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Germanistische Institutspartnerschaft Münster - Xi'an

Die Zeremonie der Einweihung für die Germanistische Institutspartnerschaft (GIP) fand an XISU statt

Am 3. Mai 2017 fand die Einweihung der Germanistischen Institutspartnerschaft (GIP) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und der Xi'an International Studies University (XISU) auf dem Campus Chang’an der XISU statt. Die TeilnehmerInnen waren Prof. Dr. Susanne Günthner von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Leiterin der GIP von deutscher Seite, Rektor Wang Junzhe der XISU und VertreterInnen des International Office und der Fakultät für Deutsch der XISU. Der Direktor des International Office Wu Yaowu leitete die Zeremonie.

Rektor Wang begrüßte im Namen der XISU Prof. Dr. Susanne Günthner und bedankte sich bei dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster für ihre Unterstützung bei der Entwicklung der Germanistik an der XISU. Der Rektor äußerte zudem seine herzlichen Glückwünsche für die Gründung der GIP. Er wies darauf hin, dass die Partnerschaft zwischen den beiden Universitäten seit ihrer Gründung 2007 immer vielfältiger geworden sei. Die Kooperation im Bereich der Forschung, der Lehrerausbildung und des Studierendenaustausches habe viele Erfolge mit sich gebracht. Die Gründung der GIP markiere einen wichtigen Schritt der Internationalisierung der XISU und sei zugleich ein Meilenstein in der Kooperationsgeschichte der beiden Universitäten. Außerdem wünsche er sich, dass beide Universitäten die GIP weiterhin unterstützen und diese so eine größere Plattform und mehr Chancen für die Germanistik der XISU schafft.

Prof. Dr. Susanne Günthner dankte herzlich für den freundlichen Empfang an der XISU. Sie sagte, dass die Errungenschaften der Kooperation zwischen beiden Universitäten darauf zurückzuführen seien, dass die KollegInnen mit Herz daran arbeiten würden. Die GIP gehört zu den 60 GIPs vom DAAD weltweit. Es sei schwer gewesen, diese zu gründen.

Die GIP zielt darauf ab, die internationale Kooperation in der Germanistik zu fördern und die Lehrentwicklung vielsprechender Deutschabteilungen im Ausland zu finanzieren. Frau Günthner hofft, dass die GIP zur Lehrerausbildung der XISU, Ausbildung der Masterstudierenden und gemeinsamen Betreuung der DoktorandInnen der XISU einen wichtigen Beitrag leisten kann. Zum Schluss des Gesprächs überreichte Prof. Dr. Günthner Rektor Wang den eigenhändig verfassten Brief vom Rektor der WWU, Prof. Dr. Wessels, welcher den beiden Universitäten eine glänzende gemeinsame Zukunft voraussagt.

Bei der Zeremonie unterzeichneten Rektor Wang, der Dekan der Fakultät für Deutsch, Prof. Dr. Wen Renbai und Prof. Dr. Susanne Günthner die Rahmenvereinbarung der GIP und enthüllten das Kooperationslogo.

Quelle: Pressemitteilung der XISU


Thomas Luckmann (1927-2016) – ein Nachruf

Thomas Luckmann

(Foto: Bernt Schnettler)


Am 10. Mai 2016 ist der Soziologe Prof. Dr. Thomas Luckmann im Alter von 88 Jahren in Kärnten verstorben. Mit Tom Luckmann verliert nicht nur die Soziologie, sondern auch die Sprachwissenschaft einen bedeutenden Wissenschaftler, der mit seinen wissens- und handlungssoziologisch fundierten Arbeiten auf beeindruckende Weise die Disziplingrenzen zwischen Philosophie, Anthropologie, Soziologie und Sprachwissenschaft zu überschreiten vermochte.

