
Stark im Wandel
Der Fachbereich Philologie ist groß und komplex. In zwölf Instituten und Seminaren bietet er den Studierenden eine Lehre, die zeitlich, räumlich und kulturell vielfältig ist sowie flexibel auf Veränderungen und Herausforderungen reagiert.
Philologie, Filologia, Philology, Filologie, Філологія, ةغللا هقف, 语文学, Φιλολογία: Egal, in welcher Sprache man den Namen schreibt, die „Liebe zur Sprache“ ist das Maß aller Dinge am Fachbereich Philologie. Neben der Auseinandersetzung mit sprachlichen Phänomenen sind dabei die literarischen und kulturellen Kontexte, die von ihnen geprägt sind, von fundamentaler Relevanz. Die akademische Lehre ruht somit auf drei Säulen: Sprache, Literatur und Kultur. Die Institute und Seminare des Fachbereichs sind über die Innenstadt verteilt und bieten den Studierenden mit ihren hervorragend ausgestatteten Seminarbibliotheken ideale Lern- und Begegnungsorte.
Sprache
Auch wenn der Fachbereich Philologie „mehr als Sprache“ ist, wie Studiendekan Prof. Dr. Tobias Leuker betont, ist die Sprachausbildung in den Lehramtsfächern Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Niederländisch besonders wichtig. Die Lehramtsstudierenden erhalten ein solides Fundament in der Sprach- und Literaturwissenschaft, aber auch in der Sprachdidaktik, das sie später in allen Schulformen einschließlich der Sonderpädagogik nutzen können. Es ermöglicht ihnen, aktuellen und künftigen Herausforderungen in der Schulbildung, etwa im Umgang mit den sogenannten Neuen Medien und der künstlichen Intelligenz, gerecht werden zu können.
Neben den drei großen Lehreinheiten des Fachbereichs – der Germanistik, der Anglistik und der Romanistik – tragen weitere Disziplinen zur philologischen Vielfalt bei: die Slavistik mit dem Russischen, Tschechischen und Polnischen; die Skandinavistik mit dem Schwedischen und Norwegischen; die Sinologie mit dem Chinesischen; die Niederlandistik mit dem Niederländischen, die Arabistik mit dem Arabischen, die Jüdischen Studien mit dem Hebräischen. Dazu kommen stark kulturwissenschaftlich ausgerichtete Philologien wie die Altorientalistik, die Ägyptologie und die Koptologie. Zur reinen Sprachausbildung kommt in allen Fächern des Fachbereichs die linguistische Befassung mit älteren Sprachstufen, Dialekten und grammatikalischen Phänomenen hinzu.

Die Philologie ist nicht nur ausgesprochen vielsprachig, sie setzt dabei spezifische Akzente: Die Slavistik beispielsweise baut wegen des Kriegs gegen die Ukraine ihr Sprachangebot aus, und die Sinologie fördert die Verständigung mit China, indem sie sich am „Bildungsnetzwerk China“ des Goethe-Instituts und der Mercator-Stiftung beteiligt. Zudem werden in den Sprachwissenschaften regelmäßig Lehrveranstaltungen zu aktuellen Themen wie Jugendsprache, Migrationslinguistik oder Zweitspracherwerb angeboten.
Literatur
Die Lehrenden und Studierenden des Fachbereichs teilen nicht nur die Begeisterung für Sprache, sondern auch die Liebe zur Literatur: zu klassischen Werken wie „Der eingebildete Kranke“, „Jane Eyre“ oder „Die Buddenbrooks“, aber auch zu zeitgenössischen Texten wie „Unterwerfung“, „Harry Potter“ oder „Tschick“. Die literaturwissenschaftliche Lehre bietet den Studierenden Lesestoff in Hülle und Fülle – aus Europa und Nordamerika, aber auch aus dem Orient, Nordafrika, Lateinamerika und Ostasien.
