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Zwischen Kultur, Prater und Labor – 3 Monate Wien


Hey!

In diesem Blog erfährst du einiges zu meinem Forschungsaufenthalt an der Uni Wien im Fachbereich der Environmental Geoscience. Mein ganzer Aufenthalt ist zwar mittlerweile auch wieder ein paar Tage her, aber der Abstand hilft mir nochmal auf die Dinge zurückzublicken.

So bin ich im Januar in Wien gestrandet. Mit der Ankunft meines Nachtzugs, ging es für mich für die erste Nacht in ein Hostel, da ich erst am darauffolgenden Tag in mein Zimmer im Studiwohnheim einziehen konnte. Nachdem ich dann in meinem spärlich eingerichteten Zimmer mein Zeugs verstreut habe, habe ich in den daraufkommenden Tagen Wien erkundet. Neben dem inneren Stadtzentrum, dem Prater-Rummel und dem erstaunlich gut funktionierendem ÖPNV, gibt es in Wien diverse Cafes, ein enormes Kulturprogramm und unfassbar graues Wetter im Winter. Mir wurde von meinen Kollegen in der Uni berichtet, dass ich den grauesten Winter der letzten 20 Jahre sowie den Schneereichsten Winter seit 15 Jahren erwischt habe. So grau war es aber nicht während meines Praktikums an der Uni vor Ort.

Am ersten Uni-Tag wirkte alles neu auf mich. Die Universitätsgebäude in Wien sind über die halbe Stadt verstreut und das Gebäude, in dem ich war, war auch sehr verwirrend aufgebaut. Dank einer Anleitung meines Betreuers, habe ich es doch irgendwie geschafft zu ihm zu finden. Und so stand ich an einem neuen Ort, an einem Ort, wo ich niemanden kannte außer meinen Betreuer. Durch die internationale Ausrichtung des Arbeitskreises war die meist eingesetzte Sprache Englisch, obwohl ich eigentlich in einem deutschsprachigem Land war. Da mein Betreuer leider krank war in den ersten Tagen, habe ich in den ersten Tagen zu meinem Projekt, welches ich dort angehen sollte, recherchiert. Nach den ersten paar Tagen voller Recherche und neuer Leute hatte ich anschließend mein Kick-Off Meeting mit meinem Betreuer, wo wir besprochen haben, wie der allgemeine Plan für das Praktikum ausschaut und was wir für Checkpoints haben. Nachdem der Plan stand, ging es in die Forschung rein. Forschung ist irgendwie immer so ein abstrakter Begriff. Was habe ich also vor Ort gemacht? Mein Thema bestand darin eine Methode zu entwickeln um PFAS (Polyfluorierte Kohlenwasserstoffe) in einer umweltspezifischen Matrix nachzuweisen. Dabei soll mithilfe von PFAS-Multistandards (enthalten viele Substanzen in bestimmten Konzentrationen der Substanzklasse PFAS) eine Quantifizierungsmethode mithilfe eines Massenspektrometers generiert werden. Was muss man also dafür recherchieren? Ich habe dazu erstmal geschaut, was wichtig ist, zu beachten mit der Handhabung von PFAS, da PFAS als Ewigkeitschemikalie gelten und dementsprechend überall auffindbar sind. Dementsprechend ist es auch möglich sich Verunreinigungen von außen einzuschleppen. Daneben musste ich mir erstmal klar machen, wie wir die Versuche aufeinander aufbauen müssen, dass unsere Ergebnisse am Ende sinnig sind und auch statistisch Sinn ergeben, da Ergebnisse immer gewissen Schwankungen ausgesetzt sind und man dementsprechend die Sicherheit mit der man ein Ergebnis bestimmt wissen möchte, bestimmt.

Nachdem der Plan also stand, sah mein tägliches Vorhaben wie folgt aus: Planen, Labortätigkeiten ausführen und Ergebnisse auswerten, Evaluieren und mit meinem Betreuer absprechen. Da es in der Forschung wenig Leute, wenn es Leute gibt, die das gemacht haben, was du gemacht hast, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du Experimente oder geplante Versuche scheitern, nicht niedrig. Damit muss man sich wohl mehr oder minder mit abfinden, dass nicht alles auf den ersten Anhieb funktioniert. Und so sah es dann aus, dass ich Experimente teilweise zwei, teils drei, teils aber auch acht oder zehnmal wiederholt habe, bis ich verstanden habe, was genau jetzt falsch abgelaufen ist. Durch das Troubleshooting, dass ich während des Praktikums betrieben habe, habe ich gelernt, systematisch Probleme zu identifizieren und zu beheben, die auftreten können. So kam es am Ende dann auch dazu, dass wir bei weitem nicht alles geschafft haben, was wir uns vorgenommen haben, da auf dem Weg viele Hürden waren. Nichtsdestotrotz konnte ich mein Praktikum an einer Stelle beenden, an dem sowohl mein Betreuer als auch ich eine Menge dazu gelernt haben.

Jetzt habe ich so viel über das Praktikum geschrieben, dass ich glatt vergessen habe zu erwähnen ob und wie ich in Wien Anschluss gefunden habe. Neben Freundschaften, die ich direkt in der Arbeitsgruppe mit den Leuten geschlossen habe, bin ich aufgrund meines Hobbys Laufen, auf der Suche nach Leuten, die ebenfalls laufen. Ich wurde dabei fündig in der Vienna Running Collective, wo ich dann auch über die wenige Wochen, die ich da war, einige Freundschaften zu einigen der Leuten aufgebaut habe. Dazu war auch eine gute Möglichkeit um Anknüpfungspunkte in der Arbeitsgruppe zu finden: Die Siebträgermachine der Arbeitsgruppe.

 

Abschließend will ich noch zu meinem Aufenthalt ergänzen, dass ich zum Zeitpunkt des Forschungsaufenthaltes im 4. Master Semester war und nur noch die Masterarbeit neben meinem Forschungsaufenthalt gefehlt hat. Ich wollte unbedingt nochmal raus in die Welt, bevor ich dann wieder Fuß für eine Promotion fasse. Den Kontakt für meinen Forschungsaufenthalt habe ich dafür über meinen Masterarbeits-Prof. erhalten, sodass ich mir sicher sein konnte, dass die Betreuung gut werden wird. Wenn ich abschließend und zusammenfassend auf die Zeit zurückblicke, war die Zeit in Wien sehr lehrreich. Ich habe Fehler gemacht, aber habe auch gelernt damit umzugehen, auch irgendwie nochmal gefestigt, wie wichtig es ist, gut zu kommunizieren um Konfliktpunkte zu vermeiden.

 

 

Oliver

Ich bin Oli, 24, habe Lebensmittelchemie (MSc.) studiert und beginne am 1.6. meine Promotion in der analytischen Chemie.

Während meines Masterstudiums (Oktober 2023 - April 2026) war ich für zwei Forschungspraktika im Ausland. Im Zeitraum 11.2024 bis 03.2025 war ich in Peking, China und im Zeitraum von 01.2026 bis 03.2026 war ich in Wien, Österreich.

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