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Von neuen Erfahrungen und bleibenden Eindrücken: wie ich zurückblicke… – Kulturelle Unterschiede zwischen Tansania und Deutschland, Reisen am Wochenende und Reflexion

Nach fast zwei Monaten in Tansania bin ich wieder zurück auf deutschem Boden – und merke, wie schwer es mir fällt, die vielen Erlebnisse in Worte zu fassen. Die Zeit in Chamazi war intensiv, voller neuer Eindrücke, Begegnungen und Abenteuer, und gleichzeitig so alltäglich, dass es sich schnell wie ein zweites Zuhause angefühlt hat.

Kulturelle Unterschiede: Tansania und Deutschland

Besonders im Gedächtnis bleiben mir die Menschen in Tansania. Schon nach wenigen Tagen fiel mir ihre Herzlichkeit und Offenheit auf. Ob im Dorf oder in der Stadt – ständig wird man mit einem freundlichen „MAMBO!“ gegrüßt, auch wenn man sich noch nie zuvor gesehen hat. Einmal begleitete ich eine Schülerin ins Krankenhaus wegen einer Hautinfektion. Ihre Mutter lud mich danach zum Essen ein – eine kleine Geste, über die ich mich dennoch sehr freute. Diese Wärme im Alltag hat mir oft ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Das Klima war ungewohnt für mich. Während meines Aufenthalts im August und September herrschte Trockenzeit. Es hat nur alle paar Wochen geregnet und bereits in den frühen Morgenstunden war es sehr warm. Besonders die Mittagshitze war extrem und die Sonne erreichte einen hohen UV-Index. In jedem Raum, auch in den Geschäften an der Main Road, hingen Ventilatoren. Da die Sonne bereits ab 18:20 Uhr unterging, verleitete dies die Menschen dazu, sehr früh in den Tag zu starten. Außerdem musste man bei Dunkelheit immer an Mosquitospray denken!

Mehrmals die Woche fiel der Strom in Chamazi aus und es gab keine Elektrizität, manchmal auch kein Wasser. Das waren ungewohnte Umstände, die manchmal auch länger als einen Tag andauerten. Aber die Menschen wussten, wie man damit umgeht und auch ich gewöhnte mich daran.

Massai-Markt in Arusha

Religion hat in Tansania einen spürbar stärkeren Stellenwert als in Deutschland. In den Küstenregionen, etwa in Dar es Salaam, ist die Bevölkerung überwiegend muslimisch, während im Inland, zum Beispiel in Moshi oder Arusha, viele Menschen christlich geprägt sind. Der Glaube ist für viele ein fester Teil des Alltags und wird mit viel Überzeugung praktiziert. Besonders eindrücklich fand ich ein Gespräch mit einer Massai-Verkäuferin auf einem Markt in Arusha, die mir sehr offen von einem für sie bedeutenden ‚Wunder‘ erzählte und versuchte, mich von ihrer Erfahrung zu überzeugen. Für mich war das ein spannender Einblick in die persönliche Religiosität, die dort ganz selbstverständlich gelebt wird.

Die Kleidung ist in Tansania deutlich konservativer geprägt. Als Lehrkraft musste ich immer meine Schultern und meine Knie bedecken und auch die Schuluniformen sind lang. Frauen tragen fast ausschließlich lange Kleider in der Öffentlichkeit. Dies hat religiöse, aber auch Gründe des Respekts.

Das Bild der Frau ist in vielen Gegenden nicht so fortschrittlich wie in Europa. Oftmals bekommen die Frauen Anfang zwanzig (oder früher) Kinder und verzichten auf ein Berufsleben. Moderne Sichtweisen, Feminismus oder LGBTQ+ sind nicht weit verbreitet und man sollte vorsichtig sein, was man darüber äußert.

Der höchste Schein ist 10.000 tansanische Schillinge. Das sind ungefähr 3,50€.

Als weiße Europäer_innen wird man in Tansania oft als wohlhabend wahrgenommen. Hinzu kommt, dass der Euro einen deutlich höheren Wert hat als der tansanische Schilling – das wissen die Händler. Deshalb werden häufig höhere Preise genannt, weil sie davon ausgehen, dass Tourist_innen die lokalen Preise nicht gut einschätzen können. Handeln gehört hier zum Alltag und hilft, faire Preise zu erzielen.

In Deutschland ist Pünktlichkeit eine Tugend. In Tansania, bzw. in Chamazi, sind Verspätungen üblich und werden nicht als respektlos empfunden.

