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Howzit, Kapstadt!

Gerade frisch in den deutschen Winter zurückgekehrt, sehne ich mich schon jetzt nach den letzten zwei Monaten, die ich in für mein Chirurgie-PJ in Kapstadt verbracht habe. Kapstadt ist eine der drei Hauptstädte von Südafrika und für viele Studierende ein Traumziel. Gerade für alle, die dem deutschen Winter entkommen wollen, ist Kapstadt perfekt: Während es in Deutschland grau und kalt ist, herrscht dort Sommer von Dezember bis März. Sonne, Meer und Berge inklusive. Doch Kapstadt überzeugt nicht nur mit gutem Wetter. Die Stadt hat eine ganz besondere Energie – eine Mischung aus atemberaubender Natur, kultureller Vielfalt und einem Lebensgefühl, das sofort entschleunigt.

Warum Kapstadt?
Kapstadt hat für absolut jeden etwas zu bieten. Wer naturverbunden ist, wird diese Stadt lieben: egal ob Wandern, Surfen, Kiten, Tauchen, am Strand entspannen – all das lässt sich hier gut in den Alltag integrieren. Da viele deutsche Studenten (insbesondere Medizinstudenten) für Praktika nach Kapstadt reisen, lernt man garantiert schnell viele neue Freunde kennen, und auch die Südafrikaner sind super herzlich, offen und gastfreundlich.

Freizeit in und um Kapstadt
Es ist fast unmöglich, alle Möglichkeiten aufzuzählen, deshalb hier eine kleine Auswahl meiner Highlights:
– Wandern auf den Tafelberg, Lion’s Head oder entlang des Chapman’s Peak
– Zeit verbringen an einem der wunderschönen Strände verbringen
– Surfen, Kiten oder Tauchen
– Kajakfahren und Whale Watching
– Wine Tasting auf einem der umliegenden Weingüter
– Besuch lokaler Märkte wie dem Oranjezicht Markt oder dem Old Biscuit Mill Markt
– Sonnenuntergänge mit toller Aussicht genießen
– Ausflüge: Garden Route oder sogar eine Reise in den Krüger Nationalpark

Besonders beeindruckend ist die Nähe zur Natur: Pinguine am Strand, Wale direkt von der Küste aus sichtbar und spektakuläre Nationalparks nur wenige Autostunden entfernt – eine Kombination, die man so in Europa kaum findet.

Essen
Kulinarisch hat Kapstadt unglaublich viel zu bieten. Die Restaurantlandschaft ist international und vielfältig: italienisch, äthiopisch, portugiesisch, mexikanisch, orientalisch – alles ist vertreten. Interessanterweise ist es dafür gar nicht so einfach, authentische traditionelle südafrikanische Küche zu finden.
Typisch für Südafrika ist zum Beispiel Braai, das “südafrikanisches Barbecue”, das eher ein soziales Event als nur eine Mahlzeit ist. Auch sehr typisch und in jedem Supermarkt vorhanden ist Biltong (Trockenfleisch aus Rind oder auch etwas exotischeren Tieren wie Springbock oder Strauß).

Kultur & Geschichte
Südafrika hat eine komplexe und bewegende Geschichte, die bis heute das gesellschaftliche Leben prägt. Kolonialisierung und Apartheid (das System der staatlichen Rassentrennung bis in die frühen 1990er-Jahre) sind Themen, mit denen man sich unbedingt auseinandersetzen sollte. Sehr empfehlenswert sind kostenlose Stadt- und Apartheid-Touren. Auch ein Besuch auf Robben Island, wo unter anderem Nelson Mandela inhaftiert war, ist extrem eindrücklich – vor allem, weil ehemalige Gefangene selbst von ihren Erfahrungen berichten.
Wer zur richtigen Zeit dort ist, kann außerdem Veranstaltungen wie die Kaapse Klopse (Cape Town Minstrel Carnival) erleben: ein farbenfroher Karnevalsumzug, der jedes Jahr am 2. Januar (Tweede Nuwe Jaar) stattfindet.
Besonders bereichernd fand ich die vielen Gespräche im Alltag – mit Uber-Fahrern, im Supermarkt, im Restaurant oder auch mit Patienten im Krankenhaus. Dadurch bekommt man Einblicke in Lebensrealitäten, die man als Tourist sonst nie kennenlernen würde.

