von Laura, Michael, Evelyn und Felix
Im Februar 2026 machten sich vier Studierende des Germanistischen Instituts der Universität Münster für ein zweimonatiges Praktikum als DaF-Tutor:innen an den Universitäten in Kutaissi und Batumi auf den Weg nach Georgien. Die Kolleginnen der Shota Rustaveli-Universität Batumi und der Akaki Tsereteli-Universität Kutaissi empfingen die Studierenden herzlich und ermöglichten ihnen Einblicke in unterschiedliche Kontexte des Deutschunterrichts in Georgien.

Zunächst durften sich die Praktikant:innen an georgischen Schulen einbringen. In Batumi unterstützten sie die Schüler:innen bei der Vorbereitung auf die Prüfungen für das Deutsche Sprachdiplom (DSD) und simulierten in diesem Zuge mündliche Prüfungen, wobei als angehende Lehrkräfte erste Erfahrungen als Prüfer:innen gesammelt werden konnten. Darüber hinaus gaben sie den Prüflingen Feedback zu ihren Präsentationen, in denen gesellschaftlich viel diskutierte Themen wie der Umgang mit Geflüchteten in Deutschland oder der Einfluss von Wahlwerbung auf Social Media behandelt wurden. Nicht zuletzt aufgrund dieser anspruchsvollen Themen waren die Studierenden beeindruckt vom hohen sprachlichen Niveau der Schüler:innen.
In Kutaissi wurden die Studierenden während der ersten Hälfte des Praktikums an zwei staatlichen Schulen eingesetzt. Hier stand die eigenständige Gestaltung von Unterrichtsstunden im Vordergrund der Tätigkeit. Die Themen orientierten sich entweder an den jeweiligen Unterrichtsreihen oder griffen kulturelle Aspekte wie Karneval, Ostern oder den Umweltschutz in Deutschland auf. Die Stunden fanden überwiegend in verschiedenen sechsten Klassen statt, die Freude der Schüler:innen am Unterricht sowie die Zusammenarbeit mit den DaF-Lehrkräften vor Ort waren eine große Bereicherung. Gegen Ende der Schulphase wirkten die Studierenden außerdem gemeinsam mit der Universität Kutaissi an einem „Tag der europäischen Autoren“ mit. Dabei präsentierten Schüler:innen verschiedener Altersstufen ihnen bekannte europäische Autoren auf Deutsch. Auch hier beeindruckte das sprachliche Niveau der Präsentationen sowie die festliche Gestaltung des gesamten Tages.
Im weiteren Verlauf des Praktikums unterstützten die Studierenden die Dozierenden des Studiengangs Deutsche Philologie an den Universitäten. In Batumi übernahm eine Praktikantin für vier Wochen die Leitung des Phonetikkurses. Die deutsche Aussprache verständlich an Muttersprachler:innen einer kaum betonten Sprache wie dem Georgischen zu vermitteln, stellte nicht nur aus sprachkontrastiver Perspektive eine Herausforderung dar. Es zeigte sich, wie sehr man unter diesem didaktischen Blick selbst viel sensibler für die Betonung und Aussprache der eigenen Muttersprache wird, somit wurde auch die Wahrnehmung des Deutschen geschärft.
Auch in Kutaissi erfolgte zur Halbzeit des Praktikums der Wechsel an die Tsereteli-Universität. Nach einer kurzen Kennenlern- und Hospitationsphase, die von zwei Dozent:innen intensiv begleitet wurde, konnten die Studierenden eigene DaF-Stunden in verschiedenen Kursen übernehmen. Da sich die Lerngruppen auf sehr unterschiedlichen Sprachniveaus bewegten, war für Abwechslung gesorgt. Mit fortgeschrittenen Gruppen wurden unter anderem die Meme- und Trash-TV-Kultur in Deutschland oder das Sprachensterben anhand des Münsteraner Soziolekts Masematte thematisiert.
Zum Ende des Praktikums stand an der Universität Kutaissi zudem die Mitorganisation eines Workshops zu Tabuthemen im DaF-Unterricht an. Die Studierenden wirkten an der Konzeption mit und brachten bei der Durchführung des Workshops Impulse zu sensiblen Themenfeldern und deren möglicher Behandlung im Unterricht ein. Der Workshop bot nicht nur wertvolle praktische Erfahrungen, sondern ermöglichte durch die Auseinandersetzung mit Themen wie Gender, Geschichte und Politik, Religion, Kinderlosigkeit und Femiziden auch tiefe Einblicke in die georgische Gesellschaft. Die anschließenden Diskussionen eröffneten Perspektiven, die einen Blick über den Tellerrand ermöglichten und über den bis dahin kennengelernten Lehrkontext hinausgingen.
Neben den eigentlichen Praktikumstätigkeiten bot sich immer wieder die Gelegenheit, Georgien und seine vielfältige Kultur kennenzulernen. Dazu gehörten sowohl Besuche im Georgisch-Deutschen Zentrum in Kutaissi als auch Reisen innerhalb des Landes. Bereits zu Beginn des Praktikums trafen sich alle vier Studierenden zu einem gemeinsamen Wochenende in der Hauptstadt Tbilisi. Dort wurden die kulinarischen Besonderheiten Georgiens, z.B. Khachapuri, Lobiani, Khinkali, Sinori oder auch der Wein, ausgiebig getestet und schnell ins Herz geschlossen.
Ebenso prägend wie die Erfahrungen in Schule und Universität waren zudem Begegnungen mit den Menschen vor Ort. Bei Gesprächen im Alltag, dem Austausch mit Kolleg:innen oder beim gemeinsamen Essen mit Studierenden war die georgische Gastfreundschaft jederzeit spürbar. Sie erleichterte die Ankunft im neuen Umfeld und sorgte während des gesamten Aufenthalts dafür, dass sich die Praktikant:innen stets willkommen fühlten. Dabei wurden auf lustige Art und Weise auch kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Georgien sichtbar. So war eine Praktikantin in Batumi für einen Samstag lose mit einer georgischen Studentin zu einem Ausflug verabredet. Als bis kurz vorher weder Uhrzeit noch Treffpunkt feststanden, wurde sie unsicher und fragte nach. Die Antwort ihrer Verabredung lautete scherzhaft, ob sie denn zunächst noch eine schriftliche Einladung per Post erhalten wolle. Eine weitere Besonderheit, die zu Verwirrungen führen kann: In Georgien wird das Erdgeschoss als erste Etage bezeichnet.
Die beiden Monate in Georgien waren für die Praktikant:innen fachlich wie persönlich sehr bereichernd. Das Praktikum bot nicht nur die Möglichkeit, erste eigenständige Lehrerfahrungen zu sammeln, sondern auch die deutsche Sprache aus einer neuen Perspektive kennenzulernen. Auch das Verlassen der Komfortzone und die Steigerung der eigenen Flexibilität waren vor dem Hintergrund des angestrebten Lehrberufs wertvolle Erfahrungen, von denen die Studierenden in ihrem weiteren Berufsweg langfristig profitieren werden.

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