Als ich vor einigen Monaten nach Neuseeland kam, hatte ich das Bild eines wahren Paradieses im Kopf: endlose grüne Landschaften, glasklare Seen, offene Menschen und eine entspannte Lebensweise.
Als ich vor einigen Monaten nach Neuseeland kam, hatte ich das Bild eines wahren Paradieses im Kopf: endlose grüne Landschaften, glasklare Seen, offene Menschen und eine entspannte Lebensweise. Und tatsächlich – viele dieser Vorstellungen haben sich bestätigt. Doch mein Aufenthalt hier hat mir auch gezeigt, dass das Land weit mehr ist als die Postkartenidylle aus den Herr der Ringe Filmen.
Neuseeland hat mich vor allem durch seine gelebte Kultur beeindruckt. Die Verbindung zwischen Māori-Tradition und westlicher Moderne ist hier viel sichtbarer und präsenter, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Die Bilingualität zwischen Englisch und “Te Reo” im Alltag – etwa in offiziellen Dokumenten, Ortsnamen oder Begrüßungsformeln – zeigt, wie eng Sprache und nationale Identität verknüpft sind. Dieses Bewusstsein für kulturelle Wurzeln und der Respekt vor der indigenen Bevölkerung empfinde ich als bereichernd und vorbildlich.
Großen Unterschied erlebe ich auch im sozialen Miteinander. Die Menschen in Neuseeland sind auffallend offen, hilfsbereit und und einladend. Schon nach wenigen Tagen hatte ich das Gefühl, willkommen zu sein – unabhängig davon, woher ich komme. Auch im Alltag, ob beim Einkaufen, im Bus oder an der Universität, spürt man eine gewisse Herzlichkeit, die in Deutschland oft etwas zurückhaltender ausfällt. So ist es nicht unüblich nach einem ersten Treffen zu einem BBQ oder ähnlichen eingeladen zu werden – auch wenn man sich bisher noch eigentlich fremd ist. Man bekommt das Gefühl als würden wirklich alle im selben Boot (auf der selben kleinen Insel am Ende der Welt) sitzen und zusammen in eine Richtung rudern.
Doch mit der Zeit habe ich festgestellt, dass dieses Land nicht nur aus Idylle besteht. Hinter der entspannten Fassade stehen auch ökonomische Herausforderungen. hohe Lebenshaltungskosten, eine deutliche Abhängigkeit von landwirtschaftlichen Exporten und ein angespanntes Wohnungsangebot in den Städten. Diese Diskrepanz zwischen Naturparadies und realer wirtschaftlicher Lage hat mein Bild von Neuseeland differenzierter gemacht. So ist es nicht unüblich in den Wintermonaten auf viele, frische Lebensmittel zu verzichten. Schlicht aus dem Grund da sie zu Teuer sind. Die Packung Tomaten für 9 Euro im Winter hat mich schon sehr erschrocken. Schnell habe ich gelernt dass die Neuseeländer:innen deutlich saisonaler einkaufen als wie wir es in Europa tun.
Was mich besonders positiv überrascht hat, ist die gelebte Multikulturalität. Menschen unterschiedlichster Herkunft leben hier zusammen, und Vielfalt wird nicht nur akzeptiert, sondern aktiv gefeiert – etwa bei Festivals, in Schulen oder durch kulinarische Vielfalt im Alltag. Dieses Miteinander schafft eine Offenheit, die mich nachhaltig beeindruckt. Auch die Frage wo man eigentlich herkommt ist in dieser Nation anders konnotiert.
Rückblickend hat sich mein Bild von Neuseeland während meines Aufenthalts deutlich verändert. Aus der anfänglichen Vorstellung eines fernen Traumlands ist ein realistisches, aber dennoch zutiefst bewunderndes Verständnis für ein Land geworden, das trotz seiner Herausforderungen Offenheit, Respekt und kulturelle Vielfalt authentisch lebt.






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