Bereits zu Lebzeiten zählte Tom Luckmann – u.a. ausgezeichnet mit Ehrendoktorwürden der Universitäten Linköping, Ljubljana, Trondheim und Trier – zu den Klassikern der Soziologie. Sein gemeinsam mit Peter Berger 1966/69 verfasstes, in 20 Sprachen übersetztes Werk „The Social Construction of Reality“ („Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie“), das laut der American Sociological Association als eines der zehn wichtigsten Bücher der Soziologie gilt, wurde wegweisend für eine am Alltag ausgerichtete Betrachtung der sozialen Konstruktion von Wirklichkeit. Neben den von seinem Lehrer Alfred Schütz begonnenen und von ihm weitergeführten Standardwerken der Soziologie „Strukturen der Lebenswelt. Band I und II“ (1973/1984) verfasste er den religionssoziologischen Klassiker „The Invisible Religion“ („Die unsichtbare Religion“) (1967/91).

1927 in Jesenice, im heutigen Slowenien, als Sohn slowenisch-österreichischer Eltern geboren und zweisprachig aufgewachsen, war Tom Luckmann von Kindheit an ein Grenzgänger zwischen Sprachen und Kulturen. Sein Studium der Philosophie, Germanistik, Romanistik, Vergleichenden Sprachwissenschaft und Psychologie in Wien, Innsbruck und an der New School of Social Research in New York (als Schüler von Alfred Schütz), seine disziplin-überschreitende Theoriebildung und seine empirisch ausgerichtete Methodologie führten dazu, etablierte Denk- und Vorgehensweisen sozial- und geisteswissenschaftlicher Disziplinen zu hinterfragen und zu erschüttern. Nach seiner Promotion an der New School of Social Research im Fach Soziologie lehrte der inzwischen amerikanischer Staatsbürger gewordene Thomas Luckmann zunächst als „Teaching Assistant“ am Hobart College in Geneva (New York). 1960 bis 1965 wurde er Assistant, später Associate Professor an der New School of Social Research, als Nachfolger seines ehemaligen Lehrers Alfred Schütz. 1965 kehrte er zusammen mit seiner Frau, der Soziologin Benita Luckmann, und seinen drei Töchtern nach Europa zurück und lehrte bis 1970 als ordentlicher Professor für Soziologie an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt. Zum großen Erstaunen vieler KollegInnen nahm Tom Luckmann – mittlerweile ein international ausgewiesener Wissens- und Religionssoziologe – 1970 einen Ruf an die neu gegründete Universität Konstanz an, obgleich er mehrere Angebote renommierter US-amerikanischer Universitäten erhielt. An der Universität Konstanz reizten ihn u.a. deren forschungsbezogene Konzeption und die Möglichkeiten der engen interdisziplinären Zusammenarbeit mit KollegInnen der Literaturwissenschaft, Geschichte, Sprachwissenschaft und Philosophie. So prägte Thomas Luckmann während seiner Konstanzer Jahre (von 1970 bis zu seiner Emeritierung 1994 und noch darüber hinaus) durch seine phänomenologisch wie anthropologisch fundierte, empirisch ausgerichtete Perspektive die Geistes- und Sozialwissenschaften dieser jungen Universität am Bodensee entscheidend mit: Seminare, Projekte, Forschergruppen, SFBs, Kolloquien und Konferenzen mit KollegInnen wie dem Historiker Arno Borst, den LiteraturwissenschaftlerInnen Aleida Assmann, Gerhard v. Graevenitz, Wolfgang Iser, Hans-Robert Jauß, Renate Lachmann und Karlheinz Stierle, den SprachwissenschaftlerInnen Peter Auer, Elizabeth Couper-Kuhlen, John Gumperz, Aldo di Luzio, Helga Kotthoff und Susanne Uhmann waren bezeichnend für sein disziplinüberschreitendes Engagement. Mit seinem Weitblick auf die Geistes- und Sozialwissenschaften, seinem Pochen auf empirischer Forschung, seiner Klarheit, Präzision und Systematik im Denken war er richtungsweisend für die Forschergruppe „Poetik und Hermeneutik“ wie auch für den SFB „Anthropologie und Literatur“.

