• Menu
  • Menu

Arbeitsalltag in einem kleinen schweizer Spital

In diesem Beitrag soll es um meinen Arbeitsalltag gehen und wie sich dieser vielleicht unterscheidet im Vergleich zu dem einer/eines PJler/in in Deutschland. Allgemein arbeiten Ärzt:innen in der Schweiz 50h in der Woche, und den Unterschied zur deutschen 40h Woche merkt man weniger als ich gedacht hätte. Da die meisten Ärztinnen in DE häufig Überstunden machen müssen und am Ende oft mind. 50h im Krankenhaus bleiben, ist der Unterschied nicht so groß wie zunächst erwartet. Als Unterassistentin gab es zwei verschiedene Schichten, in denen ich arbeitete: Frühdienst von 7.30-18.00 Uhr und Spätdienst von 12.00 -22.00 Uhr. Für mich stellte das trotzdem eine Umstellung zum deutschen PJ dar, da ich vorher keine 10h (und teilweise auch mehr) sondern „nur“ 8h im Krankenhaus verbracht hatte als Studentin.

Laufenburg ist ein eher kleines Spital, das zusammen mit dem Spital in Rheinfelden einen Verbund bildet. Es gibt eine Betten-führende Station, sowie eine kleine IMC (Überwachungsstation). In den Stockwerken darüber befindet sich das hauseigene Pflegeheim.Ich rotierte immer abwechselnd zwischen der Station und dem Notfall (Notaufnahme) hin und her. Meist musste ich ein Wochenende im Monat arbeiten, mit Kompensationstagen unter der Woche.

Ein typischer Arbeitsalltag auf Station begann damit, dass ich morgens im Rapport-(Übergabe) Raum den PC startete und somit alles für die Morgenbesprechung vorbereitete.(Auch in der Schweiz gibt es einige Aufgaben, die den Unterassistent:innen vorbehalten sind :))

Anschließend folgte der Rapport einem immer gleichen Ablauf aus Vorstellung von relevanten Patient:innen, Updates und Wichtigem für das Tagesgeschehen. Daraufhin stellte an drei Tagen in der Woche ein/e der/die Kaderarzt/ärztin (Oberarzt/in) ein kurzes (medizinisches) Thema vor, das spannend war oder nochmal in Erinnerung gerufen werden sollte. An den anderen Tagen gab es ein kurzes Reanimationstraining oder die Vorstellung eines interessanten Journals. In meinem PJ in Deutschland nahm man sich selten so viel Zeit für Weiterbildung. Danach fanden sich alle, die etwas Zeit hatten, für ein kleines Frühstück, das „Znüni“ zusammen. Daraufhin ging es auf Station, wo zunächst für jede/n Patient/in das tägliche Labor und neue Untersuchungsergebnisse angeschaut und befundet wurden. Bei der folgenden Kardexvisite besprach der/die zuständige Oberarzt:in (OA) mit Assistenzarzt:in und Pflegekraft einmal alle Patient:innen, bevor es dann auf Visite ging. Das war für mich neu, da ich so etwas aus Deutschland nicht kannte. Mir hat es aber sehr gut gefallen. So konnte man interdisziplinär Aktuelles besprechen, wodurch, meinem Gefühl nach, weniger Missverständnisse entstanden. Nach der Visite besprach man nochmal alle Patient:innen mit dem Kader, um eventuell aufgetretene Fragen zu klären und Prozedere zu besprechen. Auch eine solche Erreichbarkeit kenne ich nicht aus Deutschland.

Mittags fanden sich alle für ein gemeinsames Mittagessen zusammen. An mehreren Tagen in der Woche gab es parallel Zuschaltungen zu online-Fortbildungen. Zweimal im Monat fand ein Lunchmeeting statt, bei dem von Firmen oder Ärzt:innen aus anderen Praxen/Spitälern aktuelle Forschung oder spannende Themen vorgestellt wurden. Anschließend wurde dann alles abgearbeitet, was v.a. bürokratisch so anstand, aber auch Angehörigengespräche wurden oft zu dieser Zeit geführt. Um 15.45 Uhr folgte zuletzt der Nachmittagsrapport. Anders als ich das aus Deutschland kenne, nehmen sich für diese Übergabezeiten wirklich alle Ärzte Zeit.

Ich als Unterassistentin konnte recht schnell einen bis später auch zwei bis drei Patient:innen übernehmen und diese, immer in Absprache mit dem/der Assistenzarzt:in und Kader, selbständig betreuen. Zweimal die Woche fand die Chefarztvisite statt, die ich immer als sehr lehrreich empfunden habe. Auch anders als in deutschen Krankenhäusern wurde dort sehr ausführlich jede/r Patient/in besprochen, weshalb die Visite teilweise bis zu 3h bei 5 Patienten dauerte. Neben der medizinischen Situation wurde auch intensiv die häusliche Umgebung evaluiert.

Auch auf dem Notfall konnte ich immer mehr Patient:innen selbstständig betreuen je länger ich dort war. Dazu gehörte es, die Patient:innen den Ärzt:innen vorzustellen, die Diagnostik anzufordern und auch die anfängliche Therapie einzuleiten oder die Patient:innen später zu entlassen. Da Laufenburg ein kleines Spital ist wurde dort der Notfall interdisziplinär geführt. Daher habe ich trotz meines Innere Medizin-Tertials dort auch eine Platzwunden nähen können und mehrere Knochenbrüche und die Erstversorgung dieser erlernt. Zu den festen Aufgaben der Unterassistent:innen auf dem Notfall gehörte auch die erste Befundung der durchgeführten EKGs sowie die Durchführung von kleineren Blutuntersuchungen im Spätdienst. Diese Laborabende waren manchmal etwas zeitraubend, konnten aber zwischendurch auch entspannend sein.

Fazit

Krankenhäuser dieser kleinen Größe gibt es in Deutschland nur noch selten. Trotzdem habe ich ein breites Spektrum der Medizin gesehen. Medizinische Seltenheiten waren zwar wenige dabei, jedoch konnte ich bei den häufigen Krankheitsbildern bemerken, wie ich immer sicherer wurde. Insgesamt war meine Zeit in Laufenburg wirklich sehr lehrreich. Daneben hatte ich immer das Gefühl, dass meine Arbeit sehr wertgeschätzt wird. Ich kann natürlich nur über meine Erfahrungen in diesem einen Spital sprechen, aber im Vergleich zu Deutschland ist mir vor allem die deutlich engere Zusammenarbeit zwischen Assistenzärzt:innen und OAs aufgefallen sowie der deutlich höhere Stellenwert von Lehre. Außerdem hat mir gut gefallen, dass Studierenden feste Aufgaben zugeteilt waren, wie z.B. EKGs befunden und Laboruntersuchungen.

Mounia

Ich bin Mounia und studiere Medizin im schönen Münster. Gerade befinde ich mich in meinem praktischen Jahr und habe dafür einen Teil der Ausbildung in der Schweiz verbracht.

Zeige alle Beiträge des Autors / der Autorin

Lassen Sie einen Kommentar da

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert