
Alltagsnahes und praktikables Wissen vermitteln
Eine erstklassige Infrastruktur und ausgezeichnete Dozenten: In den sieben Instituten lernen die Studierenden, komplexe Probleme strukturiert zu analysieren und in internationalen Teams zu lösen. Damit erwerben sie Kernkompetenzen für die moderne Arbeitswelt.
Es ist zwar kein wirklich rundes Jubiläum, wenn die Stadt Münster im Jahr 2028 ihren 1235. Geburtstag feiert. Gleichwohl denkt die Stadtspitze bereits jetzt darüber nach, aus diesem Anlass alle Bäume entlang der Promenade zur Weihnachtszeit mit Lichterketten zu schmücken. Dabei verlässt man sich darauf, dass reichlich freiwillige Helfer bei den Vorbereitungen mitanpacken. Was dieser Idee möglicherweise im Weg steht, sind die Kosten.
Vorsicht: Dieses Szenario ist erfunden! Aber es ist hilfreich. Vor allem für Lehramtsstudierende der Mathematik, die sich mit Schülerinnen und Schülern daran machen, der Stadt einen (fiktiven) Kostenvoranschlag für ihre Beleuchtungsidee zu erstellen. Mathematisches Modellieren nennt sich diese Kompetenz. Es gilt, eine realistische Aufgabe mit mathematischen Methoden zu lösen.
Diese Herausforderung ist charakteristisch für den didaktischen Ansatz im „Lehr-Lern-Labor“ am Fachbereich Mathematik und Informatik. Mehrmals im Jahr brüten junge Mathe-Talente aus verschiedenen Schulen über derartigen Aufgaben; Studierende beobachten sie bei ihren Lösungsversuchen und geben – falls notwendig – Tipps. „Wir wollen erstens die Schüler über möglichst praktische Aufgaben für das Fach begeistern“, betont Promovend Leander Koll, der sich vor allem dafür interessiert, wie man künftige Lehrkräfte für den Einsatz von künstlicher Intelligenz beim mathematischen Modellieren schult. „Zweitens können die Studierenden in diesen Seminaren ihr fachliches Wissen mit ihrer pädagogischen Kenntnis kombinieren.“ Typisch „FB 10“: Neben den zum Teil komplexen theoretischen Grundlagen setzen die Verantwortlichen in allen sieben Fachbereichsinstituten darauf, möglichst viel alltagsnahes und praktikables Wissen zu vermitteln.
Seit genau 30 Jahren sind die beiden Fächer Mathematik und Informatik unter einem Fachbereichsdach vereint. Die heutige Struktur hat zur Folge, dass sich zum einen die beiden Bereiche Mathematik und Informatik etabliert haben; zum anderen die große Gruppe derjenigen, die auf Lehramt studieren, und die Gruppe derjenigen, die andere Berufsziele verfolgen.
In der Mathematik fokussiert man sich in den sechs Instituten beispielsweise auf Stochastik, Analysis und Numerik, Logik und Grundlagenforschung sowie „grundlegende und inklusive mathematische Bildung“. Die Arbeitsgruppen des Instituts für Informatik decken wiederum alle zentralen Gebiete der Informatik wie „Softwareentwicklung und Verifikation“, „Embedded Systems“ und „Data Science“ ab. „Unsere Studiengänge zeichnen sich durch eine Verzahnung von Theorie und Praxis beziehungsweise eine starke Anwendungsorientierung aus“, erläutert Studiendekan und Mathematik-Didaktiker Prof. Dr. Gilbert Greefrath.

Neben den Lehr-Lern-Laboren aus dem Institut für grundlegende und inklusive mathematische Bildung gibt es im Fachbereich drei weitere zentrale Lehrkonzepte. In den „Inverted Classrooms“ geht es vorrangig darum, die Aktivität der Studierenden in den Anfänger-Vorlesungen zu erhöhen. „Wir geben den Studierenden pro Woche vier herausfordernde Hausaufgaben, deren Lösungen sie online im ,Learnweb‘ finden. Dadurch gewinnen wir wertvolle Zeit für Diskussionen und die Zusammenarbeit in den Vorlesungen“, unterstreicht Dr. Christian Serpé, zu dessen didaktischen Schwerpunkten die Entwicklung und der Einsatz von (Lehr-)Videos zählen.
Im Projekt „MiRA“ geht es ebenfalls um „Mathematik in realen Anwendungen“. Denn die Mathematik, argumentieren die Fachbereichsexperten, sei nicht nur alltäglicher Begleiter in vielen Lebensbereichen, sondern zugleich „von elementarer Bedeutung für Naturwissenschaft und Technik“. Im Wechsel mit den klassischen Lehr-Lern-Laboren handelt es sich bei „MiRA digital“ um eine digitale Variante, bei der der effektive Einsatz von künstlicher Intelligenz ebenso intensiv thematisiert und ausprobiert wird wie beispielsweise die Software „GeoGebra“, die Fertigkeiten aus Geometrie und Algebra kombiniert.
Mit der Tutorenschulung in der Informatik setzt man darauf, Studierende für möglichst interaktive Tutorien zu gewinnen. Wie gebe ich wann und welche Hinweise? Die Tutorinnen und Tutoren sollen nicht nur kontinuierlich hinzulernen; sie sollen auch dazu ermutigt werden, zu lehren. All diese Ideen und Angebote kommen gut an: Die Zahl der Studierenden ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf aktuell rund 5.100 gestiegen, nicht wenige von ihnen sind erst 17 Jahre alt.
Möglicherweise liegt dieser Zuspruch auch darin begründet, dass sich der Fachbereich und vor allem die Mathematik als weit über Münster herausragender Standort positioniert hat. So lehren und forschen beispielsweise vier Leibniz-Preisträger am Fachbereich; den Sonderforschungsbereich „Geometry“ unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit einer millionenschweren Förderung. Auch die Leistungen des Exzellenzclusters „Mathematik Münster“ haben sich in mehrfacher Hinsicht als gewinnbringend erwiesen. So haben beispielsweise sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Clusters seit 2018 einen der begehrten europäischen „Grants“ eingeworben, mit der Gründung des „Centre for Mathematics Münster“ entsteht zudem bis 2027 ein neues Forschungsgebäude. Die Studierenden können sich darauf verlassen, dass auch sie von diesem erstklassigen Infrastruktur- und Personalangebot in der Lehre profitieren.
Das gilt auch im Institut für Informatik, das zudem auf starke Kooperationen setzt. So gibt es eine intensive Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik und dem Fachbereich für Geowissenschaften; Informatik kann zudem als Nebenfach zu fast allen Mathematik-Studiengängen und vielen anderen Fächern studiert werden.
Schließlich geht es sehr international zu am Fachbereich. Den Studierenden steht ein dichtes Netz an Unterstützung zur Verfügung, das von Vollstipendien für internationale Talente über Kurzzeitstipendien für Forschungsaufenthalte bis hin zu spezifischen „Study Abroad“-Programmen und Erasmus+-Partnerschaften reicht. „Es ist diese Vielfalt, die das Studium in Münster so zukunftsweisend macht“, unterstreicht Gilbert Greefrath. „Über die fachliche Tiefe hinaus lernen unsere Studierenden, komplexe Probleme strukturiert zu analysieren und in internationalen Teams zu lösen – eine Kernkompetenz für die moderne Arbeitswelt.“
Text: Norbert Robers