Während seiner Konstanzer Zeit war Thomas Luckmann u.a. aufgrund seines Anspruchs, dass sich Wissenschaft nicht in Abstraktionen verlieren sollte, seines dezidierten Interesses an konkreter Interaktion in ihrem Vollzug, seiner Begeisterung für die Sequenzanalyse authentischer Alltagsinteraktionen und nicht zuletzt wegen seiner charismatischen Ausstrahlung und seiner engagierten Unterstützung junger WissenschaftlerInnen ein wichtiger Lehrer für den geistes- und sozialwissenschaftlichen Nachwuchs. In den Projekt- und Datensitzungen, die er u.a. zusammen mit Jörg Bergmann abhielt, versammelten sich Studierende und DoktorandInnen aus unterschiedlichsten Fachrichtungen.

Thomas Luckmanns theoretisches Interesse an Kommunikation gepaart mit seinen bestechenden empirischen Analysen und der ihn stets begleitenden Frage nach der Konstitution sozialer Wirklichkeit im zwischenmenschlichen Handeln erwiesen sich als wegweisend für anthropologisch und soziologisch ausgerichtete Zugänge zu Sprache und Kommunikation, die einen wichtigen Gegenpol zur damals vorherrschenden, empirie-losgelösten, am Alltagsgebrauch von Sprache desinteressierten Linguistik repräsentierten. Im Gegensatz dazu trug seine Forschung zum kommunikativen Handeln maßgeblich dazu bei, Sprachanalysen dort zu verankern, wo Sprache im Alltag vorkommt: in zwischenmenschlichen Interaktionen. Bereits in den 1970er-Jahren publizierte er einige für die Sprachsoziologie bzw. Soziolinguistik wegweisende Arbeiten (Luckmann 1972; 1973; 1979), die die Ära empirisch fundierter Analysen von Sprache, Sprechen und kommunikativem Handelns mit einläuteten.

Bezüglich der Vernetzung zwischen Soziologie und Sprachwissenschaften berichtet er, mit welchem Befremden er als Student der Vergleichenden Sprachwissenschaften und der Soziologie das gegenseitige Ignorieren dieser beiden Disziplinen erlebt hatte; und dies obgleich bereits bei Humboldt eine systematische Verbindung zwischen einer Sprach- und einer Gesellschaftstheorie angelegt war. Doch lange Zeit schien es, als lebten Soziologie und Linguistik „in separate universes“ (Luckmann 2013: 41f.). Bezeichnend hierbei war – so Luckmann (2013: 42) – „that sociology in general, and even what then went by the label of a sociology of language, was linguistically naive to the point of ignorance. At the same time, the notions of social interaction and social structure in linguistics, even in the budding subdiscipline of pragmatics, were of a very modest home-grown variety”.

Die Erforschung von Sprache in der Kommunikation war für ihn stets Teil einer „Wirklichkeitswissenschaft“ und zugleich eng verknüpft mit der Frage, wie im alltäglichen Handeln – und dabei primär in der zwischenmenschlichen Kommunikation – eine „objektivierte Welt“ geschaffen wird, die Teil unserer Alltagswirklichkeit ist. Rückblickend formulierte er seine Faszination für die Erforschung zwischenmenschlicher Interaktion folgendermaßen:

„Kommunikative Interaktionen wurden nun nicht mehr nur als Gegenstand einer eher unwichtigen Unterdisziplin der Soziolinguistik oder Linguistik angesehen, die sich mit dem Verhältnis von Sprache und Sozialstruktur beschäftigte. Ganz im Gegenteil wurde sie nun als das wichtigste Medium der Produktion gesellschaftlicher Ordnung oder, um es allgemeiner auszudrücken, der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit angesehen“ (Luckmann 2002: 185).

Wenn soziale Wirklichkeit in zwischenmenschlichen Interaktionen konstruiert wird, und wenn diese für unser gesellschaftliches Leben allgegenwärtig ist, dann sollte – so die methodologische Konsequenz – unser verlässlichstes Wissen über die soziale Wirklichkeit konsequenterweise auf Rekonstruktion dieser Prozesse gründen (Luckmann 2013: 45). Kommunikation (allen voran die verbale Kommunikation) ist also für Thomas Luckmann (2002: 202) „ein – oder vielleicht das – konstitutive Element des gesellschaftlichen Lebens und der sozialen Ordnung“.

