







Zugang zu kulturellen Gütern ist nicht nur Forschungsgegenstand der Kolleg-Forschungsgruppe, sondern auch Anspruch an die eigene Arbeit. Im Sinne der Transferstrategie der Universität Münster ist die Ermöglichung unterschiedlicher Wege des Zugangs zu den Ergebnissen ihrer Forschung fester Bestandteil des Arbeitsprogramms der Kolleg-Forschungsgruppe (KFG). Vielfältige Transferangebote richten sich an Museen, Bibliotheken, Archive und andere Kulturerbe-Institutionen, an die Kunst- und Museumspädagogik, an Gesetzgebung und Rechtspolitik sowie an die interessierte nationale und internationale Öffentlichkeit. Seit 2023 wurde ein breites Spektrum an Formaten entwickelt: wissenschaftliche Publikationen, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Interviews, Podcasts, Filmreihen, lokale und virtuelle Ausstellungen, Masterclasses und Summer Schools, Tagungen mit Beiträgen aus Wissenschaft, Kunst, kuratorischer Praxis und Inklusionsarbeit – bis hin zur Mitwirkung an Gesetzgebungsprozessen in Deutschland und Sri Lanka.
Ausstellungen sind ein zentraler Modus, in dem die Kolleg-Forschungsgruppe ihre Fragen und Ergebnisse vermittelt – oft gemeinsam mit Museen und unter Beteiligung ihrer Artists-in-Residence. Den Auftakt bildete im Oktober 2023 die Präsentation von Oliver Larics Skulptur „Reclining Pan“ im Archäologischen Museum der Universität Münster: ein Werk, das auf einem 3D-Scan beruht und dessen digitale Daten der Künstler frei zum Download bereitstellt – Zugang als künstlerisches Prinzip.
2025 entstand mit Studierenden die Ausstellungsreihe „case study“. Ihr erster Teil, „Zugänge zu kuratorischen Netzwerken“, zeigte collagierte Postkarten des Kurators Kasper König mit Leihgaben unter anderem von Museumsleiterinnen und Kuratorinnen aus Brücke-Museum, Kunsthaus Dahlem und LWL-Museum für Kunst und Kultur. Die Ausstellung ist inzwischen auch digital zugänglich. Eine Aufnahme aus ihr wurde im Fotowettbewerb der Deutschen Forschungsgemeinschaft für den DFG-Kalender 2026 ausgewählt. Der zweite Teil, „Re:Set. Vom Dia zur Datenbank“, machte den Medienwandel der Kunstgeschichte vom Kupferstich über das Glasdia bis zur digitalen Reproduktion anschaulich mit einer Installation von Artist-in-Residence Philipp Goldbach.
Im Herbst 2026 steht der kamerunische Künstler und Artist-in-Residence Hervé Youmbi im Mittelpunkt: Anlässlich eines in Kooperation der Kolleg-Forschungsgruppe mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, durchgeführten Symposiums bringt das Museum ein Werk von Hervé Youmbi mit Objekten aus der Sammlung in einen Dialog.
Besonderes Gewicht legt die Kolleg-Forschungsgruppe auf die Qualifizierung des wissenschaftlichen und kuratorischen Nachwuchses. Gemeinsam mit dem Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Universität Münster und dem LWL-Museum Hellerlecht (vormals LWL-Freilichtmuseum Detmold) veranstaltet und fördert sie seit 2024 die Summer School Museologie. In einer intensiven Praxiswoche im Detmolder Freilichtmuseum entwickeln Masterstudierende und Promovierende mit Museumsfachleuten und Gastkurator:innen eigene kuratorische und vermittelnde Projekte – 2026 etwa eine Ausstellung zu vierzehn Objekten aus der Keramiksammlung des Museums.
Die Masterclass „Zugang zu sensiblen Sammlungen – digital und analog“ brachte im April 2025 Studierende, Promovierende und wissenschaftliche Volontär:innen mit Expert:innen aus Häusern wie dem Museum Ludwig, dem Museum Folkwang, dem Brücke-Museum, dem Linden-Museum und dem Kunstmuseum Ahlen zusammen. Im Zentrum standen koloniale Sammlungskontexte, Objektbiographien, Fragen der Deakzession und der verantwortliche Umgang mit dem Zugang zu sensiblen Beständen.
Gemeinsam mit der Initiative „Zugang gestalten! Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe“ – getragen unter anderem von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dem Bundesarchiv, der Deutschen Nationalbibliothek, der Deutschen Digitalen Bibliothek, Wikimedia Deutschland und dem Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe – veranstaltete die Kolleg-Forschungsgruppe im Oktober 2023 unter reger Beteiligung aus Kulturerbe-Institutionen eine Konferenz unter dem Titel „Hindernisse überwinden!“. Mit mehr als fünfzig Referierenden ging es unter anderem um die Frage, wie rechtliche Regelungen digitale Zugänge ermöglichen, aber auch kuratorische Entscheidungen beeinflussen, und um unterschiedliche Ansätze zum Abbau von Zugangshindernissen in Bezug auf Bilder, historische Dokumente, Musik und nicht verfügbare Werke in öffentlichen Sammlungen. Auch in den Jahren 2024 bis 2026 beteiligten sich Mitglieder der Kolleg-Forschungsgruppe als Referent:innen und Teilnehmer:innen an der jährlichen Konferenz dieser Konferenzreihe. Seit 2026 ist die KFG als Partnerinstitution beteiligt.
