„Access Points“ – Schriften der Kolleg-Forschungsgruppe „Zugang zu kulturellen Gütern im digitalen Wandel“
© Universität Münster | Stefan Klatt

Der digitale Wandel verändert die Möglichkeiten und Formen des Zugangs zu kulturellen Gütern aller Art grundlegend. Damit stellen sich weitreichende Fragen nach den ethischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Bedingungen der Ermöglichung wie auch der Einschränkung des Zugangs zu kulturellen Gütern, nach den ästhetischen Implikationen unterschiedlicher Zugangsregimes sowie nach den normativen Grundlagen für kuratorisches Handeln und für die Regelung von Zugangskonflikten.

Die Open-Access-Schriftenreihe Access Points präsentiert Forschungsergebnisse und Handreichungen, Diskussionsgrundlagen und Positionspapiere der Kolleg-Forschungsgruppe „Zugang zu kulturellen Gütern im digitalen Wandel“ an der Universität Münster. Ihre Publikationssprachen sind Deutsch und Englisch.

Alle Beiträge der Schriftenreihe Access Points haben ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen und wurden sorgfältig redaktionell betreut. Sie werden als Diamond-Open-Access-Publikationen ohne Zugangsbeschränkungen und für Leserinnen und Leser wie für Autorinnen und Autoren kostenlos dauerhaft bereitgestellt mit Unterstützung durch die Universitäts- und Landesbibliothek Münster.

ISSN: 3054-4092

AP#1 | Ethics of Access (im Erscheinen)
© Universität Münster | Stefan Klatt

Ethics of Access

Zugangsgerechtigkeit zwischen kuratorischer Praxis und kultureller Teilhabe

Ursula Frohne & Reinold Schmücker

Der Beitrag erläutert, dass digitale Verfügbarkeit kultureller Güter und die Möglichkeit kultureller Teilhabe nicht zusammenfallen. Zugang wird auch bestimmt von historischen Besitzverhältnissen, institutionellen Deutungsansprüchen und der Kontrolle digitaler Infrastrukturen. Deren Analyse verbindet sich mit der normativen Frage, welche Zugangsansprüche und Einschränkungen aus welchen Gründen gerechtfertigt sind. Kuration erweist sich in diesem Zusammenhang als epistemische Praxis, deren Entscheidungen über Kontextualisierung und die Formen der Sichtbarkeit stets auch Fragen der Verantwortung berühren. 

AP#2 | Zugang für alle?
© Abbildung: gemeinfrei (Wassily Kandinsky: Circles in a Circle)

Zugang für alle?

Universalismus, Identität und das Museum im digitalen Wandel

Bernadette Collenberg-Plotnikov

Dem universalistischen Geist der europäischen Aufklärung verpflichtet, soll das Museum allen Menschen gleichermaßen Zugang zu kulturellen Gütern ermöglichen. Doch digitale Zugänglichkeit ist nicht per se mit universaler Teilhabe gleichzusetzen. Vielmehr bleibt der Zugang zu kulturellen Gütern auch im Digitalzeitalter jeweils Ergebnis institutioneller Setzungen. Die Studie plädiert vor diesem Hintergrund dafür, das Museum als institutionell verantworteten Verhandlungsraum zu verstehen, in dem der universalistische Anspruch auf ‚Zugang für alle‘ und partikulare Identitätsbezüge reflexiv aufeinander bezogen werden.   

AP#3 | Abbildungen in der Kunstwissenschaft
© Abbildung: gemeinfrei (Cäsar Willich: Richard Wagner, ca. 1862)

Abbildungen in der Kunstwissenschaft

Eine kleine Rechtsfibel

Paul Klimpel

Diese Rechtsfibel zur Nutzung von Abbildungen in der Kunstwissenschaft reagiert auf ein verbreitetes Dilemma: Bilder sind für die Kunstgeschichte unerlässlich, doch die Unsicherheit über Bildrechte und Lizenzen behindert die Publikation. Die Fibel zeigt, dass meist Abbildungen legal ohne kostenpflichtige Lizenzen genutzt werden können, und beleuchtet die urheberrechtlichen Rahmenbedingungen.

