
Den Zugang zu unserem Kulturerbe sichern
Ohne die Fächer Geschichte und Philosophie verlören wir den Zugang zu unserem Kulturerbe. Das ist ein Grund, warum das Studienangebot des Fachbereichs 8 besonders breit ist. Die Lehre basiert auf vier Säulen: der Vernetzung der Fächer, der forschungs- und praxisorientierten Vielfalt, dem digitalen Angebot sowie der Internationalisierung.
Braucht es den Blick in die Vergangenheit? Oder ist Geschichte ein alter Hut? Der US-amerikanische Historiker und zweifache Pulitzer-Preisträger David McCullough hatte dazu eine eindeutige Meinung. „Die Geschichte ist ein Wegweiser in gefährlichen Zeiten“, schrieb er seinen Studierenden der Wesleyan-Universität 1984 in ihr Absolventen-Stammbuch. „Sie prägt unser Wesen und erklärt, warum wir so sind, wie wir sind.“ Mit ihren zentralen Fragen zur menschlichen Existenz ist Geschichte also bis heute für die Gesellschaft relevant.
Diesen Geist lebt auch der Fachbereich Geschichte und Philosophie, sowohl in der Forschung als auch in der Lehre. Letztere setzt sich wie ein Mosaik zusammen – insbesondere aus der Vernetzung der Fächer, der forschungs- und praxisorientierten Vielfalt, dem digitalen Angebot und der Internationalisierung. „Wir beschäftigen uns mit Geschichte und Kultur und bewahren sie“, betont Dr. Susanne Pinkernell-Kreidt, Prodekanin für Finanzen und Studienorganisation des Fachbereichs. „Ohne Fächer wie Geschichte und Philosophie verlören wir den Zugang zu unserem Kulturerbe. Darum sind diese Fächer und deren Inhalte so wichtig.“
Deshalb ist der Wissenstransfer in die Gesellschaft – sei es als Lehrkraft in der Schule, als Beschäftigter in der Kulturbranche oder als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an einer Universität – ein Grundpfeiler des geisteswissenschaftlichen Lehrangebots. „Uns ist es wichtig, dass sich die Studierenden nicht im Elfenbeinturm verschanzen“, unterstreicht Dekanin Prof. Dr. Eva-Bettina Krems. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Beispiel: Mit den Fächern Geschichte, Griechisch, Latein und Philosophie zählt der Fachbereich zu einem der größten Standorte für die Lehrkräftebildung für alle Schulformen in Nordrhein-Westfalen.
Das Studienangebot umfasst ein breites Spektrum von den Altertums- und Geschichtswissenschaften über alte Sprachen, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft bis hin zur Kultur- und Sozialanthropologie sowie Philosophie. Vor dem Transfer lernen die Studierenden zunächst Grundlegendes: Dazu zählen wissenschaftliche Methoden sowie die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen aus Politik und Gesellschaft. Auch die Erschließung von geisteswissenschaftlichen Texten, Objekten, Quellen, Zeugnissen und materiellen Hinterlassenschaften sind Teil der Vorlesungen, Seminare, Übungen und Exkursionen. Ziel ist es, theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden, die Relevanz von Informationen zu beurteilen, Zusammenhänge zu erkennen und sich adäquat schriftlich auszudrücken. Egal für welchen Schwerpunkt sich die Studierenden dabei entscheiden: Sie haben immer die Möglichkeit, Lehrangebote der benachbarten Fächer wahrzunehmen und so beispielweise Module in der griechischen Philologie mit der alten Geschichte zu kombinieren. „Die Vielfalt dieser Möglichkeiten auch über Fachbereichsgrenzen hinweg ist eine Besonderheit, die es so nur an wenigen Universitäten in Deutschland gibt“, betont Susanne Pinkernell-Kreidt.

