Margaret Cavendish (1623-1673)

Margaret Lucas wurde 1623 in ein luxuriöses Leben hineingeboren. Mit achtzehn Jahren wurde sie Ehrendame am Hof der Königin Henrietta Maria. Nach der Niederlage der Royalisten begleitete sie die Königin ins französische Exil, heiratete dort William Cavendish und lebte trotz ihrer Verarmung in der Villa des Malers Rubens. Gegen Ende 1651 kehrte Margaret Cavendish nach England zurück in der vergeblichen Absicht, durch Verkauf ihrer Besitztümer Mittel aufzutreiben, um ihre zahlreichen ausländischen Gläubiger zu befriedigen. Damals geriet sie erstmals öffentlich ins Gerede, da ihr Philosophieband "Poems Francies" nicht nur wegen mangelhafter Orthographie, Grammatik und Metrik, sondern auch wegen Verschrobenheit der Texte und Verse auffiel.

Zwischen 1653 und 1671 schrieb Margaret Cavendish vierzehn "wissenschaftliche" Bücher, wobei sie besonders stolz auf ihre Originalität war. Sie dachte nicht daran, sich durch ihren Bildungsmangel von irgendetwas abhalten zu lassen. 1663 schreib sie völlig unbeschwert ein Werk über die Theorien der menschlichen Physiologie, das im Sammelband "Philosophical and Physical Opinions" veröffentlicht wurde.

In ihren naturwissenschaftlichen Frühwerken bestehen alle Atome aus der gleichen Menge von Materie, unterscheiden sich aber in Größe und Gestalt, entsprechend den vier Elementen: Erdatome sind viereckig, Wasseratome rund, Luftpartikel länglich und Feueratome spitz. Ihre Theorie von den Krankheiten, die sich auf die Lehre von den Körpersäften stützt, schrieb sie dem "Kampf zwischen den einzelnen Atomen" zu oder der Tatsache, dass die Atome einer Form Überhand über alle anderen bekommen. Später ersetzte sie die Atomtheorie durch eine Theorie der Bewegung der Atome. Diese waren belebte Materie, mit einem freien Willen sowie Entscheidungsfreiheit. Infolgedessen bekämpften sie sich ununterbrochen, genau wie menschliche Nationen. Sie könnten sich nicht darauf einigen, vollkommene Tiere, Pflanzen oder Mineralien zu bilden. Mit solchen Theorien "schockte sie die Feinde des Atomismus und brachte seine Freunde in Verlegenheit". Atomisten wie Robert Boyle distanzierten sich von ihren Ideen.

Margaret Cavendish überarbeitete später einige ihrer Bücher und drückte ihre Ideen weniger apodiktisch aus. Sie behielt jedoch die unbeirrbare Überzeugung ihrer wissenschaftlichen Befähigungen bis zu ihrem Tod. Wahrscheinlich ist sie sogar mit ein Grund für ihren frühen Tod. Als sie chronisch krank wurde, behandelte sie sich ausschließlich selbst. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Sie starb 1673 und wurde in der Westminster Abtei beigesetzt.

Der Ruf der Herzogin Newcastle, verrückt zu sein, war sicherlich nicht berechtigt. Ihre Theorien waren nicht absurder als manch andere. Es waren aber Schönheit, Reichtum und exzentrisches Verhalten, die gepaart mit dem wissenschaftlichen Anspruch ihrer Theorien Widersprüche erzeugten. Dennoch verhalf sie einigen bedeutenden Theorien zu breiterem Durchbruch. Als Englands erste bekannte weibliche Gelehrte stand sie im Rampenlicht. Das und ihr widersprüchlicher, aber unverblümter Feminismus beeinflussten die Zukunft der Frauen in der Wissenschaft nachhaltig - wenn auch nicht nur positiv.