Arbeitsalltag, Freizeit und Nordlichter in Umeå

Seit meinem letzten Post ist einige Zeit vergangen und viel ist in dieser Zeit passiert. Es kommt mir vor, als wäre ich gerade erst angekommen und nun geht es schon in großen Schritten auf Weihnachten und damit das Ende meines Praktikums hier in Umeå zu. Aber so ist das nun mal, wenn man Spaß hat, zufrieden ist und es auch nicht an Arbeit mangelt, auf die man sich stürzen kann. Aber fangen wir erstmal mit dem Teil an, der sich bei einem Auslandsaufenthalt besonders vom Alltag in Deutschland unterscheidet: der Freizeitgestaltung.

Auch wenn einige Teile ganz ähnlich verlaufen wie in Deutschland (Kochen, Tanzen, Lesen…), gibt es doch viele Unterschiede und ganz andere Möglichkeiten. Die ersten Wochenenden verbrachte ich größtenteils in der Natur und an der frischen Luft. Mit der Aussicht auf einen langen, dunklen und kalten Winter wollte ich den Herbst in vollen Zügen genießen und habe jede Möglichkeit zum Wandern genutzt. Außerdem bot der Herbst mit seinen klaren Nächten die bis jetzt einzige Gelegenheit Nordlichter zu sehen. Denn auch wenn Umeå recht weit nördlich liegt, ist es doch schwer die richtige Kombination aus Aurora-Aktivität, Wetter und Dunkelheit zu bekommen, um in der Lage zu sein, dieses einzigartige Naturereignis zu erleben.

Eindrücke der Nordschwedischen Landschaft im frühen Herbst.

Nordlichter über dem Nydala.

Früher als erwartet, kam dann auch schon der erste Schnee und kündigte den Winter an. Auch die Tage wurden immer kürzer, sodass die Sonne momentan um 8:30 Uhr auf und um 14:15 Uhr untergeht. Viel Zeit für Aktivitäten im Freien bleibt da nicht mehr (insbesondere unter der Woche), weshalb die Aktivitäten sich hauptsächlich auf zusammen kochen, Spiele spielen, Sport, Filme schauen und Fika (die schwedische Kaffeepause) konzentrieren. Allerdings sind auch trotz der kurzen Tage Ausflüge nicht gänzlich unmöglich. Ein paar Eindrücke des Ausflugs nach Nordschweden und an die Lofoten möchte ich euch nicht vorenthalten und ich kann diesen Ausflug nur empfehlen, wenn Ihr die Möglichkeit dazu habt.

Mit dem Zug nach Narvik in Norwegen.

Atemberaubende Aussichten auf den Lofoten…

… und im Abisko Nationalpark.

Aber natürlich ist auch die Arbeit ein Teil des Erlebnisses, weshalb ich euch im Folgenden ein bisschen etwas über meinen Arbeitsalltag erzählen möchte.

Ich arbeite an der Universität Umeå im Department of Chemistry im Bereich der Umweltchemie. Die Arbeitsgruppe, in der ich mein Praktikum mache, arbeitet mit Quecksilber als bedeutendem Umweltkontaminant. Unter anderem ist ein Ziel die Aufklärung des Mechanismus, mit dem anorganisches Quecksilber in der Umwelt von Mikroorganismen in das toxischere Methylquecksilber umgewandelt wird, welches sich in der Nahrungskette anreichert und dann vom Menschen insbesondere durch den Verzehr von Fisch aufgenommen wird.

Meine Aufgabe besteht darin, eine Methode zu entwickeln, mit der Quecksilber-Thiol-Komplexe nachgewiesen und quantifiziert werden können. Diese Komplexe spielen eine wichtige Rolle bei der Umwandlung von anorganischem Quecksilber in Methylquecksilber, weshalb die entwickelte Methode für das Verständnis des Umwandlungsmechanismus von großer Bedeutung ist. (Für Interessierte: bei der Methode handelt es sich um eine HPLC-ICP/MS-Methode).

Das Instrument, das ich für meine Methodenentwicklung verwende. links: HPLC-System; rechts: ICP-MS-Instrument

Die Arbeitsatmosphäre hier ist sehr angenehm. Ich habe viele Freiheiten in der Planung meines Projektes und kann meine eigenen Ideen umsetzen. Bei Fragen und Problemen habe ich allerdings auch immer die Möglichkeit, mich mit meinem Betreuer oder anderen Leuten aus dem Institut zu besprechen. Dies ergibt eine äußerst angenehme Kombination aus Freiheit und Betreuung, wie ich sie jedem Praktikanten nur wünschen kann. Außerdem sind die Doktoranden, Postdocs und Professoren sehr offen und ich wurde schnell integriert. Dies wird außerdem durch die Tatsache begünstigt, dass das Institut sehr international aufgestellt ist, weshalb Unterhaltungen fast ausschließlich auf Englisch ablaufen und man so gut wie nie das Gefühl hat, aufgrund einer Sprachbarriere ausgeschlossen zu sein. An dieser Stelle auch nochmal ein großes Danke an meine großartige Betreuerin Mareike, die mich im Labor, in den Fika-Pausen, beim Mittagessen und auch in der Freizeit immer gut unterhält und die mich vom ersten Tag an bei allen gemeinsamen Aktivitäten des Instituts eingebunden und so zum Erreichen der besten Peak Performance beigetragen hat.

Alles in allem kann ich nur sagen, dass ich nach wie vor super zufrieden mit meinem Aufenthalt in Schweden bin. Knapp ein Monat bleibt mir nun noch, bevor ich Umeå fürs erste wieder verlasse und zurück nach Deutschland gehe und ich werde versuchen diese Zeit so gut wie möglich zu genießen.

Hej då und bis dann

Valentin.

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