Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Wer mit dem Gedanken spielt, ein eigenes Start-up zu gründen, erhält dafür in Lehrveranstaltungen und am REACH – Euregio Start-up Center Unterstützung und Beratung.
© REACH – David Thiel

Wirtschaft in Zusammenhängen denken

Was Wirtschaftssysteme prägt und wie sie sich wandeln, darum geht es an einem der größten Fachbereiche der Universität. Rund 6.500 Studierende setzen sich an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät mit wirtschaftlichen Zusammenhängen auseinander und entwickeln ein fundiertes Verständnis für komplexe Entscheidungsprozesse.

Formeln pauken und anwenden? Das war gestern. Um bereits die mehreren Hundert Erstsemester vor allem bei den großen Vorlesungen mitzunehmen, haben die Dozenten der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät das sogenannte Onboarding-Modul entwickelt. Die Studierenden sollen „aktiv zuhören“, sie sollen sich einmischen und mitmachen.

Der sonst in Vorlesungen meist übliche „Frontalunterricht“ wird daher aufgelockert. An einem Vormittag zirkuliert ein Wurfmikro durch den Saal und lädt dazu ein, an der Diskussion teilzunehmen. Die Professorinnen und Professoren verlassen zudem regelmäßig das Redepult im Hörsaal H 1, um mit den Studierenden in den Rängen zu sprechen. Schließlich bereichern Führungskräfte von internationalen Konzernen wie Henkel und Amazon oder von erfolgreichen Start-ups wie Flaschenpost das Vorlesungsangebot.

Vom ersten Tag an wird die Betriebswirtschaftslehre (BWL) als Wissenschaft präsentiert, wenn etwa die Studierenden in Experimente mit virtueller Realität eingebunden werden. „Wir versuchen, die Vielfalt der münsterschen BWL zu zeigen und dabei auch emotional etwas herüberzubringen“, erläutert Prof. Dr. Thorsten Hennig-Thurau, der zum Thema Marketing und Medien am Marketing Center der Universität Münster lehrt und forscht. Es ist mittlerweile Tradition, dass er und Prof. Dr. Manfred Krafft in der ersten Vorlesung zwei Studierende „aus der Menge“ mit einem Handschlag begrüßen, auf die Bühne im Hörsaal bitten und sie an Bord der „MS BWL“ willkommen heißen.

Es lohne sich, die Vorlesungen lebendig und abwechslungsreich zu gestalten. Ohne Inspiration sei alles Fachwissen wenig wert, unterstreicht Thorsten Hennig-Thurau. Die Vorstellung, dass die Absolventinnen und Absolventen im Berufsleben jahrzehntelang „lediglich auf den Feierabend warten“, sei ihm „ein Graus“. Deswegen fördere der Fachbereich die Zusammenarbeit und studentische Eigeninitiative – trotz des höheren Vorbereitungsaufwands. Dazu trage auch die Mischung der Veranstaltungsformate bei. Neben den großen Lehrveranstaltungen umfasst das Angebot viele kleinere Formate.

Die didaktische Methodenvielfalt spiegelt die des Fachs wider. BWL ist kein Monolith, sondern vermittelt Wissen über Finanzen, Marketing, Gründertum und digitale Transformation. Neben dem BWL-Bachelor reichen die Abschlüsse über den Master bis zur Promotion und späteren beruflichen Weiterbildung. Die Studienangebote am Fachbereich decken die Breite der Wirtschaftswissenschaft ab, von der Betriebswirtschaftslehre über die Volkswirtschaftslehre und interdisziplinäre Studiengänge bis zur Wirtschaftsinformatik. Die Studierenden eignen sich die Theorie über die ökonomischen Grundlagen an, um später auf einem breit gefächerten Arbeitsmarkt ihren Platz zu finden. Dass Wirtschaft mehr bedeutet, als sicher mit Aktienkursen, Märkten und Kennzahlen umzugehen, ist dabei von Tag eins Teil des Curriculums. „Hinter den schwarzen Zahlen des Unternehmenserfolgs stehen immer Menschen und ihre Wünsche oder Bedürfnisse, ob nun als Kunden oder Mitarbeiterinnen“, erläutert Thorsten Hennig-Thurau.

Im „Forum Oeconomicum“ stehen den Studierenden 3.000 Quadratmeter Bibliotheksfläche und 400 Arbeitsplätze sowie sogenannte Learn Labs zur Verfügung – abgeschlossene Glaskabinen mit Gruppenarbeitstischen und Touchscreens.
© Uni MS – Michael Möller

Auch in den grundständigen Arbeiten befassen sich die Studierenden daher mit realen Problemen, die über die klassische „Soll-Ist-Analyse“ weit hinausgehen. So entwickelte eine Gruppe von Studierenden der Wirtschaftsinformatik im Projektseminar „Crisis Management“ ein Planspiel für den Katastrophenschutz, das Kommunen zur Vorbereitung der humanitären Hilfe für den Ernstfall dienen kann. Die Studierenden präsentierten ihre Ergebnisse und ihr selbst entwickeltes Material anschließend bei einem der Projektpartner aus der Praxis.

