Hildegard von Bingen (1098-1179)

Hildegard von Bingen wurde 1098 in Böckelheim geboren. Da sie als Kind gebrechlich und oft krank war, wurde sie in die Obhut ihrer Tante gegeben, die Äbtissin in einem Benediktinerkonvent war. Hildegard wurde 1136 Nachfolgerin ihrer Tante. 1155 begann sie zu reisen, wobei sie Medizin und Theologie lehrte und die Verfolgung häretischer Sekten unterstützte.

Hildegard verband, wie viele im Mittelalter, die Wissenschaft mit der Theologie. So bezeichnete sie die meisten Abhandlungen als "Visionen" und von Gott eingegeben. 1141 begann sie mit der Niederschrift des "Liber Scivias", einer mystischen Abhandlung, deren Inhalte 1147 vom Papst Eugen III. zu echten Prophezeiungen ernannt wurden. Dies stärkte ihren Einfluss auf Kirchenobere und Staatsoberhäupter.

Bereits im Jahre 1150 hatte Hildegard mit der Verfassung des "Liber Simplicis Medicinae" begonnen. Das Buch wurde später in &quotPhysica" umbenannt. Diese Enzyklopädie enthielt die Beschreibung von 230 Pflanzen, 60 Bäumen sowie zahlreichen Tieren, Steinen und Metallen. Zusammen mit der medizinischen Anwendung gab Hildegard auch jeweils den deutschen Namen an. Dadurch entwickelte sie ein erstes botanisches Namensregister in deutscher Sprache.

Ihr zweites großes Werk bestand aus fünf Büchern und beschäftigte sich mit theoretischer Medizin und Heilmittelkunde. Hildegard legte dar, wie sie sich den menschlichen Organismus vorstellte, und brachte ihre praktischen Erfahrungen auf dem Gebiet der Heilkunde mit ein. Als erste in Deutschland drängte sie darauf, Wasser abzukochen. Mit ihren theoretischen Gedanken über Blutkreislauf und Nerven nahm Hildegard von Bingen zahlreiche medizinische Erkenntnisse späterer Zeiten vorweg.

In ihren zwei letzten Büchern beschrieb sie ihre für die Zeit sehr fortschrittlichen Vorstellungen über das Weltall. Detaillierte Miniaturen illustrierten die Werke. In ihrer abschließenden Kosmologie findet sich auch eine eingehende Beschreibung der wechselseitigen Einflüsse zwischen Mensch und Kosmos.

Hildegard schrieb außerdem theologische Abhandlungen, zwei legendäre Biographien sowie Gedichte, Hymnen und ein Mysterienspiel. Die zugehörige Musik komponierte sie ebenso wie die erste von einer Frau stammenden Messe.

Zu Lebzeiten wurden Hildegards Leistungen sowohl von zahlreichen Herrschern und Kirchenfürsten als auch von den von ihr geheilten Menschen gelobt und gefeiert. Ihre Werke waren selbst Jahrhunderte später noch bekannt. Hildegards Enzyklopädie der Naturgeschichte findet heute noch Verwendung. Selbst die von ihr geschriebene Messe ist noch vorhanden.