Ich habe während des Praktikums so viel gelernt, für mich persönlich wie auch fachlich: Alleine, mehrere hundert Kilometer von zuhause entfernt, in einem völlig neuen Umfeld, ohne Menschen, die man kennt; das war für mich vor dem Praktikum eine angsteinflößende Vorstellung. Findet man Anschluss? Harmoniert man überhaupt mit den Menschen hier? Zum ersten Mal Vollzeit arbeiten und sich gleichzeitig um alles andere selbst kümmern? Und doch war es allein diese eine Erfahrung hundertprozentig wert: zum ersten Mal völlig selbstständig zurechtzukommen und zu lernen, genau das zu genießen. Natürlich gab es auch schwierige Momente, aber die blieben zum Glück die Ausnahme. Überwiegend habe ich es genossen, auf den höchsten Berg rund um Davos zu steigen, die Großstädte nebenan zu entdecken, die Kultur zu erleben und in diese kleine Parallelwelt einzutauchen. Ich habe in dieser Zeit so viele großartige Menschen kennengelernt, Freundschaften fürs Leben geschlossen und Erinnerungen gesammelt, die für sich genommen schon unbezahlbar sind.
Fachlich war es außerdem das erste Mal, dass ich in einem internistischen Bereich gearbeitet und den Unterschied zwischen Theorie und Praxis wirklich gesehen habe. Dazu gehört die Realität, dass eben nicht zu jeder Zeit jede Diagnostik bereitsteht und man nicht uneingeschränkt operieren kann, dass man entscheiden muss, was warten kann und was dringlich ist. Diese Praxis lernt man nicht durch Lesen, man muss sie erleben und spüren: Das Gefühl, auf ein Laborergebnis zu warten, während sechs weitere Patientinnen und Patienten darauf warten, überhaupt angeschaut zu werden. Nebenan eine schwere Diagnose zu überbringen und im selben Moment im Hinterkopf zu haben, dass im Zimmer daneben eine Krankschreibung auszustellen ist. Mit dieser Anspannung umzugehen und trotzdem souverän und korrekt zu handeln. Dieses Nebeneinander von großem und kleinem Moment hat mich geprägt.
Insgesamt waren diese vier Monate in vielerlei Hinsicht prägend, für meine persönliche Entwicklung ebenso wie für mein medizinisches Wissen. Nach diesem Praktikum kann ich mir durchaus vorstellen, nach dem Abschluss zumindest für eine Zeit als Arzt in der Schweiz zu arbeiten. Für all diese Erfahrungen möchte ich dem PROMOS-Programm des DAAD danken, dessen finanzielle Unterstützung das alles überhaupt möglich gemacht hat.
So sehr ich mich gefreut habe, nach all der Zeit wieder nach Münster zu kommen, zu Familie und Freunden, so schwer fiel mir der Abschied. Diese idyllische Ruhe, die Aussicht an jedem Morgen, die Natur, wohin man auch schaut, und die Freundschaften, die hier entstanden sind, all das werde ich vermissen. Ich bin hergekommen mit der Angst, allein und fremd zu sein, und gehe mit dem Gefühl, ein zweites Zuhause gefunden zu haben. Die Berge werden morgen noch da sein. Nur ich nicht mehr.




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