Eines der zentralen Probleme der Analyse alltäglicher Kommunikation besteht jedoch darin, die kommunikativen Prozesse in Daten, die für die Analyse geeignet sind, zu transformieren. Durch seinen Assistenten und Mitarbeiter Jörg Bergmann wurde Thomas Luckmann mit der ethnomethodologischen Konversationsanalyse vertraut, die mit ihrer sequenzanalytischen Methode zur Erforschung authentischer Alltagskonversationen Pionierarbeit leistete und mit der er seine Faszination für die qualitativ ausgerichtete, interpretative Erforschung authentischer Kommunikationssituationen teilte:

„Sequential analysis is not the only so-called qualitative method […] and, qualitative methods are not the sole salvation of sociology. Yet I am convinced that sequential analysis provides the empirical foundation for an essential component of contemporary social theory, in particular for one of its branches, the sociology of knowledge. It enables us to trace step-by-step the processes by which social reality is constructed and reconstructed. And that is not a minor matter.” (Luckmann 2013: 45)

Aus dem Interesse an der Sequenzanalyse in Kombination mit der Erforschung des „kommunikativen Haushalts“ und „sozialer Wissensbestände“ erwuchs auch die von ihm begründete Theorie der „Kommunikativen Gattungen“. Für immer wiederkehrende soziale Aufgaben bilden sich – so Luckmann – spezifische Handlungsmuster heraus, die routinisiert, teilweise sogar institutionalisiert werden. Diese im Wissensvorrat der Mitglieder einer Gemeinschaft abgespeicherten Handlungsmuster haben – wie jede Form der Institutionalisierung – wichtige „Entlastungsfunktionen“ (Gehlen):

„Der Einzelne braucht, wenn das gesellschaftliche Repertoire an Institutionen Lösungen nicht nur bereitstellt, sondern ihn zu deren Gebrauch verpflichtet, erstens, nicht selbst nach Lösungen zu suchen. Zweitens muß er sich hinsichtlich der Lösung nicht mit anderen Handelnden erst mühsam (etwa über die Vorteile der einen gegenüber einer anderen Lösung argumentierend) abstimmen. Hinzu kommt, dass, drittens, die institutionalisierten Handlungsweisen 'überprägnant' sind, also leicht einprägsam und dadurch fast automatisch anwendbar.“ (Luckmann 1992: 155)

Was für soziales Handeln allgemein gilt, trifft auch auf kommunikatives Handeln zu.
Kommunikative Gattungen definiert Luckmann (Luckmann 1988; 1992; Bergmann/Luckmann 1999a; b) als musterhaft verfestigte Lösungen kommunikativer Probleme, deren Funktion in der Bewältigung, Vermittlung und Tradierung intersubjektiver Erfahrungen der Lebenswelt liegt. Sie sind in doppelter Weise auf die zwischenmenschliche Interaktion bezogen: Einerseits entwickeln sie sich aus der Routinisierung von Alltagshandlungen, zum andern stellen sie – einmal verfestigt – wiederum Orientierungen für die Ausführung kommunikativer Handlungen dar und bilden damit einen wesentlichen Bestandteil des „kommunikativen Haushalts“ einer Gemeinschaft (Luckmann 1988; 1992; 2002). In einem im Rahmen der Festschrift für Jörg Bergmann durchgeführten Interviews mit Thomas Luckmann antwortet er auf die Frage von Ruth Ayaß, wie „denn ganz konkret das Interesse an den Gattungen zustande gekommen“ ist, folgendermaßen:

