• Menu
  • Menu

Zwischen Klassenzimmer und Kulturerfahrung – Mein Arbeitsalltag an der EC Arche Noah School

Nach den ersten Tagen des Ankommens und Kennenlernens wurde schnell klar: Mein Praktikum an der EC Arche Noah School in Gambia würde weit mehr sein als ein Blick hinter die Kulissen des Schulalltags. In den sechseinhalb Wochen vor Ort wurde die Schule zu meinem täglichen Arbeitsplatz, Lernort und Begegnungsraum zugleich.

Ein typischer Schultag

Activity “Games”

An der Schule angekommen, stand zunächst die Vorbereitung des Unterrichts an. Je nach Klasse und Fach unterstützte ich die Lehrkräfte bei der Gestaltung und Durchführung des Unterrichts. Dabei reichten meine Aufgaben von der Betreuung einzelner Schülerinnen und Schüler über die Unterstützung bei Gruppenarbeiten bis hin zur eigenständigen Durchführung kleiner Unterrichtseinheiten. Mit einer anderen deutschen Studentin führte ich den Deutschunterricht in einer 8. Klasse zweimal die Woche durch. Am Ende das Praktikums erstellten wir für diese Klasse einen entsprechenden Vokabeltest, wie auch eine Klausur und korrigierten beides.

Besonders freitags bestand der Schultag aus einem traditionellen Assembly. Alle Schülerinnen und Schüler versammelten sich gemeinsam auf dem Schulgelände, sangen Lieder, sprachen Gebete und hörten wichtige Ankündigungen. Diese Versammlung vermittelte ein starkes Gemeinschaftsgefühl und zeigte, welchen Stellenwert Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt im Schulalltag haben. Dienstags und Donnerstags gab es am Nachmittag sogenannte “Activities”, die von uns deutschen Studierenden organisiert wurden. Hier wurden unterschiedlichste Aktivitäten angeboten, von kleinen Spielen über Pilates bis Volleyball, Fußball und Häkeln.

 Die Arbeit mit den Kindern war abwechslungsreich und oft von spontanen Situationen geprägt. Nicht immer verlief alles nach (Zeit-)Plan, weshalb Flexibilität und Kreativität wichtige Begleiter im Arbeitsalltag waren.

Arbeiten unter anderen Bedingungen

Unterricht in “Grade 5”

Eine der größten Erfahrungen war das Arbeiten in einem völlig anderen schulischen Umfeld als dem, das ich aus Deutschland kenne. Die Rahmenbedingungen waren deutlich einfacher. Lehr- und Lernmaterialien standen häufig nur begrenzt zur Verfügung, technische Hilfsmittel waren gar nicht vorhanden und vieles musste mit wenigen Ressourcen umgesetzt werden.

Gerade dadurch wurde mir bewusst, wie wichtig kreative Lösungsansätze im Bildungsbereich sind. Oft entstand guter Unterricht nicht durch aufwendige Materialien, sondern durch Engagement, Improvisation und die aktive Beteiligung der Schülerinnen und Schüler.

Theorie trifft Praxis

Während meines Studiums beschäftige ich mich regelmäßig mit pädagogischen Konzepten, Lernprozessen und der Frage, wie Wissen erfolgreich vermittelt werden kann. Im Praktikum hatte ich erstmals die Möglichkeit, viele dieser theoretischen Inhalte unmittelbar anzuwenden.

Religionsunterricht in “Grade 1”

Besonders wichtig war dabei die Anpassung von Lerninhalten an unterschiedliche Lernvoraussetzungen. Im Studium wird häufig darüber gesprochen, wie heterogen Lerngruppen sein können. In der Praxis konnte ich erleben, was das konkret bedeutet und wie unterschiedlich Schülerinnen und Schüler auf verschiedene Methoden reagieren.

Auch Kommunikationsfähigkeiten spielten eine große Rolle. Nicht nur die Zusammenarbeit mit den Kindern, sondern auch der Austausch mit den Lehrkräften vor Ort erforderte Offenheit, Empathie und interkulturelle Sensibilität. Viele Situationen machten deutlich, dass erfolgreiche Zusammenarbeit nicht nur von Fachwissen, sondern vor allem vom gegenseitigen Verständnis und Toleranz abhängt.

Herausforderungen und Lernerfahrungen

Natürlich verlief nicht jeder Tag problemlos. Sprachliche Unterschiede, ungewohnte Abläufe und andere Erwartungen an Schule und Unterricht stellten mich immer wieder vor neue Herausforderungen.

Gerade diese Situationen waren jedoch besonders lehrreich. Ich lernte, mich auf neue Gegebenheiten einzustellen, flexibel zu reagieren und auch mit Unsicherheiten umzugehen. Gleichzeitig entwickelte ich ein besseres Verständnis dafür, wie Bildung in unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten funktioniert.

Eine weitere wichtige Erfahrung war die Bedeutung von Beziehungen. Viele Kinder suchten nicht nur Unterstützung beim Lernen, sondern freuten sich vor allem über Aufmerksamkeit, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten. Dadurch wurde mir bewusst, wie wichtig die menschliche Komponente im Bildungsbereich ist.

Nele

Alter: 26
Studiengang: Master of Education (Englisch + Geographie)
Semester: 5
Praktikum: freiwilliges Praktikum an der EC Arche Noah School in Gambia
Praktikumsdauer: 6 1/2 Wochen

Zeige alle Beiträge des Autors / der Autorin

Lassen Sie einen Kommentar da

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert