Musikhochschule
Musikhochschule
Studierende haben an der Musikhochschule viele Gelegenheiten, ihr Können auf der Bühne unter Beweis zu stellen – auch auf Festivals.
© mensch.musik.festival – Marcelo Albuja

Mehr als Tonleitern und schöne Klänge

Lebendig, international und voller Klänge: Die Musikhochschule Münster (MHS), die bis 2004 eine Abteilung der Musikhochschule Detmold war, hat seitdem als eigenständiger Fachbereich der Universität ein markantes Profil entwickelt. Wer die Musik zum Beruf machen möchte, kann hier den Weg von der Jugendakademie für vielversprechende Nachwuchstalente aus Musikschulen bis zum Konzertexamen, vom Lehramt an allgemeinbildenden Schulen bis zur künstlerischen Promotion gehen.

Vor den dreistöckigen Altbau am zentralen Ludgerikreisel, der früher eine Bank beherbergte, haben Architekten eine Glaspyramide gesetzt, eine Treppe führt hinauf zum Foyer des Hauses. Vorher durchschreitet jeder Gast zwei überdimensionale, weiße Ohren, die den Haupteingang rahmen. Das Kunstwerk außen am Gebäude deutet bereits an, was den Gast im Inneren erwartet. Wie in einem Bienenstock summt und brummt es auf den Fluren der Hochschule – Tonleitern und Etüden dringen aus den ausgebuchten Übezellen, Proben und Konzerte aus dem Saal im ersten Stock, Kammermusik- oder Bandproben aus Seminarräumen. Junge Menschen mit Instrumentenkästen auf dem Rücken oder einer Notentasche unterm Arm wuseln durch die Gänge, unterhalten sich oder warten im Foyer darauf, dass der Konzertsaal für die nächste Probe frei wird.

Der Kern der künstlerischen Ausbildung ist jedoch der Hauptfachunterricht. Die Besonderheit liegt dabei in der optimalen Betreuung. Denn in welchem anderen Fach gibt es einen „Eins-zu-eins-Unterricht“ von einem Professor oder einer Professorin mit einem Studierenden? Kein Wunder, dass Nachwuchstalente in erster Linie nach den Namen im Kollegium schauen, bevor sie sich an der MHS bewerben. Meisterkurse mit externen Klassikgrößen bereichern das künstlerische Lehrangebot. All das kommt gut an: Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber aus der ganzen Welt ist um ein Vielfaches höher als die zur Verfügung stehenden Studienplätze. „Leider müssen wir aus Kapazitätsgründen viele gute Leute ablehnen“, unterstreicht Prof. Peter von Wienhardt, der Klavier unterrichtet.

Bevor es aber so weit ist, gilt es, eine Eignungsprüfung zu bestehen. Alle, die dazu eingeladen werden, beherrschen bereits ein Hauptfachinstrument, zum Beispiel Geige, Klavier oder Gesang, auf einem hohen Niveau. Viele von ihnen nehmen seit dem Kindesalter Instrumentalunterricht und haben seitdem vordere Plätze in Wettbewerben wie „Jugend musiziert“ erspielt. Für den Wettbewerb um einen Platz an der MHS erstellen sie für die erste Runde einen Videomitschnitt, in dem sie ihr Können unter Beweis stellen. Dass es über die musikalische Ausbildung hinaus weitere Eigenschaften gibt, die später über ein erfolgreiches Berufsleben in der Musik entscheiden, wissen die meisten schon vor dem ersten Semester: wie man beispielsweise mit Lampenfieber und Leistungsdruck umgeht, und dass es Selbstdisziplin und Beharrlichkeit braucht, um ein Ziel zu erreichen. „Unsere Studierenden sind in diesem Punkt oft weiter als andere in diesem Alter“, unterstreicht Studiendekanin Barbara Plenge.

Der künstlerische Unterricht im Hauptfach, wie hier mit dem Masterstudenten Jorge Faundez Cabrera, steht im Mittelpunkt des Musikstudiums.
© Uni MS – Linus Peikenkamp

Ob im Unterricht, in Formaten wie dem Opernstudio oder den Orchester- und Kammermusikprojekten: Das Studium an der MHS fördert und vertieft die künstlerischen Fähigkeiten und die menschlichen Qualitäten. „Unsere Studierenden werden darin geschult, gut zuzuhören, hinzu kommen Teamfähigkeit, Sprachkenntnisse, Kreativität und Kommunikation“, erläutert Barbara Plenge. Das alles trage zur sogenannten „Employability“ bei, also dazu, wie man sich später auf dem Arbeitsmarkt zurechtfindet – der sich im Fach Musik in den vergangenen zwei Jahrzehnten zum Besseren entwickelt habe. Gerade erst wiesen die Autoren des Deutschen Musikinformationszentrums in einer Studie darauf hin, dass bundesweit in zehn Jahren etwa drei Viertel der freien Stellen nicht mit entsprechend qualifizierten Musikschullehrkräften besetzt werden können.