AP#4 | UNESCO Normative Documents
© Foto: Fernanda LeMarie (Cancillería del Ecuador), CC BY-SA 2.0

Access to Cultural Goods in UNESCO Normative Documents

Ruben Apressyan

Diese Studie rekonstruiert erstmals die Entwicklung des menschenrechtlich und völkerrechtlich verbrieften Anspruchs auf Zugang zu kulturellen Gütern anhand der maßgeblichen normativen Dokumente der UNESCO. Im Einzelnen untersucht die Studie die Entwicklung des Anspruchs auf Zugang zu kulturellen Gütern, die in den UNESCO-Dokumenten zugrundegelegten Begriffe der ‚Kultur‘, des ‚Kulturguts‘, des materiellen oder immateriellen ‚Kulturerbes‘ sowie die Bedingungen legitimer Einschränkungen des Zugangs zu kulturellen Gütern in einer entwicklungsgeschichtlichen Perspektive.

AP#5 | Archive und Algorithmen (im Erscheinen)
© Arolsen Archives

Archive und Algorithmen

Kuratorische Herausforderungen des digitalen Holocaust-Gedenkens

Ursula Frohne

Digitale Archive wie die Arolsen Archives ermöglichen neue Zugänge zu den Lebensgeschichten von Menschen, die durch das NS-Regime verfolgt und ermordet wurden. Zugleich eröffnen KI-generierte Bilder neue Wege der politischen Instrumentalisierung: Als vermeintliche Zeugnisse der NS-Verbrechen verbreiten sie verfälschte Darstellungen und dienen Geschichts­revisionismus, antisemitischer Propaganda sowie der Relativierung und Leugnung des Holocaust. Damit steht die öffentliche Verständigung über die historische Wirklichkeit von Verfolgung und Vernichtung auf dem Spiel. Der Beitrag untersucht die ethische und kuratorische Verantwortung, die sich aus dieser Ambivalenz für Archive, Museen und Gedenkstätten ergibt.

AP#6 | Crowdsourcing in Museen
© Brooklyn Museum 2008, CC BY 3.0

Crowdsourcing in Museen (und anderen Kulturinstitutionen)

Hubertus Kohle

In seiner Studie zeigt Hubertus Kohle, wie die ‚Weisheit der Menge‘ produktiv genutzt werden kann, wenn sie in geeigneter Weise abgerufen wird. Die Arbeit stellt diverse Beispiele für die aktive Beteiligung von Laien an Prozessen der Wissensgenerierung vor. So können diejenigen, die Bibliotheken und insbesondere Museen nutzen, Beiträge zur Verbesserung der Metadaten und sogar zur Interpretation von Werken leisten. Das Internet bietet mithin vielfältige Chancen, die Kenntnisse und das Engagement derjenigen, die es nutzen, in die Arbeit von Museen und Kulturinstitutionen einzubeziehen und deren Publikum so für die Unterstützung dieser Institutionen zu gewinnen.

AP#7 | Museums at the digital turn
© Foto: Gallerie degli Uffizi, Florence (Screenshot of the virtual tour)

Museums at the digital turn – from service promoters to research partners

Angela Dressen

Das Konzept des Museums hat sich im Laufe der Geschichte mehrfach gewandelt. Heute gehört dazu ein Angebot von Online-Katalogen mit Objektbeschreibungen, Tools zur gezielten Suche im Katalog, Bilder unter Public-Domain-Lizenzen, IIIF-konforme Bilder, die eine Weiterverarbeitung und Zusammenarbeit ermöglichen, und vor allem die Bereitstellung von Museumsdaten als Forschungsdaten, wodurch die Kulturerbe-Einrichtungen zu vollwertigen Forschungspartnern werden.