Kernkompetenzen der Literaturwissenschaft wie die Interpretation und Einordnung von Texten sind dem Fachbereich ebenso wichtig wie die ständige Weiterentwicklung der methodischen Instrumente, nicht zuletzt, um mit den Interessen und Wünschen der Studierenden schrittzuhalten. So beschäftigte sich jüngst das Seminar „Bookstagram, BookTok & More“ mit der Rolle der sozialen Medien für die gegenwärtige Lesekultur. Stark nachgefragt ist der Master „Kulturpoetik der Literatur und Medien“, dessen Lehre von einem weiten Textbegriff ausgeht, sodass die Studierenden etwa zur Filmanalyse in Seminaren wie „Queer Cinema“ und „David Lynch“ arbeiten können, aber auch zur 100-jährigen Geschichte des Hörspiels. Wie die Germanistik, die zudem alle zwei Jahre eine Poetikdozentur mit einer Schriftstellerin oder einem Schriftsteller von Rang beruft, bleiben auch alle anderen Institute des Fachbereichs durch die Einbindung von Gastdozentinnen und -dozenten in die Lehre und die kontinuierliche Profilschärfung am Puls der Zeit.
Kultur
Ohne Sprache keine Philologie, keine Frage. Doch ein Land oder eine Region ist mehr als die Art, wie sich Menschen schriftlich und mündlich verständigen. Darum bildet die Auseinandersetzung mit der Kultur verschiedener geografischer Sphären die dritte Säule des Fachbereichs. „Wirtschaft, Kultur und Geschichte spielen vor allem in den Fächern eine Rolle, die nicht so stark auf das Lehramt ausgerichtet sind“, betont Tobias Leuker. Damit meint er beispielsweise die Sinologie. Sie vermittelt den Studierenden nicht nur das für Europäer fremde Schriftsystem, sondern ermöglicht ihnen ein umfangreiches Verständnis von China, basierend auf geschichtlichen Erkenntnissen und der Befassung mit Entwicklungen in Sprache, Gesellschaft und Kunst. Materielle Artefakte spielen in der Lehre etlicher Institute eine besondere Rolle. Forschendes Lernen wird etwa in der Arabistik und Islamwissenschaft anhand der institutseigenen Sammlung trainiert, die 1.000 Jahre alte Koranfragmente, wertvolle theologische und philosophische Handschriften oder ägyptische Grabsteine aus dem 9. Jahrhundert umfasst. Aber nicht nur Sammlungs- und Archivarbeit steht auf dem Lehrplan der Studierenden: Auf Exkursionen besuchen sie den Pariser Louvre (Institut für Altorientalistik und Vorderasiatische Archäologie), die Buchmesse im schwedischen Göteborg (Institut für Skandinavistik) oder Theaterfestivals in Spanien (Romanisches Seminar).
Vermittlung und Praxis
Zentral für die philologische Lehre ist der Wissenstransfer – von der Welt in den Hörsaal, vom Seminarraum in die Gesellschaft. Kooperationen mit Schulen ergänzen die fachdidaktische Qualifizierung. Verschiedene Zertifikate – „Nordamerikastudien“, „Study India“, „Greater China“, „Islamische Kulturen“, „Islamisches Recht“ – laden auch Studierende anderer Fachbereiche zur Weiterbildung ein. Das Zertifikat „Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache“ schafft zusätzliche Perspektiven in der Erwachsenenbildung und in der Vermittlung des Deutschen im Ausland. Aufenthalte an ausländischen Partnerhochschulen und -instituten sowie Praktika reichern das theoretische Wissen über die zahlreichen Kulturräume durch konkrete Lebenserfahrungen an und fördern interkulturelle Kompetenzen. Der rege Kontakt der Lehrenden und Studierenden mit der Welt ist eine der größten Stärken des Fachbereichs und macht seine Lehre flexibel und anpassungsfähig: Die Verantwortlichen reagieren nicht nur auf die in ständigem Wandel befindlichen Lehrpläne der Schulen und auf dynamische Entwicklungen in den eigenen Fachkulturen, sondern auch auf neue gesellschaftliche und technische Phänomene sowie geopolitische Umbrüche. Aus Liebe zur Sprache – und zu den Kulturen.
Text: André Bednarz