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Meine Reise ins Unbekannte

Als ich am 19. Oktober morgens in den Zug einstieg mit meinem Riesenrucksack und ganz viel Aufregung im Gepäck, war mir klar diese Reise war die richtige Wahl und ich war so gespannt auf all die neuen Eindrücke. Nach all der Planung und Vorbereitung sollte es jetzt wirklich losgehen nach Brasilien- einem unbekannten Land in einem mir völlig neuem Kontinent. In mir wechselten sich Vorfreude mit großem Respekt und der Angst schon bei der Anreise zu scheitern. Doch alles funktionierte schlussendlich, fast wie geplant. Auch wenn ein unerwarteter Zwischenfall für kurze Aufregung sorgte. Auf der Busfahrt von São Paulo nach Apiai musste ich nämlich ganz plötzlich den Bus wechseln, ohne über mein Gepäck Bescheid zu wissen. Zum Glück konnte ich über meinen Koordinator als Übersetzer alles klären und unbesorgt weiterfahren. Da wurde mir auch schnell klar: wirklich niemand hier spricht Englisch.

Am ersten Morgen war ich dann ganz aufgeregt aus dem Fenster zu schauen, denn bei meiner Ankunft war es schon dunkel gewesen. Ich konnte es gar nicht fassen, direkt vor dem Fenster lag der Regenwald und ziemlich genauso, wie man ihn sich vorstellt- hohe Bäume, exotische Pflanzen und lautes Vogelgezwitscher. Als ich dann das erste Mal die Aussicht vom Coffeehouse sah, war ich einfach glücklich, denn ich konnte zwei Monate an diesem wunderschönen Ort verbringen und das erschien mir wie ein riesiges Privileg. Das Coffeehouse mit den Hängematten und der schönen Aussicht wurde auch einer meiner Lieblingsorte, ich kann mir keinen schöneren Ort zum Arbeiten am Laptop vorstellen. Jeden Morgen wurden uns hier von den Mitarbeiter*innen Kaffee, Tee und Kekse bereitgestellt, daher auch der Name. Generell waren die Angestellten mehr als herzlich zu uns Freiwilligen, jeden Morgen begrüßten wir uns mit einem lächelnden „Bom dia“ und obwohl sie kein Wort Englisch konnten, haben sie uns, wo sie auch konnten, ihre Hilfe angeboten. Diese Herzlichkeit ist mir in Brasilien immer wieder aufgefallen, die Menschen sind sehr offen und freuen sich, wenn Ausländer*innen ihre Sprache lernen möchten. So wurden wir zum Beispiel von einem der Mitarbeiter auf seine Sitio, eine Art kleine Farm, eingeladen, wo wir dann gemeinsam gegessen, mit den Kindern Fußball und Tischtennis gespielt haben und zusammen im nahgelegenen Fluss geschwommen sind. Das war für mich einer der schönsten Tage, weil ich hier nochmal mehr Einblicke von den Einheimischen bekommen habe. Denn die meiste Zeit habe ich mit den anderen Freiwilligen verbracht.

Mit den anderen Freiwilligen lebte ich nämlich zusammen im Volunteerhouse, dort haben wir jeden Abend beim Dinner zusammengesessen. Es hat sich fast angefühlt, als wären wir eine kleine Familie. Wir hatten sogar unser eigenes Ritual, bei dem jeder beim Dinner den persönlichen „best“ und „worst part“ des Tages teilte. Da immer wieder neue Freiwillige kamen und andere sich verabschiedeten, habe ich im Laufe dieser zwei Monate viele Menschen aus verschiedenen Ländern kennengelernt.

Für das Dinner war immer jemand anderes zuständig, als ich das erste Mal für alle zehn Leute kochen musste, war ich erstmal ziemlich überfordert. Besonders der Einkauf war eine Herausforderung und zuerst erschien es mir unmöglich alle nötigen Lebensmittel in den kleinen Läden in Iporanga zu finden. Auch vor meiner Reise hatte ich befürchtet auf viele Dinge verzichten zu müssen, da ich irgendwo im nirgendwo im Regenwald leben und mit dem Auto eine knappe halbe Stunde zum nächsten Dorf, Iporanga, brauchen würde. Doch es stellte sich heraus, dass diese Läden mehr zu bieten hatten, als es auf den ersten Blick schien. Mein persönliches Highlight der Einkäufe waren die Früchte, die in Brasilien deutlich günstiger und auch viel besser als in Deutschland sind. An der Kasse wurden die Einkäufe dann von den Mitarbeiter*innen in Tüten verpackt, was für mich auch erstmal ungewohnt war. Dabei wurden ohne Ende Plastiktüten verwendet, was nicht sehr nachhaltig ist. Als ich dann beim nächsten Einkauf meinen Jutebeutel mitbrachte, kassierte ich einige schiefe Blicke. Bei einem anschließenden Gespräch mit meinem Koordinator teilte er mir mit, dass es völlig in Ordnung sei eigene Tüten mitzubringen, es für die Leute nur etwas ungewöhnlich sei. Aber da ich durch meine Sprache sowieso immer auffiel, nahm ich bei den nächsten Einkäufen die Blicke in Kauf.

Hannah

Hey, ich bin Hannah und studiere im 5. Semester Biowissenschaften an der Uni Münster. Statt eines regulären Vertiefungsmoduls entschied ich mich für ein Betriebspraktikum in Brasilien. Dafür habe ich zwei Monate am Instituto de Pesquisas da Biodiversidade im Atlantischen Regenwald verbracht.

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