AP#8 | Nutzen und erfreuen
© Foto: KFG 33 (Neon-Reklame am Gebäude der LKB Leipziger Kommissions und Grossbuchhandel)

Nutzen und erfreuen

Vereinfachte Gegenwartsliteratur im Spannungsfeld zwischen kultureller Teilhabe und Urheberschutz

Thomas Kater

Menschen mit Leseschwierigkeiten bleibt die deutsche Gegenwartsliteratur oft weitgehend unzugänglich. Dieser Zugangsproblematik liegt ein Zugangskonflikt zugrunde: Eine Spannung zwischen dem Menschenrecht auf kulturelle Teilhabe von Menschen mit Leseschwierigkeiten und den Urheberrechten von Autoren. Aus zugangsethischer Perspektive werden zwei mögliche Lösungen dieses Zugangskonflikts diskutiert.

AP#9 | Das Koloniale im Digitalen
© Josina Dehn, Detailansicht 3D-Modell der Nofretete

Das Koloniale im Digitalen

Postkoloniale Institutionskritik in den Werken Nora Al-Badris

Josina Dehn

Nora Al-Badris künstlerische Praxis verbindet einen aktivistischen Ansatz der digitalen Aneignung mit institutioneller Kritik. Ausgehend von der Analyse ihrer Werke untersucht die Arbeit, welche Impulse diese Kritik für eine dekoloniale Museumspraxis geben kann. Dabei werden der digitale Zugang zu Sammlungen, die Zusammenarbeit mit Herkunftsgesellschaften, der Status digitaler Objekte, Restitution und der Einsatz künstlicher Intelligenz thematisiert.

AP#10 | Verharren im Besitz
© Foto: gemeinfrei (Museum für Völkerkunde Berlin, Ausstellung der Abteilung Afrika (Kamerun) vor 1926)

Verharren im Besitz

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Restitutionsfrage der 1970er Jahre

Jolanda Saal

Ausgehend von aktuellen Debatten um die Dekolonisierung musealer Institutionen und ihrer Sammlungen widmet sich die Arbeit der bundesdeutschen Vorgeschichte unserer Gegenwart. Am Beispiel der Stiftung Preußischer Kulturbesitz werden Entscheidungs­prozesse, Netzwerke und kulturpolitische Entwicklungen nachvollzogen, die in den 1970er und frühen 1980er Jahren den Umgang mit internationalen Restitutions­forderungen prägten. Dabei stellt sich die Frage, ob sich hinter der offiziellen Ablehnung eine systematische Blockadehaltung verbarg. 

AP#11 | Zugangsdynamiken
© Abbildung: gemeinfrei (Pietro Antonio Martini: Ansicht des Salons von 1785)

Zugangsdynamiken in den bildenden Künsten

Was macht Zugänglichkeit oder Unzugänglichkeit mit Kunst?

Johannes Grave

Zugang zu Werken der bildenden Kunst kann nicht nur für diejenigen Veränderungen mit sich bringen, denen Zugang gewährt oder verweigert wird, sondern auch auf die Objekte zurückwirken, die zugänglich gemacht werden. Derartige Prozesse und Entwicklungen, die in erheblichem Maße durch die Änderung von Zugangsbedingungen und -praktiken geprägt sind, werden im vorliegenden Beitrag als zugangsbedingte Dynamiken oder Zugangsdynamiken konzeptualisiert. Zugang, so soll an Beispielen der bildenden Kunst gezeigt werden, macht etwas mit dem, wozu Zugang ermöglicht wird.

AP#12 | Net Art
© Foto: Regine Ehleiter

Net Art zwischen Zugang und Unzugänglichkeit

Dokumentationspraktiken an der Joan Flasch Artists’ Book Collection

Regine Ehleiter

Net Art wollte genuin vernetzte, ortsunabhängig und niedrigschwellig verfügbare Kunst sein. An der School of the Art Institute of Chicago wurde im Zeitraum von 2000 bis 2009 in der Joan Flasch Artists’ Book Collection unter Leitung von Doro Boehme ein Versuch unternommen, Net Art zu archivieren. Anhand der erhaltenen Materialien treten vier Treiber der Unzugänglichkeit hervor: technische Obsoleszenz, Kontextverlust, institutionelle Passungsprobleme und rechtliche Restriktionen. Strategien zur Sicherung von De-facto-Nutzbarkeit digitaler Kunst müssen mit der Aufbewahrung von Daten und Speichermedien beginnen, erfordern jedoch kontinuierliche Pflege, Migration, Emulation und Reinterpretation.