Seither bringt die Kolleg-Forschungsgruppe Wissenschaft und Praxis regelmäßig zusammen – etwa bei der Tagung „Zugänge zum Textilen“ in Zusammenarbeit mit der Kommission für Materielle Kultur und Museum in der Deutschen Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft e. V. (2024), dem Workshop „Digital Restitution“ (2025), der Tagung „Strukturwandel des Publikums?“ zu Konsequenzen des digitalen Wandels für den Zugang zum Theater mit Beteiligten aus der Theaterpraxis (2026), der internationalen Konferenz „Digital Curating: Ethics of Access and Sustainability“ mit Vertreter:innen unter anderem des Städel Museums und des London Museum (2026) sowie der vollständig in Deutsche Gebärdensprache und in Leichte Sprache übertragenen Tagung „Kulturelle Teilhabe im digitalen Wandel“ zum Zugang von Menschen mit Behinderungen (2026). Bei einem Wikipedia Edit-a-thon mit dem ZKM Karlsruhe und Wikimedia Deutschland arbeiteten Teilnehmende an Wikipedia-Artikeln zu Medienkünstler:innen aus der Sammlung des ZKM. Auf dem UNESCO-Forum „How can Equitable Access to Heritage help solve Global Challenges? An Exploratory Dialogue“ in Paris war die Kolleg-Forschungsgruppe 2026 an der internationalen Debatte über einen gerechten Zugang zum kulturellen Erbe beteiligt.
Die Kolleg-Forschungsgruppe begleitet die rechtliche Entwicklung in Bezug auf den Zugang zu kulturellen Gütern auf Länder-, Bundes- und internationaler Ebene aus kunstwissenschaftlicher, ethischer und rechtswissenschaftlicher Sicht – kritisch und konstruktiv. Gemeinsam mit dem Projekt „Zentrum für Legistik“ im Bundesministerium der Justiz veranstaltete die Kolleg-Forschungsgruppe im Juni 2024 eine Forschungsklausur, in der Mitglieder der Kolleg-Forschungsgruppe mit Legist:innen an Fallbeispielen urheber-, datenschutz-, persönlichkeits- und haftungsrechtliche Zugangshindernisse analysierten und Lösungswege erörterten. Auf Landesebene hat Eric Steinhauer, Permanent Fellow der Kolleg-Forschungsgruppe, unter anderem das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur bei der Erarbeitung des Entwurfs für das Niedersächsische Pflichtexemplargesetz (NPflExG) beraten, das am 27. März 2025 verkündet wurde. Nach diesem Gesetz sind nun ausdrücklich auch Online-Publikationen aus Niedersachsen oder mit Bezug zu Niedersachsen in die Sammlung und dauerhafte Sicherung des digitalen kulturellen Gedächtnisses in der Niedersächsischen Landesbibliothek – Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover einbezogen.
Gemeinsam mit Rechts- und Bibliothekswissenschaftler:innen der University of Colombo, der University of Kelaniya und der Open University of Sri Lanka vergleicht ein Forschungsvorhaben die rechtlichen Rahmenbedingungen für den digitalen Zugang zu Bibliotheksbeständen in Deutschland und Sri Lanka. Nach Vorträgen und Diskussionen in Colombo, Kelaniya und Peradeniya (2024) und Münster (2024, 2025) erarbeitete eine deutsch-sri-lankische Forschungsklausur im April 2026 Diskussionsgrundlagen für den fachlichen und politischen Austausch in Sri Lanka – darunter einen Entwurf für ein Bibliotheksgesetz sowie Vorschläge für eine zugangsfreundlichere Reform der gesetzlichen Erlaubnistatbestände (Limitations and Exceptions) im sri-lankischen Copyright Law.
Ein breites Publikum erreicht die Kolleg-Forschungsgruppe mit Filmreihen und Filmvorführungen – etwa „Zugang und Rückgabe: Restitution im Film“ (2025) in Kooperation mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur oder dem Dokumentarfilm „In den Uffizien“ mit anschließendem Gespräch mit der Filmemacherin Corinna Belz im Schlosstheater Münster (2026) –, mit Podcasts, Interviews und Vortragsvideos sowie mit dem Access Hub, der Informationen über anstehende Workshops, Ausschreibungen und digitale Ressourcen rund um den Zugang zu kulturellen Gütern bündelt.





































































