Sechseinhalb Wochen können auf den ersten Blick wie eine überschaubare Zeit wirken. Rückblickend fühlt es sich jedoch an, als hätte ich in dieser Zeit unzählige Erfahrungen gesammelt, neue Perspektiven gewonnen und Menschen kennengelernt, die meinen Aufenthalt nachhaltig geprägt haben. Mein Praktikum an der EC Arche Noah School in Gambia war weit mehr als ein Einblick in einen anderen Schulalltag – es war eine intensive persönliche und fachliche Lernerfahrung.
Was ich aus dem Praktikum mitnehme
Während meines Aufenthalts durfte ich nicht nur praktische Erfahrungen im schulischen Bereich sammeln, sondern auch erleben, wie Bildung in einem anderen kulturellen und gesellschaftlichen Kontext funktioniert. Die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern hat mir gezeigt, dass guter Unterricht nicht in erster Linie von materiellen Ressourcen abhängt. Viel wichtiger sind Engagement, Kreativität und die Fähigkeit, auf die Bedürfnisse der Lernenden einzugehen.
Gleichzeitig konnte ich viele Inhalte meines Studiums in der Praxis erproben. Pädagogische Konzepte, Kommunikation, Flexibilität im Unterricht und der Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen waren keine theoretischen Begriffe mehr, sondern Teil meines täglichen Arbeitsalltags. Dabei habe ich nicht nur fachlich, sondern auch persönlich viel gelernt.
Besonders nehme ich die Erkenntnis mit, dass Offenheit und Anpassungsfähigkeit wichtige Fähigkeiten sind – nicht nur im Beruf, sondern auch im Umgang mit neuen Menschen und ungewohnten Situationen.
Veränderte Perspektiven
Vor meiner Reise hatte ich, wie vermutlich viele Menschen, bestimmte Vorstellungen von Gambia. Ich verband das Land vor allem mit Armut, einfachen Lebensbedingungen und den Bildern, die häufig in den Medien vermittelt werden. Diese Aspekte gehören zweifellos zur Realität vieler Menschen vor Ort. Gleichzeitig habe ich gelernt, wie unvollständig ein solches Bild ist.

Während meines Aufenthalts habe ich ein Land kennengelernt, das von einer beeindruckenden Gastfreundschaft, einem starken Gemeinschaftsgefühl und großer Lebensfreude geprägt ist. Die Begegnungen mit den Menschen haben meinen Blick verändert. Viele Menschen verfügen über deutlich weniger materielle Ressourcen als wir in Deutschland und begegnen ihrem Alltag dennoch mit einer bemerkenswerten Gelassenheit und Herzlichkeit. Besonders das Feiern des Zuckerfestes am Ende meines Aufenthalts stellte ein Highlight dar.

Auch mein Verständnis von Gemeinschaft hat sich verändert. Während in Deutschland oft Individualität und Eigenständigkeit im Vordergrund stehen, habe ich in Gambia erlebt, wie selbstverständlich gegenseitige Unterstützung und Zusammenhalt im Alltag gelebt werden. Ob in der Schule, in den Familien oder in der Nachbarschaft – das Miteinander spielte überall eine zentrale Rolle.
Darüber hinaus hat mich der Aufenthalt dazu gebracht, viele Dinge in Deutschland bewusster wahrzunehmen und wertzuschätzen. Aspekte wie eine gut ausgestattete Bildungsinfrastruktur, zuverlässige öffentliche Dienstleistungen oder alltägliche Annehmlichkeiten erscheinen nach einem solchen Aufenthalt keineswegs selbstverständlich.
Die Rückkehr nach Deutschland
Nach sechseinhalb Wochen in Gambia freute ich mich natürlich darauf, Familie und Freunde wiederzusehen. Gleichzeitig fiel mir der Abschied schwer. Die Schule, die Kinder, die Lehrkräfte und die vielen Menschen, denen ich begegnet bin, waren in dieser Zeit zu einem festen Bestandteil meines Alltags geworden.
Zurück in Deutschland war es zunächst ungewohnt, wieder in die vertrauten Strukturen einzutauchen. Viele Dinge funktionierten plötzlich wieder selbstverständlich: öffentliche Verkehrsmittel fuhren pünktlich, Straßen waren sauber, Abläufe waren klar organisiert. Gleichzeitig fiel mir auf, wie schnell man sich an solche Standards gewöhnt und sie als selbstverständlich betrachtet.
Besonders die Offenheit und Spontanität, die ich in Gambia erlebt habe, vermisste ich in den ersten Wochen nach meiner Rückkehr. Während dort Begegnungen oft ungeplant und herzlich entstanden, wirkt der Alltag in Deutschland häufig strukturierter und stärker durchgetaktet.
Ein Blick zurück

Wenn ich heute auf die vergangenen Wochen zurückblicke, denke ich nicht zuerst an Unterrichtsstunden oder Arbeitsaufgaben. Ich denke an die Assemblys am Freitagmorgen, an die neugierigen Kinder im Klassenzimmer, an gemeinsame Mahlzeiten mit den anderen Studierenden, an den Trubel auf dem Brikama Market und an die Ausflüge mit den anderen Studierenden in Gambia und im Senegal – über zahlreiche Strandbesuche, Safari, Besuche auf Lodges und Fahrten durch die Mangroven auf dem Gambia River.
Die Erfahrungen aus meinem ersten Blogbeitrag haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, ein Land nicht anhand von Klischees zu beurteilen, sondern durch eigene Begegnungen kennenzulernen. Die Erfahrungen aus meinem zweiten Beitrag haben verdeutlicht, wie viel Lernen außerhalb von Vorlesungen und Seminaren stattfinden kann und wie wertvoll praktische Erfahrungen für die persönliche Entwicklung sind.
Beides zusammen macht für mich den eigentlichen Wert dieses Auslandspraktikums aus.
Mein persönliches Fazit
Das Praktikum in Gambia hat meinen Horizont erweitert – fachlich, kulturell und persönlich. Es hat mir gezeigt, wie unterschiedlich Lebensrealitäten sein können und gleichzeitig, wie viel Menschen unabhängig von Herkunft, Sprache oder Kultur miteinander verbindet.
Ich komme mit neuen Perspektiven, wertvollen Erfahrungen und vielen Erinnerungen zurück. Vor allem aber nehme ich die Erkenntnis mit, dass Lernen nicht nur im Hörsaal oder Klassenzimmer stattfindet, sondern überall dort, wo man bereit ist, sich auf neue Menschen, neue Ideen und neue Erfahrungen einzulassen.
Genau das habe ich in Gambia getan – und dafür bin ich sehr dankbar.




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