„Ich versuche mich zu erinnern. Also die Idee, dass kommunikative Interaktion nicht nur sprachlich und sozial strukturiert ist, sondern auch über Gattungen stark strukturiert ist, kam mir glaube ich, nicht von Bachtin, obwohl sie von ihm hätte kommen können. […] Nein, mit den Gattungen kam ich eher über die Literaturwissenschaftler in Berührung, damals war es vor allem Hans Robert Jauß, der mich eingespannt hat in gemeinsame Seminare usw. Dann merkte ich, als sie über Gattungen geredet hatten, dass sie eine alte, für mich langweilige Geschichte erzählten: Sind das Ideal- oder Real-Konstrukte, das war schon in der Soziologie ein völlig überflüssiges Gequatsche hinsichtlich der Idealtypen von Weber. Mir schien aber einiges dahinter zu stecken, das nützlich wäre zur Übertragung des Gattungsbegriffs von abgeschlossenen Werken auf work in progress, das heißt Interaktion. Die Idee dazu, glaube ich, stammt nicht von Bachtin, eher vom Heiligen Geist.“ (Luckmann: in Ayaß/Meyer 2012: 28)

Thomas Luckmanns Interesse an Gattungen war und blieb auch ein theoretisches, „dass ich sehen will, wie soziale Wirklichkeit konstruiert wird, re-konstruiert wird, und wie das im Detail geschieht. Das ist social construction en detail. En detail!“ (Luckmann: in Ayaß/Meyer 2012: 30). Stets betonte er, dass eine Theorie Kommunikativer Gattungen keineswegs als isolierte Konzeption sprachlicher Formationen und Routinen zu betrachten ist; vielmehr muss sie – um einen Beitrag zum Verständnis der sozialen Wirklichkeit leisten zu können –, mit einer „allgemeinen Theorie verbunden sein, die sich mit der Verknüpfung von sozialer Interaktion, Institutionalisierung sowie der Herstellung und Verbreitung des Wissens beschäftigt“ (Luckmann 2002: 183).

Mit der Analyse Kommunikativer Gattungen gelang es Thomas Luckmann auf bestechende Weise, die separaten Welten der Soziologie und Linguistik wieder zusammenzuführen: Zahlreiche gemeinsame Lehrveranstaltungen, Datensitzungen, Tagungen, Forschungsprojekte und Ko-Publikationen zwischen SoziologInnen und SprachwissenschaftlerInnen waren die Folge (siehe u.a. Linell/Luckmann 1991; Günthner/Knoblauch 1994; 1995; 2000; Bergmann/Luckmann 1999a; b; Di Luzio/Günthner/Orletti 2001; Knoblauch/Kotthoff 2001).

Innerhalb der Linguistik wird das Konzept der Kommunikativen Gattungen nicht nur rezipiert, sondern es ist geradezu zurichtungsweisend für ganz unterschiedliche Bereiche: für die Interkulturelle Kommunikationsforschung, die Gesprächsforschung, die Interaktionale Linguistik, die Analyse institutioneller Kommunikation, für Studien zur computer-vermittelten Interaktion, für die linguistischen Gender Studies, für Kulturanalytische und Anthropologische Linguistik, die historische Sprachwissenschaft und selbst für Grammatikanalysen.

Tom Luckmann war ein charismatischer und vielseitig ausgerichteter Forscher und Lehrer mit beeindruckendem theoretischem Weitblick, der keineswegs ins Spekulative und Abstrakte abzudriften drohte, sondern dem eine Bodenständigkeit anhaftete, die in der erlebbaren Empirie sozialer Wirklichkeit verankert war. Seine wissenschaftliche Inspiration, seine Klarheit und Präzision im Denken und Formulieren, sein Humor, seine Menschlichkeit, aber auch seine Fähigkeit, Wissenschaft auch mal „Wissenschaft sein lassen zu können“ und sich anderen Alltagsinteressen hingeben zu können, wie dem Fliegenfischen, der Ornithologie, dem Wandern, Skifahren und Tennisspielen und nicht zuletzt dem Witze- und Anekdotenerzählen – all dies begleitete die gemeinsame Zeit mit Tom Luckmann.

Im September 2015 hatten Hubert Knoblauch, Bernt Schnettler und ich die Gelegenheit, ein letztes Mal unseren Lehrer und Freund Tom Luckmann zusammen mit seiner langjährigen Lebenspartnerin, der Literaturwissenschaftlerin Renate Lachmann, in seinem Haus am Ossiacher See zu besuchen. Trotz der Zeichen seiner schweren Krankheit waren wir einmal mehr tief berührt von seiner geistigen Klarheit und Weitsicht, seiner Energie, seinem Humor und seiner menschlichen Zugewandtheit.