AP#13 | Zugänge und Ausschlüsse
© gemeinfrei (Paul Klee: Hauptweg und Nebenwege | 1929, Museum Ludwig, Köln)

Zugänge und Ausschlüsse

Digitale Teilhabe an Kultur gestalten

Hauke Behrendt

Der Beitrag entwickelt eine normative Analyse kultureller Teilhabe auf der Grundlage eines strukturellen Trilemmas zwischen Normalisierung, Empowerment und Dekonstruktion. Während digitale Infrastrukturen neue Zugänge eröffnen, verschärfen sie zugleich Spannungen zwischen Inklusionszielen, die sich nicht gleichzeitig vollständig realisieren lassen. Ausgehend von einem relational-egalitaristischen Rahmen wird argumentiert, dass gerechte Teilhabe weder durch technische Öffnung noch durch die Priorisierung einzelner Inklusionsstrategien erreicht werden kann, sondern einen reflektierten Umgang mit den Konflikten zwischen diesen Zielen erfordert. 

AP#14 | European Audiovisual Policy
© Daniel Schlageter/KI-generiert

European Audiovisual Policy Between Quotas and Digital Borders

Rethinking Accessibility

Pavel Zahrádka & Miroslav Krša

Der Beitrag untersucht die europäische audiovisuelle Politik mit besonderem Fokus auf die Verbesserung der grenzüberschreitenden Verfügbarkeit europäischer audiovisueller Werke. Analysiert werden zwei zentrale Instrumente: die Quotenregelung für europäische Werke im Rundfunk und bei Video-on-Demand-Diensten sowie rechtliche Maßnahmen zur Schaffung eines audiovisuellen Binnenmarkts. Es wird gezeigt, dass keines dieser Instrumente die grenzüberschreitende Zirkulation wirksam fördert. Vorgeschlagen wird ein alternativer Ansatz: die Öffnung digitaler Märkte nach Ablauf der kommerziellen Verwertung durch einen öffentlich geförderten Fallback-TVOD-Mechanismus.

AP#15 | ‘Cultural Appropriation’
© Abbildung: gemeinfrei (Thomas Philipps: George Gordon Byron, 6th Baron Byron, Poet, 1813)

‘Cultural Appropriation’

Questions About a Concept

Thomas Gutmann

Der Begriff ‚kulturelle Aneignung‘ beschreibt eine breite Palette von Situationen, in denen jemand Elemente oder Ausdrucksformen der Kultur einer Gruppe, der er nicht angehört, auf vermeintlich verwerfliche Weise verwendet oder sich zu eigen macht. Dieser Essay bietet eine philosophische und juristische Analyse der solchen Vorwürfen zugrunde liegenden normativen Vorstellungen. Er zeigt, inwiefern die Idee einer ‚kulturellen Aneignung‘ auf Fehlannahmen gründet, in sich widersprüchlich und als Instrument der Kritik unbrauchbar ist. Anschließend wird erläutert, welche Verhaltensweisen und Institutionen, die unter der irreführenden Begrifflichkeit ‚kultureller Aneignung‘ kritisiert werden, tatsächlich problematisch sein können, und was an der Übernahme oder Imitation bestimmter kultureller Ausdrucksformen unter Umständen falsch oder verletzend sein kann. 