Wer mit dem Gedanken spielt, ein eigenes Start-up zu gründen, erhält in der Lehre an der Fakultät erste Werkzeuge dafür. Rückenwind bietet dabei das REACH – Euregio Start-up Center, dessen Akteure eng mit dem Fachbereich zusammenarbeiten. Von der ersten Idee, die in den Lehrveranstaltungen entsteht, über den Prototyp bis hin zur Marktreife ist in den modular eingerichteten Büros an der Geiststraße Platz für Gründungsteams. Coaches und Mentoren begleiten den Prozess. Darüber hinaus ermutigt das REACH Gründungsinteressierte, auf Start-up-Messen und bei Wettbewerben die eigene Idee zu „pitchen“ und Investoren für sich zu gewinnen.

Neue Ideen und Entwicklungen aufzunehmen und zum Nutzen der Gesellschaft einzusetzen, beispielsweise den rasanten Aufstieg der künstlichen Intelligenz (KI), gehört ohnehin zur DNA der Lehre am Fachbereich. In der Wirtschaftsinformatik am Leonardo-Campus entwickeln Studierende und Doktoranden zum Beispiel Lösungen für eine bessere medizinische Versorgung in Kliniken oder für Forschungsvorhaben aus den Geistes- und Kulturwissenschaften. Zu den externen Projektpartnern gehörten bisher der Profi-Fußballclub Preußen Münster, der Werkzeughersteller HILTI und mehrere Verkehrsbetriebe. An Antworten auf aktuelle Forschungsfragen können Studierende der Fakultät mitwirken und eigene Schritte in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit wirtschaftlichen Zusammenhängen unternehmen.

Dass junge Talente sich für ein Studium in Münster entscheiden, liegt an mehreren Faktoren. Die Qualität und Inspiration in der Lehre und Forschung spiegelt sich auch in den Platzierungen in nationalen wie internationalen Rankings wider. So belegt die Fakultät den zweiten Platz im Ranking der Studienorte von DAX-Vorständen, Platz vier im Manager-Magazin-Ranking der besten Lehrstühle für Wirtschaftsprüfung sowie Platz sechs im Shanghai-Ranking für Wirtschaftswissenschaften. Für internationale Karrieren bietet der Fachbereich zahlreiche Austauschstudienplätze ebenso wie die vier englischsprachigen Masterstudiengänge Business Administration, Economics, Information Systems und Business Development.

„Unsere Studiengänge eröffnen vielfältige Wege, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und zu gestalten“, unterstreicht Dr. Stefan Schellhammer, Prodekan für Lehre und studentische Angelegenheiten. „Damit schaffen sie die Grundlage für spannende berufliche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten.“ Gerade studentische Initiativen bieten vielfältige Möglichkeiten, sich parallel zum Studium zu engagieren oder soziale, gesellschaftliche und unternehmerische Projekte zu verfolgen. So werden Eigeninitiative, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein gestärkt und nachhaltige Netzwerke aufgebaut.

Text: Brigitte Heeke

Infos:

  • 6.565 Studierende*
  • 24 Studiengänge
    • 7 Bachelor-, 5 Master-, 12 Weiterbildungsstudiengänge
  • 39 Professuren
  • 9 Center mit 41 Instituten, Lehrstühlen und Gruppen
  • Besonderheiten
    • Akkreditierung durch die „Association to Advance Collegiate Schools of Business“ seit 2011
    • über 125 Partneruniversitäten
    • 24 Gastprofessoren
    • 5 Doppelabschlüsse (Double Degree)
  • Kontakt: info@wiwi.uni-muenster.de
  • uni.ms/igjal


Stand: Wintersemester 2025/26

* Mit der Zahl der Studierenden sind die sogenannten Studienfälle gemeint. Zum Hintergrund: Studierende, die in mehreren Fächern oder Studiengängen eingeschrieben sind (beispielsweise im Zwei-Fach-Bachelor mit den Fächern Germanistik (FB 9) und Mathe (FB 10)), werden dabei mehrfach gezählt. Die Summe der Studienfälle entspricht daher nicht der Gesamtzahl der Studierenden der Universität; diese wird in den Kopfzahlen erfasst, bei denen jede Person nur einmal gezählt wird (Kopfzahl der Universität Münster im Wintersemester 2025/26 = 41.217).