Mit Thomas Luckmann verlieren wir einen ungemein beeindruckenden und zugleich sehr menschlichen und liebenswerten Geistes- und Sozialwissenschaftler.

Susanne Günthner



Bibliografische Hinweise

Ayaß, Ruth/Meyer, Christian (2012): „‚Alles Soziale besteht aus verschiedenen Niveaus der Objektivierung’. Ein Gespräch mit Thomas Luckmann.“ In: Ayaß, Ruth/Meyer, Christian (Hrsg.): Sozialität in Slow Motion. Theoretische und empirische Perspektiven. Festschrift für Jörg Bergmann. Wiesbaden: Springer, 21-39.

Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1966/69): Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. Frankfurt: Fischer.

Bergmann, Jörg/Luckmann, Thomas (Hrsg.) (1999a): Kommunikative Konstruktion von Moral. Band 1: Struktur und Dynamik der Formen moralischer Kommunikation. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Bergmann, Jörg/Luckmann, Thomas (Hrsg.) (1999b): Kommunikative Konstruktion von Moral. Band 2: Von der Moral zu den Moralen. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Di Luzio, Aldo/Günthner, Susanne/Orletti, Franca (Hrsg.) (2001): Culture in Communication. Amsterdam: Benjamins.

Günthner, Susanne/Knoblauch, Hubert (1994): „‚Forms are the Food of Faith’. Gattungen als Muster kommunikativen Handelns.“ In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 4, 693-723.

Günthner, Susanne/Knoblauch, Hubert (1995): „Culturally Patterned Speaking Practices. The Analysis of Communicative Genres.“ In: Pragmatics 5 (1), 1-32.

Günthner, Susanne/Knoblauch, Hubert (2000): „Textlinguistik und Sozialwissenschaften“. In: Brinker, Klaus et al. (Hrsg.): Text- und Gesprächslinguistik. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. Berlin/New York: de Gruyter, 811-819.

Knoblauch, Hubert/Kotthoff, Helga (Hrsg.) (2001): Verbal Art Across Cultures. Tübingen: Narr.

Knoblauch, Hubert (2005): „Thomas Luckmann“ In: Kaesler, Dirk (Hrsg.): Aktuelle Theorien der Soziologie. Von Shmuel N. Eisenstadt bis zur Postmoderne. München: C.H. Beck, 127-146.

Linell, Per/Luckmann, Thomas (1991): „Asymmetries in Dialogue: Some Conceptual Preliminaries.” In: Marková, Ivana/Foppa, Klaus (Hrsg.): Asymmetries in Dialogue. Hemel Hempstead: Harvester Wheatsheaf, Barnes & Nobel, 1-20.

Luckmann, Thomas (1967/91): Die unsichtbare Religion. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Luckmann, Thomas (1972): „Die Konstitution der Sprache in der Welt des Alltags.“ In: Badura, Bernhard/Gloy, Klaus (Hrsg.): Soziologie der Kommunikation. Stuttgart: Fromann Holzboog, 218-237.

Luckmann, Thomas (1973): „Aspekte einer Theorie der Sozialkommunikation.“ In: Althaus, Hans Peter/Henne, Helmut/Wiegand, Herbert Ernst (Hrsg.): Lexikon der Germanistischen Linguistik. Tübingen: Niemeyer, 1-13.

Luckmann, Thomas (1979): „Soziologie der Sprache.“ In: König, René (Hrsg.): Handbuch der empirischen Sozialforschung. Band 13. Stuttgart: Enke, 1-116.

Luckmann, Thomas (1988): „Kommunikative Gattungen im kommunikativen Haushalt einer Gesellschaft.“ In: Smolka-Koerdt, Gisela et al. (Hrsg.): Der Ursprung der Literatur. München: Fink, 279-288.