Wer Argumente und Thesen in anspruchsvollen Texten von Immanuel Kant oder Karl Marx auf ihre Überzeugungskraft kritisch überprüfen möchte, ist bei den Philosophen an der richtigen Adresse. Das Philosophiestudium vermittelt die Fähigkeiten zur Analyse komplexer Zusammenhänge, zu logischem Denken und zum Nachdenken über das menschliche Handeln. In den Seminaren lernen die Studierenden, systematisch zu argumentieren.
Seit mehr als 20 Jahren gehört zum Selbstverständnis des Fachbereichs eine Lehre, die forschungs- und praxisorientiert ist. Viele Praxismodule binden das sogenannte forschende Lernen ein, indem Studierende selbstständig eigene Forschungsprojekte erarbeiten. Dadurch erhalten sie Einblicke in die Berufspraxis. Damit die Theorie auch ihren Weg in die Praxis findet, braucht es die passenden Orte. Deshalb finden die Veranstaltungen nicht nur im Fürstenberghaus oder im Philosophikum statt. Im Archäologischen Museum oder im Institut für vergleichende Städtegeschichte mit ihren Sammlungen nutzen Studierende alternative Lernorte innerhalb der Universität. Archive, Gedenkstätten und städtische Museen bilden die Brücke in die Gesellschaft und zum berufsnahen Lernen. Damit die Absolventinnen und Absolventen die Berufsfelder abseits des Lehramts kennenlernen, gibt es beispielsweise die Schnittstelle „Geschichte & Beruf“. In der Übung erzählen die Gäste aus dem Museum, Archiv, Verlagswesen oder der Kommunalpolitik von ihrem Werdegang nach dem Geschichtsstudium. Auch im Philosophischen Seminar bietet ein Berufsberater Gespräche an, um Fragen zur persönlichen Berufswahl zu klären. Diesen Beispielen ist gemein, dass der Fachbereich großen Wert auf das Miteinander in der Lehre legt. „Die Studierenden können sich auf einen intensiven und persönlichen Austausch mit den Lehrenden verlassen“, schildert Eva-Bettina Krems.
Die digitale Lehre und Kompetenz sind inzwischen auch in den Geisteswissenschaften nicht mehr wegzudenken. Der Fachbereich Geschichte und Philosophie unterstreicht diese wachsende Bedeutung durch Angebote wie Webinare oder digitale Prüfungen. Darüber hinaus profitieren die Studierenden von der Zusammenarbeit mit dem Center for Digital Humanities. Dessen Expertinnen und Experten setzen computergestützte Verfahren ein, um Forschungsfragen der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften zu beantworten: Digitalisierte oder digitale Quellen und Forschungsressourcen werden vernetzt und für die Anwendung im digitalen Raum weitergedacht. Studierende führen digitale Analysen von Bildern, Texten und audiovisuellem Material durch. Sie werten beispielsweise Tonscherben mit Ritzinschriften aus oder erschließen und kommentieren den Briefnachlass eines jüdischen Ehepaares, das während der nationalsozialistischen Herrschaft in die USA flüchtete. Mit dem Zertifikat „Digital Humanities“ können sich Studierende in die digitalen Geisteswissenschaften einarbeiten und IT-Kompetenzen erwerben, die sowohl für eine wissenschaftliche Karriere als auch für den nicht wissenschaftlichen Arbeitsmarkt hilfreich sind.
Die Lehre am Fachbereich Geschichte und Philosophie findet nicht nur in Münster und Umgebung statt. Über das europäische Erasmus-Programm hinaus gibt es zahlreiche Kooperationsvereinbarungen mit internationalen Partnerhochschulen, beispielsweise in Chile, Indien, Japan, Mexiko, Südafrika und Thailand. Wer noch mehr Lust auf Internationalität hat, kann in den wissenschaftlichen Einrichtungen jedes Semester Übungen und Seminare auf Englisch besuchen.
Geschichte und Philosophie sind, um an die Äußerung von David McCullough anzuknüpfen, keine trockene Sammlung von Fakten. Vielmehr hilft die Lehre des Fachbereichs 8 den Studierenden und aufgrund des Wissenstransfers der Gesellschaft, sich in unserer Welt zu orientieren.
Text: Kathrin Nolte