Mein Alltag an der Euro 2000 in Batumi, Georgien

Die Euro – 2000 ist eine Sprachdiplomschule, die es SchülerInnen ermöglicht, mit dem Erhalt des DSD II Zertifikats in Deutschland zu studieren. In Gesprächen mit LehrerInnen und SchülerInnen wurde mir klar, wie hoch der Anreiz dazu ist.

Deshalb beginnt der DaF-Unterricht schon in der 2. Klasse. Von Beginn an konnte ich die Entschlossenheit spüren, mit der die SchülerInnen Deutsch lernen. Die Kinder strotzen vor Motivation und lernen mit großem Eifer, was mich sehr begeistert hat. Im Vergleich dazu erscheinen deutsche SchülerInnen oft sehr bildungssatt und unwillig zu lernen. Die Deutschlehrerinnen sind alle sehr gut ausgebildet und beherrschen die Sprache nahezu fehlerfrei. Oft unterrichten zwei Lehrerinnen eine Gruppe, was zu sehr guter interner Kommunikation führt. Weibliche Lehrkräfte dominieren das Kollegium im Allgemeinen sehr stark. Es gibt kaum männliche Lehrkräfte.

Der Unterricht beginnt um 9 Uhr, was für mich eine angenehme Überraschung war. Der reguläre Unterricht endet spätestens um 15:55 mit der 8. Stunde, doch für die meisten Schüler ist dann das Lernen noch nicht vorbei. Neben den Hausaufgaben bekommen sehr viele SchülerInnen Privatunterricht, sodass den Schülern wenig Zeit für Freizeit bleibt. Trotz des hohen Leistungsanreizes und Ehrgeizes sind die Kinder und Jugendlichen sehr ausgelassen. Da sich das Schulgebäude in der Innenstadt Batumis befindet, gibt es keinen Pausenhof. Die SchülerInnen halten sich deshalb von Beginn bis Ende des Unterrichts im Gebäude auf. Auf den Gängen und in den Klassensälen herrscht zwischen den Stunden ein extrem hoher Lärmpegel, da sie voller Energie toben, rennen und zusammen lachen.

Im Unterricht selbst ist der Anteil des Sprechens auf Georgisch sehr gering und nimmt mit den höheren Klassenstufen weiter ab. Ich war sehr beeindruckt von den Deutschkenntnissen der SchülerInnen. Vor allem in den höheren Klassenstufen können anspruchsvolle Themen mit Fachvokabular diskutiert werden.

In der Schule wurde ich herzlich empfangen. Sowohl von Lehrekräften als auch von SchülerInnen, die begeistert waren, ihre Deutschkenntnisse bei einem Native Speaker anwenden zu können. Mir wurde viel Entscheidungsfreiheit bezüglich meines Stundenplans gelassen, auch in der Art und Weise wie ich mich in der Schule einbringen möchte. So habe ich in allen Klassenstufen hospitiert und einen umfangreichen Überblick über den DaF-Unterricht bekommen. Ich konnte ebenfalls in den Sportunterricht hereinschnuppern, der sich allerdings sehr unterschiedlich im Vergleich zu deutschen Schulen gestaltet. Das ist zum einen den sehr eingeschränkten räumlichen Möglichkeiten geschuldet, da die Sporthalle kaum größer als ein Klassenzimmer ist und sich im 8. Stock des Schulgebäudes befindet. Die Partizipation ist keine Pflicht und der Unterricht gestaltet sich in Form eines Aufwärmens mit Kommandos, die von den Schülern ausgeführt werden und an militärische Befehle erinnern. Darauf folgt ein Staffelspiel, dem die Schüler mit Ehrgeiz nachkamen. Im Gegensatz zum Lehrplan an deutschen Schulen ist keine Erschließung der Sportkultur zu erkennen, da weder große noch kleine Spiele (bis auf Fußball) geübt werden. Trotzdem ist es ein guter Ausgleich zum langen Schultag, der nahezu ohne körperliche Bewegung stattfinden muss.

Obwohl ich keine Germanistik-Studentin bin, stellte es kein Problem dar. Mit entsprechender didaktischer Vorbereitung und Einsatz konnte ich eigenständig Unterrichtsstunden halten. Auch mein Studienfach Sport konnte ich einbringen: in Form von Bewegungsspielen und dem Organisieren eines Fußballturniers, das von den SchülerInnen mit Freude angenommen wurde.                                                                                                                                  

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