Als ich in Cambridge ankam, war ich erst mal ein bisschen überwältigt. Ich war für mein Forschungspraktikum am Gurdon Institute, ursprünglich für drei Monate geplant, am Ende wurden es vier. Cambridge ist eine Stadt, die sich sehr besonders anfühlt durch die historischen Colleges, die vielen internationalen Studierenden und diese wissenschaftsgeprägte Atmosphäre, die man wirklich an jeder Ecke spürt. Es ist diese spezielle Mischung aus sehr alten Gebäuden und einer modernen Forschungswelt, die hier den Takt angibt.
Schnell hat sich bei mir eine tägliche Routine eingespielt. Jeden Morgen bin ich etwa 30 Minuten zu Fuß zum Institut gelaufen. Die Strecke war unglaublich schön, da kam man morgens direkt an die frische Luft und konnte einfach entspannt spazieren. Oft habe ich dabei Freunde oder Familie in der Heimat angerufen, und dann ging die Zeit wie im Flug vorbei. Ein Fahrrad wäre zwar oft praktischer gewesen, um morgens ein paar Minuten zu sparen, aber ich habe das Gehen wirklich genossen. Es war meine Art, in den Tag zu starten und den Kopf frei zu bekommen, bevor die Arbeit im Labor losging.
Am Anfang musste ich mich natürlich kurz umgewöhnen, nicht nur wegen des Linksverkehrs. Auch in der Sprache braucht man ein paar Tage, um in den schnellen Dynamiken der Gruppenunterhaltungen sicher mitzukommen. Man steht dann manchmal dabei und braucht einen Moment, um bei den vielen Gesprächen alles zu erfassen. Das Leben in Cambridge ist zudem kein Schnäppchen, da merkt man jeden Tag, dass man in einer der teuersten Städte Englands lebt. Aber man findet schnell seine Wege, um im Alltag gut zurechtzukommen, und man merkt, dass es allen, die neu hierher kommen, ganz ähnlich geht.
Was ich anfangs völlig unterschätzt habe, war das College-System. Es ist nicht nur eine schöne Kulisse für Fotos, sondern der soziale Mittelpunkt des Lebens hier. Wenn man nicht automatisch mittendrin landet, braucht es einen Moment, bis man seine Leute findet und sich integriert. Aber genau das hat mich dazu gebracht, aktiver zu werden und mir meine eigenen Orte und Kontakte zu suchen. Das war eine wirklich gute Übung, um sich in einem komplett neuen Umfeld zurechtzufinden und nicht nur Zuschauer zu sein, sondern ein Teil davon zu werden.







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