Torino, quanto sei bella – Erste Eindrücke aus Turin

Ciao a tutti, seit Ostern bin ich in Turin und letzte Woche habe ich mein dreimonatiges Praktikum am hiesigen Goethe-Institut begonnen. In den kommenden Wochen werde ich hier Deutschkurse hospitieren und selbst Unterrichtseinheiten geben.

Vom Arbeitsalltag möchte ich aber erst dann berichten, wenn ich ein wenig mehr Erfahrung habe als nach nur einer Woche 😉

Im Rahmen des Auslandspraktikums ist dies zwar nicht mein erster Aufenthalt in Turin, doch erlebe ich die Stadt zum ersten Mal nicht aus der Perspektive eines Touristen. Wer beim Stichwort „Turin“ an eine Industriestadt denkt – tatsächlich ist Fiat der größte Arbeitgeber hier – liegt jedoch daneben. Das Zentrum besticht durch seine wunderschönen Portici (Torbogengänge), eine Piazza reiht sich an die nächste und mittendrin fließt der Po. Momentan platzt die Stadt vor Touristen aus allen Nähten, es sind viele Schulklassen unterwegs und es ist herrlich warm bei 26 Grad. Balsam für die deutsche Seele. Mir gefällt besonders gut die Piazza Carlo Alberto, auf der man wunderbar in der Sonne sitzen und Eis essen, Kaffee trinken oder sich beim Sizilianer einen Mittagssnack holen kann.

Ein touristisches Highlight ist sicherlich die Mole, ein irrsinnig hohes Bauwerk, von dem aus man einen super Ausblick auf ganz Turin hat. Wenn es nicht neblig ist, sieht man von der Spitze aus sogar die Alpen. Ich genieße das Glück, in derselben Straße zu wohnen, in der sich auch die Mole befindet, so dass dieser Schnappschuss nachts vor meiner Haustür entstanden ist.

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Die Mole Antonelliana – Wahrzeichen Turins

Ein besonderes Erlebnis ist der Aufzug, der einen die 85m hoch auf die Mole befördert, da dieser gläsern und unglaublich schnell ist. Im Innern der Mole kann man zudem noch das Filmmuseum bewundern.

Eine in Norditalien sehr beliebte und verbreitete Abendaktivität ist der Aperitivo bzw. die Apericena. Man trifft sich dafür mit Freunden zu nicht allzu später Stunde und bestellt einen Aperitif oder Cocktail, ein Spritz ist dafür sicherlich die beste Wahl 🙂 Bei der günstigeren Aperitif-Variante sind dann ein paar Kleinigkeiten zum Essen aufgebaut, an denen man sich kostenlos bedienen kann und es herrscht oft das Prinzip „wenn‘s alle ist, ist‘s alle“. Bei der Apericena, die sich aus den beiden Worten Aperitivo und Cena (Abendessen) zusammensetzt, bezahlt man zwischen 8 und 10 Euro und bekommt dafür außer seinem Getränk ein Buffet mit so ziemlich allen Spezialitäten – Antipasti, Pizza, Foccacia, Pasta, Salate und ein wenig Dolce – geboten. Da diese Auswahl in den meisten Lokalen umfangreich ist und bis 22.00 Uhr aufgefüllt wird, ist auch der Preis in Ordnung. Man braucht schließlich nicht noch zu Abend essen, wie man es nach dem Aperitivo noch tut 😉 Auf dem Foto sind zwei Teller mit Aperol Spritz bei einer Apericena auf der Piazza Vittorio Emmanuele zu sehen, im Hintergrund befinden sich die Gran Madre und der Po. Wenn dann die Sonne untergeht, ist das Flair dort einmalig. Die Piazza ist die größte Turins und mit seinen zahlreichen Bars auch nachts zu empfehlen. In der Bar „Chlorophyllo“ etwa bekommt man in Alkohol eingelegte Zuckerwürfel verschiedenener Geschmacksrichtungen, z.B. Waldfrucht, Kokos, Orange, Karamell oder Peperoncino (Vorsicht, scharf!), die man dann wie einen Shot „trinkt“. Eine durchaus interessante Art, einen Kurzen zu sich zu nehmen!

