Seit einer Woche bin ich wieder zu Hause. Nach sechs Monaten in New York ist das eine größere Umstellung, als ich erwartet hätte. Plötzlich ist es ruhig. Keine Sirenen mehr, kein permanenter Verkehr unter dem Fenster, kein langer Arbeitsweg. Stattdessen vertraute Umgebung, bekannte Abläufe und deutlich weniger Reizüberflutung. Erst jetzt merke ich, wie sehr ich mich an die Geschwindigkeit und Lautstärke der Stadt gewöhnt hatte.
Mit etwas Abstand wird auch klarer, was ich aus der Zeit mitnehme. New York hat seine eigenen Regeln. Man muss sie verstehen, sonst wird der Alltag unnötig anstrengend. Man lernt, wo man sich zu welchen Uhrzeiten gut aufhalten kann und welche Gegenden man lieber meidet. Man findet heraus, in welchen Supermärkten man halbwegs bezahlbar einkauft, welche Freizeitaktivitäten viel Geld kosten und wo es auch günstigere oder sogar kostenlose Alternativen gibt. Gleichzeitig gibt es Ausgaben, um die man schlicht nicht herumkommt, Miete ist ein gutes Beispiel. Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür dafür, wie man sich durch diese Stadt bewegt, ohne dass sie einen komplett überrollt.
Auch das Wohnen war eine eigene Erfahrung. Über die Monate hinweg habe ich mit insgesamt zehn verschiedenen Personen zusammengelebt. Immer wieder neue Mitbewohner:innen, neue Gewohnheiten, neue Dynamiken. Man gewöhnt sich daran, sich ständig neu einzustellen. Das klingt unspektakulär, kostet aber Energie. Privatsphäre ist begrenzt, Routinen verändern sich, und man muss lernen, flexibel zu bleiben.
Generell hat mich die Zeit viel Energie gekostet. New York ist intensiv. Die Stadt ist laut, schnell und dicht. Man ist permanent unterwegs, ständig mit Eindrücken konfrontiert. Gleichzeitig gibt sie einem auch viel zurück: ein starkes Lebensgefühl, eine gewisse Wachheit und das Gefühl, dass immer etwas in Bewegung ist. Genau diese Mischung macht sie so besonders.
Für mich war das Praktikum und das Leben dort definitiv ein Ausbruch aus der Komfortzone – organisatorisch, finanziell und persönlich. Visum beantragen, Wohnung finden, sich im Job beweisen, auf einem anderen Kontinent ein neues Umfeld aufbauen, all das parallel zu stemmen, war nicht selbstverständlich. Am Ende merkt man erst, wie viel man eigentlich geschafft hat. Und genau das gibt Sicherheit für zukünftige Entscheidungen und Herausforderungen.
Ich kann eine solche Erfahrung jedem empfehlen. Nicht nur, weil sie sich gut im Lebenslauf macht, sondern weil man an sich selbst sieht, was man bewältigen kann, wenn man muss. Man wird eigenständiger, gelassener und trifft Entscheidungen mit mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Ich werde New York nicht vergessen. Die Stadt war beeindruckend, fordernd und in vielerlei Hinsicht prägend. Gleichzeitig merke ich jetzt, dass es gut ist, wieder hier zu sein. Und ich glaube auch, dass ich sie in den nächsten zwei oder drei Jahren erst einmal nicht wieder bereisen muss. Manche Erfahrungen stehen für sich und dürfen genau so im Kopf bleiben.
Jetzt beginnt mit der Masterarbeit ein neuer Abschnitt – ruhiger, strukturierter und deutlich weniger laut. Aber die Zeit in New York wird sicher noch lange nachwirken.




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