Praktikum an der Deutschen Schule Algarve in Südportugal

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„Kann denn Fado fade sein?“, so lautet der Titel eines Buches, mit dem ich mich auf den Alltag in Portugal einstimmen wollte. Doch was ist eigentlich Fado? Überhaupt hatte ich wenig Ahnung von dem, was mich in Portugal erwarten würde.

Jedoch gleich zu Beginn wurde ich mit der ausgezeichneten portugiesischen Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft bekannt gemacht. Ich verbrachte zur Eingewöhnung ein paar Tage im schönen Porto im Norden des Landes als Couchsurfer. So hatte ich die Möglichkeit gleich einige Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen. Im Allgemeinen lernte ich die Portugiesen als sehr aufgeschlossen und hilfsbereit kennen.

Leider sieht man hier im Land deutlich, dass die Wirtschaftskrise Einzug gehalten hat. Das zeigt sich nicht nur äußerlich an unfertig gebauten Häusern und heruntergekommenen Höfen, sondern vor allem im Bewusstsein der Menschen. Viele müssen hier mit drei Jobs ihren Lebensunterhalt verdienen und stellen fest, dass ein Überdenken der bisherigen wirtschaftlichen Situation nötig ist. Dennoch tut die allgemeine Lage der Gastfreundschaft, Flexibilität und Offenheit der Leute keinen Abbruch. Ich fühlte mich in jedem Falle vom ersten Moment an gut aufgehoben. Auf der Busfahrt von Porto nach Lagos konnte ich mich bereits von der landschaftlichen Vielfalt des Landes überzeugen. Im Übrigen ist Langstreckenbusfahren in Portugal sehr günstig im Vergleich zu Kurzstrecken.

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Da meine Praktikumsschule wunderschön zwischen Orangenfeldern, aber leider recht außerhalb der Stadt zwischen Silves und Lagoa gelegen ist, war die große Frage, wo ich mich nun niederlassen sollte. Ich hatte bereits von zu Hause aus versucht, etwas Passendes zu finden, aber die Suche nach Wohnraum gestaltete sich schwieriger als gedacht. Aus diesem Grund verbrachte ich die ersten Nächte auch an der Algarve als Couchsurfer. Mit dieser Art der Übernachtung machte ich gute Erfahrungen, im Gegensatz zu manchen Skeptikern. Da ich in der Nebensaison an der Algarve bin, konnte ich vor Ort recht schnell eine passende Bleibe unter 250 € in Lagos finden. Wo sich in den Sommermonaten die Touristen tummeln, ist es im Winter relativ leer auf den Straßen. Man merkt, wie alles zur Ruhe kommt.

Landschaftlich ist die Westküste der Algarve eine der schönsten Landstriche, die ich je gesehen habe. Steilküste, gespickt mit Sandstränden, die im Winter nur von Surfern bevölkert sind und kilometerweit unbeflecktes Land. Aber auch die Südküste hat ihre Reize. Hier ist die Steilküste etwas zerklüfteter und man findet an jeder Ecke tiefliegende Grotten und freistehende Felsformationen im Wasser.

Abschließend möchte ich noch ein paar Worte  zur portugiesischen Gelassenheit sagen. Die Menschen hier scheinen eine gewisse innere Ruhe, verbunden mit einer etwas melancholischen Grundstimmung, zu besitzen. Dies spiegelt sich unter anderem in der traditionellen Musik der Portugiesen, dem Fado, wider. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie Schicksal. Die Musik handelt hauptsächlich von unglücklicher Liebe, sozialen Missständen oder der Sehnsucht nach besseren Zeiten. Sie entwickelte sich ursprünglich aus den Gesängen der Seefahrer, die oft wochenlang auf See blieben und ihre Familien nur selten sahen.

Im Alltag könnte man sagen, dass die Portugiesen gemäß dem Motto „Go with the Flow“ leben. Allerdings bringt diese Lebensart auch Überraschungen mit sich. Man darf sich beispielsweise bei Busverbindungen nicht allzu sehr auf die Zeitangaben verlassen. Da kann es schon mal sein, dass der Bus 10 Minuten zu spät, pünktlich oder gar 5 Minuten zu zeitig abfährt. Wenn etwas nicht so verläuft wie geplant, wird eben ein anderer neuer Weg gefunden, ohne sich groß über das Misslungene zu ärgern. Sowieso habe ich noch keinen Portugiesen extrem verärgert oder außer sich gesehen. Das empfinde ich als sehr angenehm.

Diese bisher beschriebenen Eindrücke bestätigen mir, dass die Wahl des Landes für mein Praktikum gut gelungen ist. Ich fühle mich hier sehr wohl und hoffe, dieses positive Lebensgefühl später auch nach Deutschland mitbringen zu können.IMG_2088#

4 Gedanken zu „Praktikum an der Deutschen Schule Algarve in Südportugal

  1. Olá,

    herzlichen Glückwunsch zu Deinem Praktikumsort und vielen Dank für Deinen Artikel!

    Ja, Portugal und besonders die Algarve sind historisch, kulturell und menschlich unermesslich reiche Regionen. Viele Menschen in Mitteleuropa kennen zwar Bilder der atemberaubendem Felsküste des südlichen Portugals, konnten aber selbst noch nicht die wunderbare, ganz und gar authentische Gastfreundschaft der Menschen in Portugal selbst kennen lernen.

    Gemeinsam sollten wir versuchen, mehr Menschen zu Besuchen in Portugal und an der Algarve einzuladen. Es lohnt sich immer – nicht nur wegen der portugiesischen Seele!

  2. Hey Stefanie. Ich möchte im März auch ein Praktikum an genau der gleichen Schule machen und hätte einige Fragen an dich. Es wäre super, wenn du dich bei mir melden könntest

  3. Liebe Stefanie, ich habe auch Interesse an einem Praktikum an einer Schule in Portugal.
    Kannst du mir bitte mal eine Email schreiben? LG Lisa

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