Rechtswissenschaftliche Fakultät
Rechtswissenschaftliche Fakultät
Vorlesungen gehören zum Kern der rechtswissenschaftlichen Lehre – wie lebhaft und nahbar dieses Format sein kann, beweist unter anderem Studiendekan Prof. Dr. Gernot Sydow.
© Uni MS - Linus Peikenkamp

Recht menschlich

Kaum eine akademische Disziplin ist so geschichtsträchtig wie Jura. Aus ihrer mehr als einhundertjährigen Lehrerfahrung zieht die Rechtswissenschaftliche Fakultät eine große Stärke und beweist gleichzeitig, dass das Jurastudium innovativ sein kann.

Die Pflicht

Der Kern der juristischen Lehre ist der Staatsexamensstudiengang. Dessen Grundlage ist das „Gesetz über die juristischen Prüfungen und den juristischen Vorbereitungsdienst (Juristenausbildungsgesetz Nordrhein-Westfalen – JAG NRW)“. Wer das Examensstudium und den Vorbereitungsdienst, das praktisch ausgerichtete Referendariat, erfolgreich abschließt, darf sich Volljurist nennen und, je nach Eignung, als Richter, Staatsanwalt oder Anwalt arbeiten.

Mehr als 600 junge Menschen starten jährlich diese Reise an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, meist im Wintersemester, nicht wenige aber auch im Sommersemester. Hohe Erfolgsquoten der Studierenden zeugen von der Lehrexpertise des Fachbereichs. Zunächst vermitteln die Professorinnen und Professoren sowie Dutzende weitere Lehrende in Vorlesungen die Grundlagen des Fachs, etwa des Zivil-, Straf- oder öffentlichen Rechts. Gleichzeitig stehen Einführungen in die Rechtsgeschichte und -philosophie sowie in verschiedene Prozess- und Verfahrensordnungen auf dem Plan. „Die großen Vorlesungen sind für uns ein wichtiger Hebel: In ihnen können wir mit den Studierenden effizient das nötige Fundament für den weiteren Studienverlauf errichten. Gleichzeitig werden die Kapazitäten frei, die in den höheren Semestern für eine engere Betreuung in Kleingruppen so wertvoll sind“, erklärt Studiendekan Prof. Dr. Gernot Sydow.

Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften prägen die ersten beiden Semester des zweijährigen Grundstudiums. Gernot Sydow bietet „Deutsches und Europäisches Verfassungsrecht“ an. Rund 350 Erstsemester sitzen in den dicht gefüllten Reihen des Hörsaals F 1. Kaum ein anderes Fach an der Uni zeichnet sich durch eine so hohe Teilnahmequote aus wie Jura – und das ohne Anwesenheitspflicht und über das erste Semester hinaus.

Gernot Sydow zeigt in seiner Vorlesung zum Thema „Republik und Säkularität“, dass die Lehre des Fachbereichs entgegen mancher Annahme gerade nicht darauf aus ist, die Studierenden zum Auswendiglernen von Paragrafen zu befähigen. Es geht um den länderübergreifenden Rechtsvergleich, um historische Grundlagen und Prozesse, vor allem aber um Denk- und Arbeitsweisen. Die Studierenden erlernen Verfahren und Prinzipien des juristischen Handwerks. Dadurch werden sie argumentativ und methodisch dazu befähigt, die praktisch orientierten Übungsfälle zu lösen – beste Voraussetzungen für einen späteren Beruf.

Auf dem Weg dorthin folgt im vierten Semester eine Zwischenprüfung. In den Semestern fünf und sechs steht der Schwerpunktbereich auf dem Plan. In dieser Phase spezialisieren sich die Studierenden in einem von zehn juristischen Schwerpunktbereichen, beispielsweise in „Wirtschaft und Unternehmen“, „Kriminalwissenschaften“ oder „Arbeit und Soziales“. Hier ändert sich auch die Lehre. Die Vorlesungen sind meist wesentlich kleiner sowie spezialisiert und können je nach Interesse der Studierenden ausgewählt werden. 

