Durch mein Praktikum habe ich nicht nur Lille kennengelernt, sondern auch viele Orte in Nordfrankreich besucht. Das war einerseits durch mein Praktikum gegeben, da man in der Regional- und Stadtplanung oft auch Projekte in weiter entfernten Ortschaften hat und auch in Zeiten von Online-Konferenzen es doch oft am schönsten und hilfreichsten ist, wenn man sich dort direkt hinbegibt. Dort durfte ich dann oft mitkommen und war dabei in kleinen Kommunen, in die man sonst wahrscheinlich nie reisen würde, die aber alle ihren eigenen Charme haben. Diese Besuche waren immer spannend, da ich nicht nur beruflich mit Kommunalverwaltungen und französischen Bürgermeister*innen in Kontakt kam, sondern auch die Menschen der Region kennenlernte.

Andererseits habe ich auch in meiner Freizeit viel die Hauts-de-France – also den französischen Norden – entdeckt. Ich hatte insbesondere das Glück, dass es im Sommer 2024 in Frankreich auch ein 49-Euro-Ticket für Menschen unter 26 Jahren gab. So konnte ich günstig und mit dem Zug viele Städte im Norden entdecken. Amiens war zum Beispiel durch die berühmte Kathedrale mit den wunderschönen Kirchengläsern spannend, aber auch Städte wie Arras und Lens bestechen durch ihre schönen, flämisch anmutenden Stadtzentren. Wer dann noch mehr Zeit hat, dem kann ich nur einen Besuch in Cassel ans Herz legen. Dieses ist sogar zum beliebtesten Dorf Frankreichs im Jahr 2018 gewählt worden. Und dann gibt es natürlich noch die Küste mit schönen Orten, wie Wissant, Wimereux, Boulogne-sur-Mer und Orte, die zwischen Lille und der Küste liegen. Hier lohnen sich Hazebrouck und Saint-Omer, wobei letzterer Ort beindruckende Moorflächen mit schönen Wanderwegen hat. Bei diesen Besuchen habe ich auch nochmal ein Gefühl dafür bekommen, wie das Leben abseits großer Städte wie Lille in Nordfrankreich ist und die Menschen dort andere Lebensrealitäten haben als zum Beispiel Studierende in einer Stadt wie Lille.


Jede dieser Städte hat ihre eigene Atmosphäre. So gab es Küstenorte, die besonders im Sommer gerne von französischen oder belgischen Tourist*innen besucht werden, bis hin zu Städten, die für die Geschichte der Kohleförderung und Textilindustrie in der Region stehen. Ähnlich wie das Ruhrgebiet wurde nämlich im Norden Frankreichs viel Kohleabbau betrieben, was einerseits die Städte dort sehr reich gemacht hat, aber mit dem Rückgang dieses Industriezweiges die Region vor neue Herausforderungen gestellt hat. Hier war es auch spannend zu sehen, wie die Städte mit diesem Wirtschaftswandel umgegangen sind. Es ist auch kein Zufall, dass die Partnerstädte von Tourcoing Mühlhausen und Bottrop sind, Herten mit Arras verpartnert ist oder auch Düren mit Valenciennes. Nordrhein-Westfalen und die Hauts-de-France haben also viele Gemeinsamkeiten und es lohnt sich, diese zu entdecken und so sowohl die deutsch-französische Freundschaft als auch die europäische Idee zu stärken.

Obwohl der Norden Frankreichs oft weniger touristisch wahrgenommen wird, hat er mir durch mein Praktikum und meine Reisen unglaublich viele schöne Eindrücke und Begegnungen geschenkt. Danke auch an Erasmus+, das ein wertvoller Beitrag für mein Praktikumsaufenthalt in Lille war. Auch diese Dinge, die uns die Europäische Union ermöglicht, kann man nicht oft genug betonen. Ich hoffe, dass Euch meine Beiträge über mein Praktikum in Lille gefallen haben und ich kann Euch nur ans Herz legen, auch mal selbst ein Praktikum im (europäischen) Ausland zu machen, falls das noch nicht der Fall ist. Bei Fragen könnt ihr euch gerne beim Career Service der Uni Münster melden oder bei spezifischen Fragen zu Lille und meinem Praktikum könnt ihr mir auch gerne eine Nachricht schreiben.





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