Prof. Alex Grube bestätigt die guten Aussichten für den Pop-Bereich. Ihm mache es Spaß, mit den Studierenden deren Stärken zu fördern. Die Klassik- und Popabsolventen setzten häufig auf einen beruflichen Mix. „Manche arbeiten in der Werbung, in der Filmmusik oder als Influencer. Am Ende sind fast alle ihre eigene Firma“, sagt er. Sie geben Konzerte als Solisten oder in Ensembles, unterrichten – ob privat oder an einer Musikschule – oder werden aufgrund ihrer außermusikalischen Fähigkeiten engagiert, die sie im Studium erworben haben. Als Coaches vermitteln sie beispielsweise Techniken zur Resilienz oder Musikergesundheit. Im Kulturmanagement verantworten sie Konzertreihen und Festivals. „Wir reagieren auf solche variablen Lebensläufe in der Lehre“, betont Barbara Plenge. Seminare und Workshops zu Themen wie Karriereaufbau, Konzertformaten und mentaler Gesundheit bereiten die Studierenden auf die verschiedenen Berufswege vor.

Ein Berufsziel ist es, später an allgemeinbildenden Schulen Musik zu unterrichten. Am Institut für Musikpädagogik in der Philippistraße, das seit 2017 zum Fachbereich gehört, laufen die Fäden für die Lehrkräftebildung Musik zusammen. Wie in den künstlerischen Studiengängen steht auch hier die praktische Ausbildung an den Instrumenten und der Stimme im Mittelpunkt. Die Studierenden lernen, Ensembles nach modernen Führungsstandards zu leiten, und sammeln erste unterrichtspraktische Erfahrungen in der Schule. Vom Chor über die Big Band bis hin zum großen Sinfonieorchester sind zudem viele Kulturgruppen an der Universität beheimatet, die sich zusätzlich an Studierende aller anderen Fächer richten.

Klassische Konzerte, Band-Auftritte in den Clubs der Stadt, aber auch die Open-Stage-Abende der Fachschaft auf einer mobilen Bühne im Sommer draußen vorm Institut laden vor allem zu Semesterende dazu ein, diese Bandbreite kennenzulernen. Regelmäßig lädt die Pop-Abteilung der Musikhochschule zu „aasee sessions“ im studentischen Kulturzentrum „Baracke“ ein. Im Hauptgebäude finden fast täglich öffentliche Vorspiele oder Konzerte statt. In den weit über 100 Veranstaltungen pro Semester sammeln die Studierenden Bühnenerfahrung. „Das Publikum“, erläutert Barbara Plenge, „profitiert von den abwechslungsreichen Programmen und genießt die quirlige, künstlerische Atmosphäre unseres Hauses.“

Text: Brigitte Heeke

Infos:

  • 816 Studierende*
  • 14 Studiengänge
    • 7 Bachelor-, 7 Masterstudiengänge
  • 2 Institute
  • 17 Professuren
  • Besonderheiten
    • Jugend- und Orchesterakademie, Opernstudio, Meisterkurse
    • „Studium Plus“ (Zusatzangebote für Studierende): Wettbewerbe und Förderprogramme
  • Kontakt: info.mhs@uni-muenster.de
  • uni.ms/mhs

 

Stand: Wintersemester 2025/26

* Mit der Zahl der Studierenden sind die sogenannten Studienfälle gemeint. Zum Hintergrund: Studierende, die in mehreren Fächern oder Studiengängen eingeschrieben sind (beispielsweise im Zwei-Fach-Bachelor mit den Fächern Germanistik (FB 9) und Mathe (FB 10)), werden dabei mehrfach gezählt. Die Summe der Studienfälle entspricht daher nicht der Gesamtzahl der Studierenden der Universität; diese wird in den Kopfzahlen erfasst, bei denen jede Person nur einmal gezählt wird (Kopfzahl der Universität Münster im Wintersemester 2025/26 = 41.217).