Katholisch-Theologische Fakultät
Katholisch-Theologische Fakultät
Studierende der katholischen Theologie, wie hier in der Religionsdidaktik bei Prof. Dr. Clauß Peter Sajak, entwickeln eigene methodische Ansätze und erstellen neue Unterrichtsmaterialien.
© Uni MS – Linus Peikenkamp

Neue Antworten auf alte Fragen

Leere Kirchen, sinkende Mitgliederzahlen, schwindende Kirchensteuereinnahmen: Die Zeit der großen Volkskirchen ist zwar vorbei. Eine Beschäftigung mit dem Glauben lohnt sich aber weiterhin – gerade mit Blick auf das kulturelle Erbe und die Zukunft Europas.

Warum heute noch Theologie studieren? Weil man beispielsweise mit jungen Menschen im Religionsunterricht über den christlichen Glauben und über seine Bedeutung für ein gutes Leben diskutieren kann. Zu diesem Zweck entwickeln Studierende in der Religionsdidaktik an der Katholisch-Theologischen Fakultät eigene methodische Ansätze und erstellen neue Unterrichtsmaterialien. Ein Teil davon erscheint sogar bei Schulbuchverlagen im Druck. Darunter sind ungewöhnliche, interreligiöse Lernprodukte, etwa das Kochbuch „Ich glaube, das schmeckt“, in dem Rezepte aus mehreren Religionskulturen aufgegriffen und auf diese Weise die Speiseregeln der unterschiedlichen religiösen Traditionen erschlossen werden.

Die öffentliche Akzeptanz und die daraus resultierende Legitimation für die christliche Theologie schwinden – das zeigen alle empirischen Studien. Für die katholische Theologie stellt sich seit den jüngsten Kirchenkrisen (Mitgliederschwund, Missbrauchsstudien) verstärkt die Frage, was die Theologie als Wissenschaft zu unserer Gesellschaft beitragen kann. Das Potenzial liegt auf der Hand: Studierende der Theologie vertiefen ihre Sprachkenntnisse und lernen, Texte genau zu verstehen und darüber zu diskutieren sowie das Miteinander von Menschen und Organisationen besser einzuschätzen.

Die Lehrveranstaltungen am Fachbereich 2 sollen entsprechend Räume für Mitbestimmung und Debatten bieten. Dafür stehen neben den regulären Angeboten wie beispielsweise den Sprachkursen, der Exegese biblischer Texte und den Seminaren zur Kirchengeschichte partizipative Formate wie die preis- gekrönten „Brown-Bag-Lectures“ zur Verfügung, bei denen alle Mitglieder der Fakultät und der Hochschule sich über strukturelle Schwierigkeiten und mögliche Lösungen austauschen können.

Es gehört zu den Standards in der Lehre der katholischen Fakultät, mit anderen Meinungen umzugehen, sie auszuhalten. Das steht nur scheinbar im Widerspruch zur offiziellen päpstlichen Unfehlbarkeit. Die Forschung hat längst belegt, dass die Unfehlbarkeit, historisch betrachtet, eine jüngere Erscheinung der Kirchengeschichte ist. Schon das frühe Christentum rang immer wieder um Inhalte des Glaubens. Regeln wurden aufgestellt und wieder verworfen. Wie diese im Alltag gelebt wurden, stand auf einem anderen Blatt.

Die Fähigkeit zu eigenständigem und kritischem Denken ist heute wichtig in einem Studienfach, das dazu befähigen soll, die eigenen Positionen gut zu begründen. Diese Fähigkeiten sind zudem Bausteine für die Demokratie. Auch im Modul „Theologie elementar“, einer Art „Tour d’horizon“ über das Fach, das zwölf Professoren der Fakultät für alle Studierenden anbieten, „ist dieser gesamtgesellschaftliche Blick wichtig“, unterstreicht Dekan Prof. Dr. Oliver Dyma.

Didaktisch bietet die Fakultät dafür verschiedene Wege. Eine Besonderheit sind beispielsweise die Repetitorien von Studierenden für Studierende, in denen sie die Grundlagenvorlesungen aufbereiten. Im „Peer-Learning-Modul“ entwickeln Bachelorstudierende eigene Unterrichtsmaterialien. Dabei entstehen beispielsweise Bilderbücher und Lehrwerke zum Thema Freundschaft, zur Schöpfung und zum Umgang miteinander – inklusive eines didaktischen Kommentars.

