Arbeiten im Deutschen Kindergarten in London

Während meiner neun Wochen in London habe ich im „German Kindergarten“ gearbeitet, einem Kindergarten mit vier Standorten im Stadtgebiet: London Fields, Bermondsey, Herne Hill und North Dulwich. Ich war im größten der vier Kindergärten, in Herne Hill, was im Süden Londons im Borough of Lambeth liegt (ungefähr fünf Kilometer Luftlinie vom Big Ben ;)).

Logo des German Kindergarten

Der Kindergarten bietet für 50 Wochen im Jahr Betreuung von 8.00 bis 18.00 Uhr an. Weil das Bildungssystem in Großbritannien sich grundlegend vom deutschen unterscheidet, sind die Kinder im Kindergarten 2-4 Jahre alt. Mit vier Jahren gehen sie schon zur Vorschule, ganz anders als in Deutschland, wo viele Kinder mit vier noch ein oder zwei Jahre zum Kindergarten gehen.

Der Kindergarten liegt in einem ruhigen Wohngebiet in Herne Hill in einem alten Kirchengebäude, eine Treppe führt in den Garten

Das Hauptziel des German Kindergarten ist, den Kindern in einer sicheren und anregenden Atmosphäre möglichst viel Deutsch beizubringen. Die Kinder, die den Kindergarten besuchen, bringen ganz unterschiedliche Sprachbiographien mit. Viele haben ein deutsches und ein englisches Elternteil und die Eltern wollen das zweisprachige Aufwachsen unterstützen, indem die Kinder auch im Kindergarten Deutsch hören/sprechen. Einige Kinder wachsen sogar trilingual auf, neben Deutsch und Englisch sprechen die Eltern zum Beispiel Norwegisch, Mandarin, Französisch oder Kroatisch, um nur mal einige Sprachen zu nennen. Eine wieder andere Gruppe von Kindern hat monolingual englische Eltern und kommt dementsprechend zum ersten Mal mit Deutsch in Kontakt. Um bei so unterschiedlichen Einstiegsvoraussetzungen kein Kind im Kindergartenalltag sprachlich „zu verlieren“, wird die Sprachnutzung immer an die entsprechende Situation angepasst. Die meisten Kinder verstehen Deutsch nach einigen Monaten im Kindergarten ganz gut, selbst wenn sie es nicht sprechen. Für diejenigen, die mit dem Verständnis noch Probleme haben, werden die wichtigsten Anweisungen noch einmal auf Englisch wiederholt, auch wenn das Ziel natürlich ist, so viel deutschen Sprach-Input wie möglich zu geben.

Der Raum für die zweijährigen Kinder unten im Garten

Der Kindergarten ist aufgeteilt in eine Gruppe mit den zweijährigen Kindern, die in einer 1:4-Ratio betreut werden, und in eine Gruppe mit den drei- und vierjährigen Kindern, bei denen das Verhältnis Erzieher:Kinder maximal 1:8 sein darf. Die zweijährigen Kinder haben einen eigenen Raum im Garten, benutzen aber auch den Raum der größeren Kinder, z.B. beim Essen oder für besondere Aktivitäten. Im Garten spielen alle Kinder zusammen.

Abgesehen von der Besonderheit der zusätzlichen Sprache arbeitet der German Kindergarten wie jeder andere britische Kindergarten auch nach der „Early Years Foundation Stage“ (EYFS), dem Früherziehungscurriculum der Regierung. Darin enthalten sind verschiedene Bereiche mit Zielvorgaben (entspricht in etwa dem Kernlehrplan in Deutschland), z.B. „Expressive Arts & Design“ oder „Understanding of the World“. Jeder Tag im Kindergarten wird einem anderen Bereich der EYFS gewidmet und es gibt entsprechende Aktivitäten. Wenn beispielsweise „Understanding of the World“ der Bereich ist, der heute besonders gefördert werden soll, gibt es Ausflüge in die Community Greenhouses im nahegelegenen Park, wo eine Umweltpädagogin mit den Kindern auf Entdeckungsreise im Gemüsegarten oder im Gewächshaus geht, bastelt oder verschiedene Naturphänomene erklärt. Außerdem gehen wir auch mit den Kindern einkaufen oder in die Bücherei und leihen Bücher aus, die die Kinder sich ausgesucht haben.