AP#16 | Cultural Goods in Wartime (im Erscheinen)
© Ministry of Internal Affairs of Ukraine, CC BY 4.0

Safeguarding Cultural Goods in Wartime

Lukas Daum

Der vorliegende Beitrag untersucht den Schutz von Kulturgütern im Krieg aus der Perspektive der Theorie des gerechten Krieges (just war theory) und geht zunächst der Frage nach, ob eine militärische Intervention zum Schutz von Kulturgütern überhaupt gerechtfertigt sein kann (jus ad bellum), um sich anschließend dem jus in bello zuzuwenden. Es wird argumentiert, dass militärische Interventionen zum Schutz von Kulturgütern schwer zu rechtfertigen sind und dass in den meisten Fällen der Verlust von Menschenleben das größere Übel im Vergleich zum Verlust von Kulturgütern darstellt.

AP#17 | Protecting Cultural Property
© doomu – stock.adobe.com

Protecting Cultural Property in Times of Warfare: Normative Dispositions

Ruben Apressyan

Die Analyse der UNESCO-Konventionen, Erklärungen und Empfehlungen zum Schutz von Kulturgut in bewaffneten Konflikten zeigt, dass rechtliche Regelungen allein keinen wirksamen Schutz gewährleisten können. Ein wirksamer Schutz kulturellen Erbes setzt voraus, dass der Respekt vor Kulturgut dauerhaft in der humanitären Ausbildung, dem berufsethischen Selbstverständnis und der ethischen Schulung von Angehörigen der Streitkräfte verankert wird.

AP#18 | Memes of War
© Ukrainische Briefmarke, ausgegeben 2022

Memes of War in the Current Landscape of Ukrainian Media

Characteristics and Functions

Mariya Rohozha

Der Beitrag untersucht Memes, die während des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine entstanden sind, und identifiziert hier drei zentrale Funktionen: eine mit der Nachrichtenfunktion verbundene Unterhaltungsfunktion, eine therapeutische sowie eine politisch-stärkende Funktion. Memes werden als moderne Form von Folklore gedeutet, geprägt durch Viralität, Replizierbarkeit, Medialität, Polymodalität, Mimikry, Aktualität, Serialität, Emotionalität, Humor und Fantasie. Ausgehend von M. Bachtins Konzept des Karnevalesken wird gezeigt, wie Vulgärsprache und schwarzer Humor im Krieg psychische Entlastung bieten, zugleich aber ethische Fragen aufwerfen. 

AP#19 | Archiving Internet Memes
© Saving Ukrainian Digital Heritage Online (SUCHO). Screenshot of https://memes.sucho.org

Archiving Internet Memes

Issues in the Preservation of Born-digital Ephemera and the Case of the SUCHO Meme Wall

Anna Rakityanskaya

Der Beitrag plädiert für die Bewahrung von Internet-Memes. In einer Fallstudie wird die SUCHO Meme Wall als Beispiel für ein Projekt digitaler Archivierungsbestrebungen vorgestellt. Das Projekt ist ein wachsendes, frei zugängliches digitales Archiv von Memes im Zusammenhang mit der russischen Vollinvasion der Ukraine (2022–), das versucht, eine umfassende diachrone Sammlung von Memes aufzubauen. Es steht dabei vor der komplexen Aufgabe, sich auf die Auswahl echter Memes (sowohl „echter“ als auch „emergenter“) zu beschränken, Lösungen zur Bewahrung der den Memes innewohnenden Intertextualität sowie einer dauerhaften Archivierung dieses Materials zu entwickeln.

AP#20 | Ein be/hinderter Zugang zu Kultur
© Un-Label 2024 (Screenshot des Videos https://vimeo.com/905492618?fl=pl&fe=cm#t=1m2s

Ein be/hinderter Zugang zu Kultur

Siegfried Saerberg

Warum bleibt der Zugang zu kulturellen Gütern im Grad seiner Barrierefreiheit – exemplifiziert an Audiodeskriptionen von und für blinde und sehbehinderte Menschen in Museen – so weit hinter den verbindlichen Forderungen der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) zurück? Ein Grund hierfür dürfte in alltäglichen, impliziten Wissenselementen liegen, die different im ‚sehenden Wahrnehmungsstil‘ und ‚blinden Wahrnehmungsstil‘ fundiert sind. Museen adressieren ableistisch ein sehendes Publikum. Als Gegenentwurf zum Okularzentrismus werden Beispiele kuratorischer Praxis vorgestellt.