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Um aber beim Thema Essen zu bleiben, das in Italien eins der wichtigsten überhaupt ist, gibt es mit das beste Eis bei der Gelateria Grom. Diese Kette kommt aus Turin und hat sich mittlerweile auch auf weitere italienische Städte ausgebreitet. Hier befinden sich von den zwei bekanntesten Filialen eine in einer Seitenstraße der Via Po und eine relativ am Ende der Via Roma Richtung Bahnhof Porta Nuova. Das besondere ist aber neben dem 1a Geschmack, dass Grom nur biorecyclebare Materialien benutzt. Das heißt, bei Servietten, Eisbechern und etwa kleinen Löffeln wird auf Plastik verzichtet und niemand belastet seine Ökobilanz. Das finde ich klasse! Außerdem sind die Eissorten auf die regionale Fruchtsaison abgestimmt, d.h. einige Sorten wechseln jeden Monat, während ein paar Klassiker (Crema de Grom!!) stets im Sortiment zu finden sind. Würde nicht die kleinste Variante mit 2 Kugeln schon 2,50 kosten, würde ich wohl jeden Tag dort hingehen. Im April ist Erdbeer eindeutig mein Favorit!

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Apropos Soldi, das Leben in Italien ist tatsächlich teurer als in Deutschland. Das merkt man beim Lebensmitteleinkauf ebenso wie beim Ausgehen. Arme Studenten und Praktikanten wie ich kaufen also eher im Discounter ein 😉 Auch das Wohnen im Doppelzimmer ist in Turin aufgrund der Wohnungsmarktsituation unter Studenten gang und gäbe. Es ist nun nicht so, dass es nicht ausreichend Zimmer gäbe, wie ich es aus Münster gewohnt bin, wo jedes Semester zu Beginn eine Mail vom AstA kommt, ob noch jemand freien Wohnraum zur Verfügung stellen kann, sondern hier gehen die Preise für Einzelzimmer im Zentrum nunmal erst bei 300 Euro los – und dann kommen noch die Nebenkosten dazu, da in Italien die Gasflaschen, Wasser- und Stromverbrauch alle zwei Monate extra abgerechnet werden. Eine für mich in Deutschland undenkbare Situation habe ich daher, auch aus dem Grund, dass es nicht so leicht ist, bezahlbaren und zentralen Wohnraum für nur drei Monate zu finden, hier als Herausforderung angenommen: Ich wohne in einer WG mit zwei Italienerinnen, mit der einen zusammen in einem Zimmer. Nach einer Woche ist die Bilanz n11101817_883236985068085_3254351751303874405_noch gut 😀 Nein, die beiden sind wirklich sehr herzlich und nett, so dass ich froh bin, so auch Kontakt zum alltäglichen Studentenleben zu haben. Es hat sich im Gespräch mit den Mädels meine Vorahnung bestätigt, dass die Prüfungen an der Uni hier tatsächlich größtenteils aus der Reproduktion von auswendig Gelerntem bestehen – auch wenn dies meiner Meinung nach nicht gerade zielführend ist. Naja, und da ich selbst auch oft unterwegs bin und meine Arbeitszeiten unregelmäßig sind, ist es eh kein großes Problem, mit einer weiteren Person ein Zimmer zu bewohnen. Wenn ich allerdings erzähle, dass Doppelzimmer in Deutschland nicht üblich sind (nicht, dass ich davon wüsste jedenfalls), sind die Italiener immer sehr überrascht und fühlen sich in ihrem Deutschlandbild bestätigt, dass dort sowieso alles besser sei. Es ist interessant und zugleich traurig zu sehen, wie viele Menschen tatsächlich zu den Deutschkursen kommen, um in Deutschland leben und arbeiten zu können, weil sie in Italien keine Perspektive für sich sehen. Umso mehr Unverständnis erntet man dann dafür, dass man als Deutsche im Ausland arbeiten möchte. Erwähnt man allerdings auch das gute Wetter und Essen als Gründe, hat man die Italiener wieder auf seiner Seite 🙂

Ein weiterer Vorteil am Zusammenwohnen mit Einheimischen (meine Mitbewohnerinnen kommen zwar aus Florenz und Umbrien, wohnen aber schon 2 Jahre hier) ist mit Sicherheit, dass man die ganze Zeit Italienisch spricht. Da am Goethe-Institut Arbeitssprache Deutsch ist, bemühe ich mich, in meiner Freizeit so viel wie möglich Italienisch zu sprechen. Ein Vorteil ist für mich dabei, dass die Englischkenntnisse der meisten hier so gering ausgeprägt sind, dass sie sich eh lieber auf Italienisch unterhalten. Abends in großer Runde fällt es mir natürlich noch schwer, den Gesprächen zu folgen, aber zuhause und im Gespräch mit den einzelnen Personen klappt es schon sehr gut.

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„Das Leben ist wie ein Spiegel – es lächelt dich an, wenn du es mit einem Lächeln anschaust.“

Soviel zunächst von mir, ich melde mich demnächst wieder und berichte, wie mein Alltag hier so abläuft. Ciao, a dopo, arrividerci!

 

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