Tagung: „Zugang gestalten! 2026: Geschichtspolitik und Erinnerung“
© Hansgeorg Schöner (dasschöne.de), CC BY-SA 4.0 (Foto der Tagung "Zugang gestalten 2024")

Vom 30. September bis 2. Oktober 2026 findet die Tagung „Zugang gestalten! Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe“ 2026 statt. Das Schwerpunktthema der diesjährigen Konferenz ist „Geschichtspolitik und Erinnerung“. Die Kolleg-Forschungsgruppe ist einer der Partner der Konferenz. 

Ort: Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33, Berlin

Leitung: Prof. Dr. Paul Klimpel, Senior Fellow der Kolleg-Forschungsgruppe
Projekt- & Eventmanagement: Anna Katharina Heizmann

Anmeldung unter https://zugang-gestalten.org/anmeldung.

Programm zum Download

Weitere Informationen unter https://zugang-gestalten.org.

Beiträge von Mitgliedern der Kolleg-Forschungsgruppe:

Panel-Vortrag: „Access Denied: Moralische Gründe für ein Recht auf Zugang und Zugangsbeschränkungen“
Dr. Eberhard Ortland, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kolleg-Forschungsgruppe
30. September 2026, 15:00 Uhr, Panel 1 (Zugang zu Erinnerung: Recht, Moral und Verantwortung)

Vertiefungsgruppe: „Digitale Erinnerungskultur zwischen Universalismus und Identitätspolitik“
Prof. Dr. Bernadette Collenberg-Plotnikov, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kolleg-Forschungsgruppe
1. Oktober 2026, 13:30 Uhr, Vertiefungsgruppen zum Thema „Orte, Objekte, Deutungen. Geschichtspolitik im kulturellen Erbe“

Vertiefungsgruppe: „Spätkoloniale Geschichtspolitik. Das Beispiel der Stiftung Preußischer Kulturbesitz“
Jolanda Saal-Basar, Junior Fellow der Kolleg-Forschungsgruppe
1. Oktober 2026, 13:30 Uhr, Vertiefungsgruppen zum Thema „Orte, Objekte, Deutungen. Geschichtspolitik im kulturellen Erbe“

Geschichtspolitik und Erinnerung

Wie gehen Einrichtungen des Kulturerbes mit den Zeugnissen der Vergangenheit um? Nutzen sie diese, um bestimmte Sichtweisen historischer Entwicklungen zu stützen, oder überlassen sie die Bewertung den Nutzenden und ermöglichen vor allem den Zugang zu den Quellen? Während Museen mit kuratierten Ausstellungen häufig stärker interpretierend arbeiten, verstehen sich Archive und Bibliotheken traditionell eher als Einrichtungen, die sich auf den Zugang zu ihren Beständen konzentrieren. Diese Rollenverteilung gerät jedoch unter Druck, wenn es um ein schwieriges Erbe – etwa rassistische oder antisemitische Zeugnisse – geht: Archive werden kritisiert, wenn sie scheinbar ungefilterten Zugang gewähren, während zugleich geschichtspolitische Eingriffe in Kulturerbeeinrichtungen kontrovers diskutiert werden. Besonders sichtbar wird dies derzeit in den USA, wo unter der Trump-Regierung den Archiven und Museen neue geschichtspolitische Vorgaben gemacht und sogar historische Zeugnisse entfernt werden. Doch auch in Deutschland verändern sich Deutungen der Vergangenheit und damit Erwartungen an Museen, Archive und Bibliotheken. Ihnen wird großes Vertrauen entgegengebracht, Zeugnisse der Vergangenheit verantwortungsvoll zu präsentieren – zugleich zeigt etwa der gerichtlich untersagte Versuch der Stadtbücherei Münster, umstrittene Bücher mit Einordnungshinweisen zu versehen, wie sensibel solche Positionierungen sein können.

Diese Fragen berühren unmittelbar auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen Kulturerbeeinrichtungen handeln. Insbesondere das Urheberrecht beeinflusst maßgeblich, welche Zeugnisse der Vergangenheit in welcher Form präsentiert oder digital zugänglich gemacht werden können. Gerade bei Quellen, deren Schutzfristen noch nicht abgelaufen sind oder deren Rechtsstatus unklar bleibt, entstehen häufig Lücken in der digitalen Überlieferung. Dadurch können unbeabsichtigte Verzerrungen des Geschichtsbildes entstehen, wenn bestimmte Materialien aus rechtlichen Gründen nicht oder nur eingeschränkt sichtbar sind. Die Reflexion über solche – nicht intendierten, aber faktisch wirksamen – Effekte des Rechts auf Erinnerungskultur und Geschichtsbilder prägt diese Konferenzreihe von Beginn an und wird auch im Jahr 2026 erneut im Mittelpunkt stehen.