Das Chirurgietertial des Praktischen Jahr meines Medizinstudiums verbrachte ich zur Hälfte in Brasilien, die andere Hälfte absolvierte ich in Münster.
Für Brasilien hatte ich mich entschieden, da sich in Münster über den brasilianischen Paartanz Forro erste Kontakte zur brasilianischen Kultur sowie Interesse an der portugiesischen Sprache entwickelt hatten. Zunächst stellte sich mir die Frage, wo in dem riesigen Land ich das Praktikum absolvieren wollte und so kontaktierte ich einige Partneruniversitäten der Universität Münster. Schlussendlich entschied ich mich für das Universitätskrankenhaus der Universidade Federal de Santa Catarina in Florianopolis, einer Insel im Süden Brasiliens, die als eine der sichersten Städte Brasiliens gilt.
Vor dem Praktikumsbeginn Ende Dezember nutzte ich die Möglichkeit, das Land bei einer Rucksackreise kennenzulernen. Ich flog also zunächst nach Salvador im Nordosten des Landes. Diese Region ist besonders bekannt für ihre afrobrasilianische Kultur und ich hatte die Möglichkeit an einigen lokalen Festlichkeiten teilzunehmen sowie die wunderschöne Natur bei mehrtägigen Wanderungen zu erkunden.
Anschließend besuchte ich die Millionenmetropole Sao Paulo und die wunderschöne Costa Verde, insbesondere die friedliche, autofreie Ilha Grande. Natürlich darf auf jeder ersten Brasilienreise ein Besuch im legendären Rio de Janeiro nicht fehlen und die „Cidade maravilhosa“ mit ihrer Mischung aus Strand, Bergen und lebendiger Kultur zog mich direkt in ihren Bann. Weihnachten im Sommer am Cristo Redendor war eine ganz besondere Erfahrung. Ich hatte mich im Vorfeld natürlich mit der Sicherheitslage in Brasilien auseinandergesetzt, hatte jedoch zu keinem Zeitpunkt in Brasilien eine negative Erfahrung diesbezüglich, eine gesteigerte Aufmerksamkeit und Vorsicht ist natürlich dennoch ratsam.

Zum Jahresende fuhr ich schließlich mit einem Nachtbus in den Bundesstaat Santa Catarina, bzw. deren Hauptstadt Florianopolis, wo ich mein Praktikum begann. Über Airbnb hatte ich mir eine Unterkunft bei Nita, einer älteren Dame aus Florianopolis organisiert, die praktischerweise direkt vor dem Krankenhaus wohnte. Das Zusammenleben mit ihr war angenehm, da wir hin und wieder gemeinsame Ausflüge unternahmen oder eine Mahlzeit teilten und ich mit ihr ganz natürlich Portugiesisch üben konnte. Glücklicherweise funktioniert die Kommunikation auf Portugiesisch sehr gut. Zwar sprach ich bereits fließend Spanisch und hatte in den letzten Jahren immer wieder Portugiesisch geübt, dennoch war ich überrascht, wie leicht mir der Einstieg in den Alltag auf Portugiesisch fiel.
Es überraschte mich, wie europäisch Santa Catarina geprägt war, gerade im Vergleich zu den anderen Teilen Brasiliens, die ich auf meiner Reise zuvor besucht hatte. In Santa Catarina hatten sich in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts viele Deutsche und Italiener angesiedelt, was bis heute spürbar ist, im Krankenhaus begegneten mir oft deutsche Vornamen und hin und wieder kam es sogar vor, dass mich Menschen auf Deutsch ansprachen. In einer Stadt in dem Bundesstaat findet sogar das nach München größte Oktoberfest statt. Ich war teilweise überrascht, wie pünktlich und streng bürokratisch viele Dinge und Prozesse abliefen, hatte ich doch zuvor mit Brasilien eher eine Tendenz zur Verspätung und Gemütlichkeit verbunden.
Dennoch unterschied sich der Alltag natürlich deutlich von dem Alltag in Deutschland schon allein durch die Lage der Stadt auf einer Insel. Nach dem Praktikum und am Wochenende fuhren wir oft an einen der über vierzig Strände und machten Wanderungen im Regenwald. Ansonsten nutzte ich meine Freizeit, um mit Freundinnen Forro tanzen zu gehen, der Tanzart, die ja ursprünglich meine Begeisterung für Brasilien entfacht hatte.





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