Amadorer Arbeitsalltag

Nach den ersten beschriebenen persönlichen Eindrücken aus Panama-Stadt möchte ich mich gerne den Erfahrungen im Arbeitsalltag aus dem landzungenartigen Stadtteil Amador widmen.


Die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Büro dauerte im Durchschnitt ca. 50 Minuten. In dem nationalen Busterminal Albrook stieg man von der Metro in den Linienbus, auf den man manchmal ein paar Minuten, manchmal 30 Minuten wartete. Albrook war mit all den verschiedenen Leuten, den lauten Fernbussen, den schreienden Ticketverkäufern und der Masse an Pendlern auf dem Arbeitsweg schon ein Spektakel für sich.
Das Arbeitsklima im Büro war perfekt, meine Supervisorin, Chefsekretärin Jannice de Caballero, hatte immer ein offenes Ohr für Anmerkungen und Projektvorschläge, das ganze Team war immer hilfsbereit. Folglich gab es die perfekte Mischung aus alltäglichen Büroaufgaben, der Begleitung und Unterstützung von Events sowie dem eigenen Einbringen von Projekten. Eine Aufgabe umfasste die organisatorische Vorbereitung des monatlichen Treffens der „bancada“, das im Monat Juli der Vorstellung der neu gewählten panamaischen Parlacen-Abgeordneten gewidmet wurde. Mit freundlicher Initiative von Frau de Caballero durften wir mit dem Generalsekretär des Parlatinos (Lateinamerikanisches Parlament mit Hauptsitz in Panama-Stadt) diskutieren und uns den neu erbauten Parlamentssaal ansehen. Außerdem bekamen wir, von Fr. de Caballero organisiert, eine Guided Tour durch die Räumlichkeiten des Außenministeriums der Republik Panama und dem angrenzenden Museum, in dem wir das Schwert Simon Bolivars bewundern und über außen- sowie innenpolitisch relevante Ereignisse lernen konnten. Für diese Möglichkeiten, die man mit großem Interesse wahrnimmt, ist man sehr dankbar, da sie goldwert sind. Sie ermöglichen ein Kennenlernen des politischen Spektrums des Landes mit einem Einblick in seine Institutionen und in internationale Organisationen, die mit Panama verbunden werden. Dies mit dem inhaltlichen Erkenntnissen des Praktikums zu verbinden, ist eine wertvolle Erfahrung.

Andere Praktikumsaufgaben, inklusive Dreharbeiten über der Arbeit der Subsede und Interviewaufnahmen mit Funktionären und Abgeordneten, wurden mit unserem Betreuer vom WWU Institut für Politikwissenschaft, Dr. Ricardo Lagos Andino, vorher abgesprochen. Auf diesem Wege möchte ich mich ausdrücklich bei Herrn Dr. Lagos, der ebenfalls als Repräsentant des Parlacen bei der Europäischen Union tätig ist, bedanken. Ich habe es sehr selten erlebt, dass in mehreren, stundenlangen Telefonaten sowohl organisatorische als auch inhaltliche Fragen zum Praktikum, zum Land, zur politischen Situation, und unzähligen anderen Aspekten ausführlich geklärt wurden. Dadurch wurden vielleicht noch vorhandene Zweifel oder Fragen schnell beseitigt. Ebenfalls konnte in beiderseitigem Einvernehmen Kontakt hergestellt werden zu einem vorherigen Praktikanten von Parlacen. Eine gute Vorbereitung auf ein Praktikum erleichtert den Start enorm – eine solch perfekte Vorbereitung mit einem Betreuer, der sich für die Studierenden einsetzt, führt sowohl auf Seiten des aufnehmenden Büros als auch beim Studierenden zu besten Praktikumsvoraussetzungen. Wer ebenfalls Interesse hat, zukünftig bei Parlacen ein Praktikum absolvieren zu wollen, kann sich gerne bei Herrn Dr. Lagos melden. ( https://www.uni-muenster.de/IfPol/personen/lagos.html ). Zuletzt möchte ich auch den Freiraum für eigene Initiativen erwähnen, die in Absprache unser Supervisorin vor Ort abgehalten wurden.

Manchmal lohnt sich das Eigenengagement: so konnten wir im Büro von Parlacen ein Treffen zwischen einem deutschen Diplomaten und einem Parlacen-Funktionär organisieren, durften auf Einladung der Botschaft an Stiftungsveranstaltungen in der Universität Panamas teilnehmen und konnten eigenständig das Parlament, die Asamblea Nacional, mehrfach besuchen und an verfassungsrechtlichen Anhörungen teilnehmen. Alles in allem ist die Mischung aus allem der Schlüssel für ein erfolgreiches und lehrreiches Praktikum: die tolle Vorbereitung und Organisation, das Arbeitsklima, das unterstützende und wertschätzende Team vor Ort, die alltäglichen Arbeitsaufgaben, sowie der Freiraum für Eigeninitiativen und eigenem Engagement. Das alles führte dazu, dass ich neben einem spannenden, wertvollen Praktikum auch das politische Spektrum des Landes kennenlernen durfte – eine Erfahrung, für die ich lange dankbar sein werde.

2 Gedanken zu „Amadorer Arbeitsalltag

  1. Hey Fynn,

    mir haben deine Blogeinträge sehr gefallen. Ich studiere auch Politikwissenschaft an der WWU und will ebenfalls ein Auslandspraktikum in Lateinamerika absolvieren. Dazu würde ich mich gerne mit dir in Verbindung setzen. Du hast bestimmt interessante Tipps für mich. Schreib mir doch bitte eine Mail. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

    Beste Grüße aus Münster

    Lukas

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