Wie aufwendig und den Studierenden zugewandt die Lehre am Fachbereich 3 ist, zeigt sich im fakultätseigenen Repetitorium, dem „unirep“. Während des siebten und achten Semesters wiederholen (repetieren) die Studierenden die Inhalte und vor allem die Methoden der vorherigen Semester, um sich auf die Klausuren des ersten Staatsexamens vorzubereiten. Das deutschlandweit an- erkannte „unirep“ lockt so manchen Hochschulwechsler an. Die Fakultät investiert viel Zeit, Geld und Personal in diese strukturierte und kostenfreie Wiederholung mit Vorlesungen, Arbeitskreisen und Kursen sowie einem umfassenden Online-Bereich. Dort stehen unter anderem Übungsklausuren und Lösungen, Handreichungen, Vorlesungsaufzeichnungen und Podcasts zur Verfügung. Der Fachbereich erfüllt damit den selbst formulierten Anspruch, den Studierenden eine optimale Vorbereitung auf die wichtigen Abschlussprüfungen zu ermöglichen. „Gesetzlich ist das Staatsexamensstudium stark vorstrukturiert, gleichzeitig wollen wir flexibel sein und Initiative zeigen, um uns bestmöglich an den Bedürfnissen der Studierenden zu orientieren“, betont Gernot Sydow.

Die Kür

Auch wenn das Staatsexamensstudium oft synonym ist mit dem Jurastudium: Die Fachbereichslehre ist dank mehrerer Bachelor- und Masterstudiengänge heterogen, international und interdisziplinär. „Kaum eine juristische Fakultät in Deutschland macht den Studierenden ein so breit gefächertes Angebot wie wir“, unterstreicht Gernot Sydow. Zu diesem Angebot gehören beispielsweise die Doppelstudiengänge „Wirtschaft und Recht“ sowie „Politik und Recht“ und die international ausgerichteten Studiengänge „Deutsches und Französisches Recht“ oder „International and Comparative Law“.

Den Stellenwert der Lehrvielfalt unterstreicht die Fakultät auch dadurch, dass sie inzwischen drei Lehrstühle mit internationalem Fokus geschaffen hat. Einen von ihnen bekleidet Prof. Dr. Elsemieke Daalder. In einer ihrer Vorlesungen beschäftigt sie sich mit Eigentumsrechten im europäischen Vergleich. Wie Gernot Sydow vermeidet sie die Frontallehre, bindet die Studierenden in die Wiederholung alter und die Erarbeitung neuer Inhalte ein. Sie redet frei, anekdotenreich und nahbar. Damit stehen sie und Gernot Sydow exemplarisch für eine dynamische und kooperative rechtswissenschaftliche Lehre. „Wichtig sind uns hohe Standards, aber auch ein möglichst individuelles Lehrangebot und vielfältige Ausbildungswege“, erklärt Gernot Sydow.

Von Leistung und Fürsorge

„Ein Studium kann und sollte die schönste Zeit des Lebens sein“, sagt Studiendekan Gernot Sydow zu den Erstsemestern im F 1. Hohe Ansprüche, psychische Erkrankungen und Einsamkeit könnten ein Studium aber erschweren. „Die meisten von Ihnen werden keine Probleme haben, doch den Betroffenen sei gesagt: Sie sind nicht allein.“ Gernot Sydow möchte mit seinem wichtigen Exkurs über Grundsätzliches aufklären, entlasten. „Sie können nicht ihr ganzes Studium und Leben lang unter Leistungsdruck stehen.“ Er weiß, dass das Jurastudium Fleiß, Disziplin und Ausdauer erfordert und dass die Lehre anspruchsvoll ist. Deswegen setzt er sich für eine Fachkultur ein, die auch den Durchschnitt feiert, also etwa die Note „befriedigend“. „Passen Sie auf sich selbst und aufeinander auf“, appelliert er an seine Zuhörer und beweist, dass der Fachbereich den Studierenden zur Seite steht. Diese danken ihrem Dozenten mit großem Applaus.

Text: André Bednarz

Infos:

  • 5.658 Studierende*
  • 5 Studiengänge
    • 1 Staatsexamens-, 2 Bachelor-, 2 Masterstudiengänge
  • 12 Institute
  • 36 Professuren
  • Besonderheiten
    • „unirep“ als kostenfreies und umfangreiches Examensrepetitorium
    • umfassendes Weiterbildungsangebot berufsbegleitender Masterstudiengänge
  • Kontakt: siz@uni-muenster.de
  • uni.ms/b9em3

 

Stand: Wintersemester 2025/26

* Mit der Zahl der Studierenden sind die sogenannten Studienfälle gemeint. Zum Hintergrund: Studierende, die in mehreren Fächern oder Studiengängen eingeschrieben sind (beispielsweise im Zwei-Fach-Bachelor mit den Fächern Germanistik (FB 9) und Mathe (FB 10)), werden dabei mehrfach gezählt. Die Summe der Studienfälle entspricht daher nicht der Gesamtzahl der Studierenden der Universität; diese wird in den Kopfzahlen erfasst, bei denen jede Person nur einmal gezählt wird (Kopfzahl der Universität Münster im Wintersemester 2025/26 = 41.217).