Alltag, Kultur und neue Freundschaften

Mein Alltag in Chamazi war gleichzeitig neu und vertraut. Ich durfte einen tiefen Einblick in das kulturelle Leben gewinnen – vom gemeinsamen Essen im Main House über den Einkauf von Früchten auf dem Markt bis hin zu Gesprächen mit den Locals. Auch die enge Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen und Angestellten der Organisation war bereichernd. Ich habe nicht nur Einblicke in das Schulsystem bekommen, sondern auch in die Art, wie Gemeinschaft dort funktioniert. Besonders die Kinder an der Samaritan School habe ich sehr ins Herz geschlossen. Einen Großteil meiner Zeit habe ich im Klassenzimmer verbracht, beim Unterrichten, Helfen oder einfach beim Spielen und Lachen.

Ich blicke positiv auf die vielen Begegnungen mit den anderen Freiwilligen zurück. Menschen aus aller Welt – Italien, Spanien, Ägypten, Frankreich, USA, Deutschland, Japan – sind in Chamazi zusammengekommen. Manche blieben nur wenige Wochen, andere länger, doch mit vielen bin ich in Kontakt geblieben.  Aus der gemeinsamen Zeit sind Freundschaften entstanden, und heute habe ich Bekannte auf der ganzen Welt – eine Erfahrung, die ich sehr besonders finde.

Reisen am Wochenende

Neben der Arbeit an der Schule hatte ich die Möglichkeit, an den Wochenenden zu reisen – ein großer Vorteil, wenn man längere Zeit in Tansania lebt. Einige meiner Highlights:

  • Mikumi Nationalpark: Safari mit den „Big Five“. Wir sahen Elefanten, Giraffen, Löwen, Büffel, Gazellen, Affen,… eine ganz besonderes Erlebnis. Außerdem besuchten wir ein Massai-Dorf (einheimische Tribes, die in der Natur ohne Elektrizität abgeschieden von der Zivilisation leben).
  • Zanzibar: Vier Tage voller Erlebnisse – von einer Gewürzfarm über Stone Town bis hin zu traumhaften Stränden und Schnorcheln in der blauen Lagune.

Strand in Paje
  • Stone Town
    Kochen auf einer Gewürzfarm

 

 

 

 

 

  • Arusha & Kilimanjaro: Nach einer 10-stündigen Busfahrt nach Arusha haben wir die Stadt und den traditionellen Massai-Markt besichtigt, bevor wir am nächsten Tag auf 2700m Höhe den ersten Punkt des Kilimanjaro erklommen haben. (Da wir nur das Wochenende frei hatten, war ein Day-Hike die einzige Möglichkeit. Aber auch das war schon verdammt anstrengend!) Ein unvergessliches Gefühl!

Außerdem haben wir in Moshi eine Kaffeefarm besucht und die Materuni Waterfalls bestaunt.

  • Kipepeo Beach: Direkt am Indischen Ozean – perfekt zum Entspannen und Abschalten.

  • Dar es Salaam: Märkte, Fischmarkt, Cafés, Bummeln durch die Straßen der großen Millionen-Küstenstadt und die Masaki-Halbinsel (reichere Seite von Dar) erkunden.

  •  Pugu Hills: Wanderung durch den Wald, dazu Kajak fahren

Was bleibt für mich als Lehramtsstudentin?

Der Unterricht an der Samaritan School war für mich spannend und lehrreich – und auch sehr anders, als ich es aus Deutschland kenne: andere Methoden und andere Rahmenbedingungen. Beeindruckt hat mich die liebevolle Art, wie die Lehrkräfte ihren Job angehen. Trotz großer Klassen und begrenzten Materialien haben sie mit viel Geduld, Engagement und starkem Willen versucht, jedes Kind einzubeziehen und einen guten Schulstart zu ermöglichen. Ich habe gelernt, trotz Sprachbarrieren selbstbewusst zu unterrichten, mich flexibel auf andere Rahmenbedingungen und die Bedürfnisse der Kinder einzustellen und spontan zu reagieren. Auch in Betracht auf den Lehrerjob war das Praktikum für mich also sehr wertvoll.

Rückblick und Reflexion

Jetzt, nach meiner Rückkehr nach Deutschland, merke ich, wie sehr ich die Zeit in Tansania vermisse: die Kinder an der Schule, die Menschen, das Leben in Chamazi und auch das Essen (besonders Chapati und die frischen Früchte). Ich habe nicht nur viel über das Land und die Kultur gelernt, sondern auch über mich selbst: wie ich mit Herausforderungen umgehe, wie wertvoll Vielfalt ist und wie schnell man sich in einer völlig neuen Umgebung zuhause fühlen kann.

Charlotte

Heyy ;) ich bin Lotte, 20 Jahre alt und eine ZweiFach-Bachelor Studentin in Mathematik und Erziehungswissenschaft an der Universität in Münster. Im Sommer 2025 habe ich für zwei Monate in einer Vorschule in Chamazi, Tansania gearbeitet.

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