Ein Teil des Gartenareals, die Matschküche

Die Mitarbeiter des Kindergartens sind alle zweisprachig und kommen meistens auch aus Deutschland (oder Österreich/der Schweiz). Das Team war sehr jung und es ist mir sehr einfach gefallen, mich einzufügen. Ich habe als Praktikant eine sehr gute Mentorin zur Seite gestellt bekommen, die mich während der ganzen Praktikumszeit unterstützt hat und an die ich mich mit Fragen immer wenden konnte. Dadurch war auch die „Eingewöhnungsphase“ ganz leicht. Praktikanten, vor allem bilingual deutsch-englischsprachige, sind hier immer sehr gerne gesehen und es ist wirklich eine tolle Erfahrung, also zögert nicht, euch zu bewerben 😉

Der Tag im Kindergarten läuft eigentlich immer nach dem gleichen Schema ab. Die meisten Kinder werden zwischen 8.00 und 9.00 Uhr in den Kindergarten gebracht und haben dann die Möglichkeit, mit Müsli und Früchten zu frühstücken. Parallel gibt es ein „Messy Play“-Angebot, bei dem die Kindern je nach Tag beim Spielen mit kinetischem Sand, Schaum, Schleim oder auch mal in Eisblöcke eingefrorenen Tierfiguren ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Nach einem Morgenkreis mit Begrüßungslied, einem Spiel und manchmal einem Gespräch zum Tagesthema geht es raus in den Garten, wo die Kinder mit Bobbycars, Laufrädern und Dreirädern durch die Gegend flitzen oder im Sandkasten, auf dem Klettergerüst oder in der Matschküche spielen koennen. Nach dem Mittagessen, das frisch von einem Koch zubereitet wird, gehen die kleineren Kinder schlafen, während die Älteren in der „Construction corner“, „Home corner“ oder „Drawing corner“ spielen können. Die Kinder lieben Facepainting (wenn du einmal damit anfängst, kannst du dir sicher sein, dass du mindestens viermal Spiderman und drei Eisprinzessinnen malst :D) und finden es auch sehr toll, wenn man ihnen vorliest. Am Nachmittag gibt es dann immer noch eine afternoon activity, für die je nach Tag etwas anderes geplant ist, z.B. mit Laubblättern und Ton Fossilien machen, Yoga oder ein Bewegungsparcour. Außerdem gibt es für die Kinder noch einen Snack aus Milch, Fruechten und Crackern. Diejenigen Kinder, die bis 18.00 Uhr bleiben, bekommen auch noch ein Abendbrot, bevor sie von ihren Eltern wieder abgeholt werden.

Die Leseecke

Das Praktikum im German Kindergarten macht mir sehr viel Spaß und ich habe schon extrem viel gelernt, was ich als Lehrer später einmal gut gebrauchen kann, vor allem was Konfliktbewältigung, die Durchsetzung von Regeln und Lernprozesse bei Kindern angeht. Es ist hier immer genau geregelt, was meine Aufgaben sind und was nicht, und an wen ich mich bei Problemen wenden kann. Ich habe hier auch wirklich schon wichtige Schlüsselqualifikationen erworben, z.B. Knete kochen 😀

Wer sich für bilinguale Erziehung interessiert, dem kann ich ein Praktikum in einem deutschen Auslandskindergarten wirklich nur wärmstens empfehlen – man erkennt schnell, wo die Unterschiede zum deutschen Bildungssystem liegen, ist hautnah bei sehr spanenden Entwicklungsschritten der Kinder dabei und lernt viel über die Chancen und Möglichkeiten bilingualen Aufwachsens.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.