot und für mich ist es eine gute Übung, Fehler zu identifizieren, individuelle Stärken und Schwächen zu diagnostizieren und Lernstrategien zu vermitteln.

 

13:20 Uhr – Landeskunde I:

Der Kurs Landeskunde I soll Faktenwissen über Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien der deutschsprachigen Länder vermitteln. Nachdem bereits Länder wie die Schweiz, Österreich und Lichtenstein behandelt wurden, geht es nun im späteren Semesterabschnitt um Deutschland und ich werde heute, auf Wunsch der Studierenden, eine Einheit zum Thema „deutsche Musik“ unterrichten. Hierbei wurde mir von der Kurslehrkraft völlig freie Hand gelassen, dennoch konnte ich mich mit Fragen stets an sie wenden und habe meine geplante Stunde im Vorfeld mit ihr besprochen. Als Einstiegsimpuls zeige ich nun ein Plakat des Line Ups des diesjährigen Hurricane Festivals und frage die Studierenden, was sie denken, welche der Interpreten deutschsprachige Songs performen. Die hohe Anzahl der deutschsprachigen MusikerInnen soll ihnen den hohen Stellenwert und die Popularität deutschsprachiger Musik in Deutschland vermitteln, was durch diese Übung auch recht gut zu gelingen scheint. Um anschließend ein möglichst breites Spektrum an aktueller deutscher Musik tatsächlich kennenzulernen und um mit den Studierenden zu trainieren, selbstständig nach Informationen im Internet zu recherchieren, lasse ich sie zu zweit an jeweils einer Band oder einem/r Künstler/in arbeiten , die/den sie am Ende der Einheit mit einem selbst erstellten Plakat und einem Song ihrer Wahl vorstellen sollten. Diese kleine Projektarbeit ist sehr gut gelungen und scheint den Studierenden Spaß gemacht zu haben. Im Anschluss an die Stunde führe ich dann noch ein hilfreiches Feedbackgespräch mit der Kurslehrkraft.

 

14:50 Uhr – wohlverdiente Pause:

Veröld – hús Vigdísar

Bis zum nächsten Seminar habe ich nun etwa 1,5 Stunden frei, die ich dazu nutze eine kleine Pause zu machen und etwas zu essen. Das Essen in der Mensa im Hauptgebäude riecht zwar immer sehr verlockend, ist aber mit knapp 10€ pro Mahlzeit für Nicht-Studis eindeutig außerhalb meines Budgets – besonders um jeden Tag dort zu essen. Deshalb bringe ich mir meist Sandwiches oder Überbleibsel meines Abendessens vom Vortag mit, die ich morgens in den Kühlschrank der Mitarbeitküche parke und mittags in der Mirkrowelle aufwärme. Ich genieße es sehr meine Pausen in der Küche zu verbringen, in der sich immer wieder andere Lehrkräfte und Professoren zu mir gesellen und mit mir plaudern. Meist finden diese Unterhaltungen auf Englisch statt, da in unserem Gebäude (Veröld – hús Vigdísar) fast alle Institute der Fakultät für Sprachen und Kulturen untergebracht sind und somit Kolleginnen und Kollegen unterschiedlichster Herkunft und Muttersprachen zusammen arbeiten. Häufig verquatsche ich mich hier so, dass ich meine Pause deutlich länger ausfallen lasse als geplant, aber heute schaffe ich es noch mich an das Feedback zu einer Sprachaufnahme für eine Studierende des e-learning-Kurses Sprechen II, den ich in diesem Semester mitbetreue, zu setzen.

 

16:40 Uhr – Deutsch für Anfänger II:

Deutsch für Anfänger II richtet sich nicht an Studierende, die im Fach Deutsch eingeschrieben sind, sondern an Personen – Berufstätige oder Studierende anderer Fächer – die erste Deutschkenntnisse erwerben wollen, also Deutsch auf A1-Niveau lernen. Er ist eine Fortsetzung des Kurses aus dem Herbstsemester (in Island September bis Dezember), wodurch die Teilnehmenden hier schon Basiskenntnisse des Deutschen erworben haben. In dieser Sitzung geht es um das Einüben der Nutzung von Dativ und Akkusativ und dem Erlernen des Unterscheidens der beiden Fälle. Hier lerne ich beim Hospitieren, im Vergleich zum Unterricht auf Universitätsniveau, in dem ich sonst hospitiere, vieles, das ich auch im „Deutsch als Zweitsprache“-Unterricht an deutschen Schulen anwenden könnte – vor allem bezogen auf die Vermittlung des Deutschen und den Umgang mit heterogenen Gruppen verschiedener Muttersprachen. Ich freue mich schon darauf in der nächsten Woche selbst eine Stunde in diesem Kurs zu unterrichten.

 

18:10 Uhr – Feierabend:

Der Montag ist für mich der längste Arbeitstag der Woche, da ich aber so viele unterschiedliche Aufgaben habe, vergeht auch er meist wie im Flug. Heute fahre ich schnell nach Hause, da ich noch Einkaufen muss und der günstigste Supermarkt (Bónus) bereits um 19 Uhr schließt. Manchmal treffe ich mich nach Feierabend aber noch mit einer Kollegin auf ein oder zwei Bier im Stúdentakjallarinn, einer Kneipe im Keller des Hauptgebäudes, welche annehmbare Getränkepreise und häufig gutes Unterhaltungsprogramm bietet. Einen Besuch dort kann ich nur empfehlen.

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