Den Glauben kann man nicht vermessen, aber Kunstgegenstände aus Kirchen zeigen in Lehre und Forschung, wie Menschen biblische Inhalte verbildlicht haben.
© Uni MS - Meike Reiners

Vor allem bei den angehenden Lehrkräften ist Material aus diesem „didaktischen Doppeldecker“, bei dem die Teilnehmer sowohl lehren als auch lernen, willkommen. Denn es lässt sich im Praxissemester oder später direkt in der Klasse einsetzen, etwa das selbst gestaltete, zeitgemäße und kindgerechte Buch zum Thema „Heilige“.

Die Erkenntnisse aus der Lehre reichen aber nicht nur in die Schulen der Region, sondern auch institutionell über die Universität Münster hinaus: So hat Prof. Dr. Clauß Peter Sajak beispielsweise ein Praxisbuch zur Unterrichtsvorbereitung mit den Fachleitern der Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung in Nordrhein-Westfalen mitherausgegeben.

Apropos über Münster hinaus: Die Fakultät ermuntert die Studierenden zu Aufenthalten an den Partnerhochschulen, etwa in Finnland, der Schweiz, Polen oder Irland. Exkursionen im In- und Ausland führen sie an Schauplätze der Religionsgeschichte, beispielsweise im Hauptseminar „Interreligiöses Lernen in Sarajevo“, das in Kooperation mit der islamischen Theologie stattfindet. Der Besuch vor Ort ergänzt Wissen um religiöses Leben und über Konflikte, in denen die Religionen instrumentalisiert werden.

In vielen Lehrveranstaltungen greifen die Dozentinnen und Dozenten aktuelle Ereignisse auf, etwa „Ökumene und Krieg“ im Modulkurs „Systematische Theologie“ von Prof. Dr. Regina Elsner. Der Kurs befasst sich mit der Geschichte einer ökumenischen Friedensethik, analysiert den Zusammenhang zwischen ökumenischen Dialogen über Lehrfragen und sozialethischen Positionierungen und fragt nach den Möglichkeiten kirchlicher Interventionen in Kriegen. Im Bachelor-Proseminar „Historische Theologie“ nehmen die Studierenden vor allem die Ukraine und die über 1.000-jährige Geschichte des Christentums in diesem Land in den Blick. Bis heute gibt es dort eine der größten orthodoxen Gesellschaften in Osteuropa. 

Wer ein Vollstudium der Theologie absolviert, trägt beispielsweise später als Pastoralreferentin oder -referent Verantwortung für eine oder mehrere Gemeinden. Dieser Berufszweig hat in den letzten Jahren vor dem Hintergrund schwindender Zahlen im Priesteramt an Bedeutung gewonnen. Die Absolventen haben in der Regel im Studium ihr Ohr und ihre Aufmerksamkeit für die Nöte der Menschen und für das Miteinander in Organisationen geschult. „Diese Fähigkeiten sind auch in der Wirtschaft gern gesehen“, betont Oliver Dyma. Manche fänden daher ihr berufliches Ziel bei Beratungs- oder Coachingfirmen.

Text: Brigitte Heeke

Infos:

  • 1.473 Studierende*
  • 15 Studiengänge
    • 6 Bachelor-, 6 Master-, 3 kirchliche Studiengänge
  • 14 Institute und Seminare
  • 20 Professuren
  • Besonderheit: Studienbüro als zentrale Anlaufstelle für Studierende und Studieninteressierte
  • Kontakt: fb2wma.dekanat@uni-muenster.de
  • uni.ms/2px4i

 

* Mit der Zahl der Studierenden sind die sogenannten Studienfälle gemeint. Zum Hintergrund: Studierende, die in mehreren Fächern oder Studiengängen eingeschrieben sind (beispielsweise im Zwei-Fach-Bachelor mit den Fächern Germanistik (FB 9) und Mathe (FB 10)), werden dabei mehrfach gezählt. Die Summe der Studienfälle entspricht daher nicht der Gesamtzahl der Studierenden der Universität; diese wird in den Kopfzahlen erfasst, bei denen jede Person nur einmal gezählt wird (Kopfzahl der Universität Münster im Wintersemester 2025/26 = 41.217).