Emilie du Chatelet (1706-1749)

Voltaire schreib über seine Freundin: "Sie war ein großer Mann, dessen einziger Fehler es war, eine Frau zu sein. Eine Frau, die Newton übersetzte und deutete... mit einem Wort, wirklich ein großer Mann".

Emilie war fest entschlossen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Dazu heiratete sie Marquis du Chatelet-Lomont, der als passionierter Krieger meist bei seiner Truppe lebte. Ihre gesellschaftliche Stellung erlaubte es ihr, einige der größten Wissenschaftler des Jahrhunderts als Privatlehrer zu gewinnen.

1733 begegnete sie Voltaire. Die Jungverliebten richteten sich in einem Landsitz ein, den sie komplett renovierten und mit einer Bibliothek ausstatteten. Chirey wurde zu einem Zentrum für Wissenschaftler und Künstler. Durch ihr Interesse wandte auch das von Voltaire allmählich von der Dichtung und Schriftstellerei der Newtonschen Physik und Metaphysik zu.

Ihr erstes gemeinsames Werk war eine populärwissenschaftliche Version von Newtons Theorie. Emilies Beitrag war der größere gewesen. Trotzdem wurde das Werk häufig Voltaire zugeschrieben. 1737 schrieb die Akademie der Wissenschaft einen Wettbewerb für den besten Essay über die Natur des Feuers aus. Emilie hatte aus der Vergangenheit gelernt und reichte kurz vor Terminschluss einen eigenen, von Voltaires Überlegungen unabhängigen Beitrag ein. Sie waren überzeugt zu gewinnen. Der Preis ging jedoch an Leonhard Euler sowie an zwei weitere Mitbewerber.

Emilie du Chatelets Werk "Einführung in die Physik" verknüpfte Leibniz' Metaphysik mit den Newtonschen Prinzipien, indem sie die Folgerungen aus Newtons Systemen nur auf empirische Probleme beschränkte. Damit gelang ihr eine Synthese der gesamten Wissenschaft und Philosophie des siebzehnten Jahrhunderts. Emilie bat den Mathematiker Samuel König, das Werk vor der Herausgabe zu korrigieren. Er gab sich vor der Akademie der Wissenschaft als Autor aus. Erst nach ihrem Tod wurde Emilie rehabilitiert. Veröffentlicht wurde das Werk erst 1759, zehn Jahre nach ihrem Tod.

Emilie du Chatelet hat in erheblichem Maße Anteil an der Entwicklung der wissenschaftlichen Denkweise in Frankreich. Mehr als jeder anderen Person ist ihr die Einführung und Popularisierung der Philosophien von Newton und Leibniz in Frankreich zu verdanken- dieser Verdienst wird aber heute noch Voltaire zugeschrieben.