AP#21 | Digitaler Zugang (im Erscheinen)
Abbildung KI-generiert
Abbildung KI-generiert

Digitaler Zugang zu kulturellen Gütern

Eine befähigungstheoretische Perspektive

Johannes Müller-Salo

Der Beitrag entwickelt eine befähigungstheoretische Sicht auf den digitalen Zugang zu kulturellen Gütern. Zunächst wird eine gerechtigkeitstheoretische Antwort auf die Frage entwickelt, warum Menschen einen Anspruch auf Zugang zu kulturellen Gütern besitzen. Wenn die Entwicklung relevanter Befähigungen vom Zugang zu kulturellen Gütern abhängt, fällt die Bereitstellung dieser Güter in den Bereich gesellschaftlicher Gerechtigkeitspflichten. In einem zweiten Abschnitt wird die gewonnene theoretische Systematik auf den digitalen Raum übertragen.

AP#22 | Das Problem kultureller Gerechtigkeit
© Funk Dooby (Graham Ó Síodhacháin), CC BY-SA 2.0

Das Problem kultureller Gerechtigkeit

Gleichheit, Selbstbestimmung und Macht

Hauke Behrendt

Der Beitrag untersucht das Spannungsverhältnis zwischen kulturellem Zugang und kultureller Selbstbestimmung. Er unterscheidet drei normative Funktionen kultureller Güter: die Ermöglichung gleichrangiger Teilhabe, die Ermöglichung gemeinschaftlicher Selbstbestimmung und die kooperative Nutzung und Gestaltung. Praxiskonstitutive, kompetenzbasierte und sozial-materielle Zugangsbeschränkungen werden nach ihren Gründen und Auswirkungen beurteilt. Teilhabegerechtigkeit verlangt weder unterschiedslose Öffnung noch unbedingten Schutz kultureller Grenzen. Als institutionelles Vermittlungsprinzip wird prozeduraler Respekt entwickelt.

AP#23 | Wozu das Theater? (im Erscheinen)
Abbildung KI-generiert
Abbildung KI-generiert

Wozu das Theater?

Erkenntnistheoretische Überlegungen zum Wert einer Kunstform im digitalen Zeitalter

Lisa-Maria Meier

Seit Platons Kritik an der Tragödie als bloßer „Nachahmung der Erscheinung“ steht das Theater unter einem Antitheatrical Prejudice. Doch inwiefern geht es im Theater darum, Wissen zu produzieren? Im Rahmen des ästhetischen Kognitivismus erscheint statt des Wissensbegriffs eher der des Verstehens entscheidend: Theater kann das Verstehen persönlicher Phänomene wie Gerechtigkeit, Liebe oder Einsamkeit fördern, weil es menschliches Handeln in konkreten Situationen exemplifiziert und sein Publikum dazu einlädt, die Perspektiven handelnder und erlebender Personen nachzuvollziehen.

AP#25 | Wissen schützen vor KI? (im Erscheinen)
© Universität Münster | Stefan Klatt

Wissen schützen vor KI?

Wie Open Science Zukunft hat

Reinold Schmücker

Das Teilen von Ressourcen und die Transparenz von Forschungsdaten, Methoden und Forschungsergebnissen sind konstitutiv für offene Wissenschaft. Dass Open Science jedoch nicht die allgemeine Zugänglichkeit sensibler individueller Daten gebietet, ist heute allgemein anerkannt. Anzunehmen, dass KI-gestützte Software solche und andere – zum Beispiel durch Urheberrecht gezogene – Grenzen tatsächlich beachtet, wäre indes naiv. Bedarf Wissen deshalb des Schutzes vor KI? Der Essay erörtert die Gründe, die heute für die Einschränkung der Offenheit von Wissenschaft sprechen könnten.