Goodbye London!

Meine neun Wochen Praktikum im German Kindergarten in London vergingen wie im Flug, jetzt bin ich schon in der letzten Woche und weiß gar nicht, wo die Zeit geblieben ist… Deshalb ist es jetzt Zeit für eine kleine Zusammenfassung.

Insgesamt haben mir das Praktikum, die Stadt und der Auslandsaufenthalt im Allgemeinen supergut gefallen. Ich hatte sehr viel Spaß hier, konnte London ganz anders kennenlernen als das in einem Urlaub möglich wäre und habe sogar noch ein bisschen über den Tellerrand geschaut (Brighton, Oxford, Cambridge ;)).

Dominierendes Thema meines Auslandspraktikums war natürlich auch der Brexit. Egal wann man den Fernseher eingeschaltet hat, es gab immer einen neuen Skandal, eine überraschende Wendung oder eine denkwürdige Pressekonferenz (ich sage nur „dead in a ditch“) zu sehen. Die Geschwindigkeit der Debatten war hier sogar für eingefleischte Politikexperten unter meinen Bekannten zu viel und wir haben uns alle am Ende einfach nur noch gefragt, wann es endlich aufhören wird 😀

Sonnenaufgang an der Themse

Die Arbeit im Kindergarten war eine ganz neue Erfahrung für mich, denn ich habe schon viele Praktika in Schulen gemacht, aber noch nie eins im Kindergarten. Ich kann es allen Lehrämtlern wirklich nur empfehlen, wenn man noch etwas freie Zeit in den Semesterferien hat, mal ein Praktikum in einem Kindergarten zu machen. Einerseits kann man so sehen, wo die Kinder entwicklungstechnisch „herkommen“ und wie frühe Erziehung im Schulsystem funktioniert. Dadurch versteht man Probleme besser, die die Kinder in der Schule später haben und kann auch gezielter an den Punkten ansetzen, wo im Kindergarten schon gute Vorarbeit geleistet wurde. Auf der anderen Seite bietet ein Kindergarten aber auch die im Lehramtsstudium noch immer nicht in ausreichender Menge vorhandene Praxiserfahrung im Umgang mit Kindern. Ich habe sehr viel mitgenommen, gerade was Konfliktlösung und -prävention oder die Einhaltung/Durchsetzung von Regeln angeht. Außerdem habe ich gelernt, dass eine professionelle Beziehung zu den Kindern sehr viele verschiedene Aspekte hat. Diese unterscheiden sich natürlich auch noch einmal von der Beziehung mit Schulkindern, trotzdem habe ich gemerkt, dass man auch persönlich Grenzen setzen muss, um mit allen Kindern gut klarzukommen.

Gegen Ende meiner Zeit in London habe ich aber auch festgestellt, dass mein Praktikum vor allem deshalb so gut lief, weil ich zu einem sehr günstigen Zeitpunkt dort gearbeitet habe. Wenn das Wetter schön ist und die Sonne scheint, ist im Kindergarten vieles einfacher: Die Kinder müssen nur Schuhe anziehen und können fast immer raus in den Garten und haben generell bessere Laune (das hört sich vielleicht ein bisschen komisch an, aber so wie Erwachsene auch bei Regenwetter etwas schlechtere Laune haben, weinen und streiten die Kinder an Schlechtwettertagen viel häufiger als sonst). Im Winter hingegen oder an Regentagen können die Kinder entweder gar nicht raus (was im Raum sehr laut und anstrengend ist) oder müssen vor dem Rausgehen erst Regenstiefel, Matschhosen, Pullover und Regenjacken anziehen, was ein ziemlicher Akt ist, wenn man davon ausgeht, dass die meisten Kinder Hilfe beim Anziehen brauchen oder gar nicht wissen, welche denn jetzt genau ihre Sachen sind… Auch kann ich jetzt besser verstehen, wie es sein muss, in einer Einrichtung mit schwieriger Personalsituation zu arbeiten. In meinem Praktikum waren glücklicherweise immer genug oder sogar mehr als genug Mitarbeiter da, um alle Kinder gut betreuen zu können und alle anderen nebenher anfallenden Aufgaben (Dokumentation, Verwaltung, Elterngespräche, Eingewöhnungen, Vorbereitung etc.) erfüllen zu können. Wenn aber mal einer im Urlaub ist, einer krank und zwei in der Pause, kann man schon erahnen, wo die Reise hinginge, wenn die Situation immer so wäre…

Den Einblick in bilinguale Früherziehung, den der Kindergarten mir geboten hat, fand ich sehr interessant, ich konnte „Immersion bei der Arbeit“ sehen und verstehe jetzt besser, mit welchen Chancen bilingual aufwachsende Kinder ausgestattet sind.

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit meinem Praktikum im German Kindergarten. Ich wurde toll aufgenommen, konnte mich ausprobieren und viel für meine berufliche Zukunft lernen.

 

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