 

Sprache
Südafrika hat elf offizielle Amtssprachen (Afrikaans, Englisch, isiNdebele, isiXhosa, isiZulu, Sepedi (Nord-Sotho), Sesotho, Setswana, siSwati, Tshivenda und Xitsonga) und allein das Lauschen und Raten, welche Sprache gerade gesprochen wird, fand ich faszinierend. Mit mehr Zeit hätte ich sehr gerne einen Sprachkurs gemacht. Mit Englisch kommt man vor Ort aber immer gut zurecht.

Wohnen
Ich habe im Mitarbeiter-Wohnheim des Krankenhauses gewohnt, viele andere PJler in PJ-WGs und Airbnbs. Der Lebensstandard in Kapstadt ist mit dem europäischen vergleichbar und in der Regel recht komfortabel.

Sicherheit
Ein Thema, das mich vor und während meines Aufenthalts stark beschäftigt hat, ist die Sicherheit. In Kapstadt liegen extremer Reichtum und extreme Armut sehr nah beieinander. Während in Gegenden wie Camps Bay luxuriöse Villen direkt am Strand stehen, befinden sich nur wenige Kilometer entfernt Townships mit großer Armut und hoher Gewaltkriminalität. Townships sind ehemalige, durch die Apartheid abgetrennte Wohngebiete für die nicht-weiße Bevölkerung. Auch wenn die Apartheid offiziell beendet ist, sind die Folgen dieser rassistischen Politik bis heute deutlich spürbar. Für Tourist*innen gelten Townships als absolute No-Go-Areas.
Ich selbst hatte während meines Aufenthalts keine negativen Erlebnisse – allerdings nur, weil ich mich konsequent an Sicherheitsregeln gehalten habe. Diese möchte ich daher unbedingt weitergeben:

  • Auf gar keinen Fall in ein Township fahren! Es gibt geführte Touren, falls man sich anschauen möchte, wie die Leute dort leben. Ich habe mich dagegen entschieden, da es sich für mich wie Armuts-Tourismus anfühlt, es soll aber ethisch vertretbare Anbieter geben.
  • Nicht leichtsinnig zu Fuß laufen / durch die Stadt spazieren. Man sollte sich immer vorher informieren und die Locals fragen, ob die Straße/Gegend, in die man abbiegt sicher ist. Das Wichtigste ist, auf das Bauchgefühl zu hören! Wenn eine Ecke einem komisch vorkommt, dann lieber umdrehen.
  • Auf offener Straße nicht unbeobachtet das Handy rausnehmen – dann ist es schnell weg. Lieber in ein Café / einen Shop stellen, wenn man dringend etwas nachschauen muss.
  • Keinen auffälligen Schmuck tragen – das fällt auf und es passiert nicht selten, dass z.B. Ketten vom Hals gerissen werden
  • Immer mit Uber fahren – diese App ist wirklich essenziell für eine sichere Zeit in Kapstadt. Es gibt kein besonders gutes System öffentlicher Verkehrsmittel, das für Touristen zugänglich ist. Zwar gibt es mehrere Taxi-Busse, mir wurde aber gesagt, man solle diese als Tourist aus Sicherheits-Gründen nicht nutzen. Wenn man sich für ein Mietauto entscheidet, sollte man sich die geplante Strecke vorher gut anschauen, um nicht versehentlich in ein Township abzubiegen. Außerdem sollte man niemals Gegenstände im Auto liegen lassen, da es dann häufig zu Einbrüchen in das Auto kommt
  • Immer in größeren Gruppen unterwegs sein – gerade bei Wanderungen auf den Lion’s Head, Signal Hill und den Tafelberg kommt es wohl häufiger zu Überfällen auf Touristen, wenn diese alleine unterwegs sind.
  • Sollte es zu einem Überfall kommen: keinen Widerstand leisten, Handy und Portemonnaie abgeben – euer Leben ist wichtiger als euer Handy und die Schwelle für Gewalt ist niedrig in Kapstadt.

Kapstadt wirkt sehr westlich, sauber und modern – genau das kann eine trügerische Sicherheit erzeugen. Gerade wenn man länger dort ist, wird man schnell nachlässig. Wer jedoch aufmerksam bleibt und die Regeln respektiert, kann die Stadt sicher genießen.

Fazit

Ich würde ich mich jederzeit wieder für ein PJ-Tertial in Kapstadt entscheiden. Die Mischung aus medizinischer Erfahrung, Natur und Kultur war einzigartig – und die Erinnerungen an diese Zeit machen die Rückkehr in den deutschen Winter nicht gerade leichter.
Marie

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