Luckmann, Thomas (1992): Theorie des sozialen Handelns. Berlin: de Gruyter.

Luckmann, Thomas (2002): Wissen und Gesellschaft. Ausgewählte Aufsätze 1981-2002. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.

Luckmann, Thomas (2007): Lebenswelt, Identität und Gesellschaft. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.

Luckmann, Thomas (2013): „The Communicative Construction of Reality and Sequential Analysis. A Personal Reminiscence.” In: Qualitative Sociology Review IX 2, 40-46.

Schnettler, Bernt (2006): Thomas Luckmann. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.

Schütz, Alfred/Luckmann, Thomas (1973): Strukturen der Lebenswelt. Band 1. Frankfurt: Suhrkamp.

Schütz, Alfred/Luckmann, Thomas (1984). Strukturen der Lebenswelt. Band 2. Frankfurt: Suhrkamp.



Nachruf auf Prof. Dr. Janet Spreckels

Am Sonntag, den 16. März 2014 ist die Sprachwissenschaftlerin/Sprachdidaktikerin und Gesprächsforscherin Janet Spreckels im Alter von 39 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstorben. (Link zum Nachruf von Susanne Günthner und Helga Kotthoff, erschienen in: Gesprächsforschung - Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion, Ausgabe 15 (2014), Seite 49-50)




Workshop: "Einführung in die Analyse von Gesprächen" in Heidelberg am 04./05.09.2014


Nähere Infos zu diesem Workshop finden sich unter diesem Link.




Humboldt-Stipendiatin Prof. Dr. Ulrike Schröder zu Gast am Germanistischen Institut

Seit Anfang August befindet sich Prof. Dr. Ulrike Schröder von der Bundesuniversität von Minas Gerais (UFMG), Brasilien, im Rahmen eines einjährigen Humboldt-Forschungsstipendiums am Germanistischen Institut. Sie studierte Kommunikationswissenschaft, Germanistik und Psychologie an der Universität Duisburg-Essen, wo sie 2003 promovierte und 2012 ihre Habilitation abschloss. Von 2003 bis 2006 war sie an der UFMG zunächst als DAAD-Lektorin beschäftigt, seit 2006 hat sie dort einen Lehrstuhl in der Germanistik inne und ist in der Postgraduierung in der Linguistik tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die konzeptuelle Metapherntheorie, die kognitive und anthropologische Linguistik, interkulturelle Pragmatik, Deutsch als Fremdsprache sowie Semantik und Pragmatik. In ihrem aktuellen Forschungsprojekt, das sie auch während ihres Forschungsjahres an der WWU weiter verfolgt, beschäftigt sie sich mit metakommunikativen Akten in der interkulturellen Kommunikation.


Vorträge

05/2015
"Wie sexistisch ist die deutsche Sprache?", 13.05.2015, 18 Uhr. Fürstenberghaus Raum F4, Domplatz 20-22.

Vortrag Sexismus


06/2013

Antrittsvorlesung als Honorarprofessorin an der Xi'an International Studies University (XISU): "'Doing Culture'" - Kulturspezifische Selbst- und Fremdpositionierungen im Gespräch; 19. Juni 2013; Xi'an/VR China.

Link zu einem chinesischen Bericht über die Veranstaltung

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7.2.2013
"Verlottert unsere Grammatik? Syntaktische Tendenzen in der deutschen Gegenwartssprache" Vortrag am Gymnasium Paulinum, Münster

18.4.2013
"Deutsch- chinesische Begegnungen - Kommunikative Gattungen in der Interkulturellen Kommunikation". Vortrag in der Reihe "deutsch-chinesischer Dialog", Institut für Sinologie und Ostasienkunde, Münster


22.4.2013
"Vom 'kleinen Unterschied' in der Sprache und im Gesprächsverhalten". Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung "Der kleine Unterschied'? Interdisziplinäre Beiträge zur Geschlechterforschung", WWU Münster
Audi-Max, Johannisstraße 12-15

15.05.2013
Susanne Günthner/Christine Mertzlufft: Responsive Konstruktionen am Beispiel von 'was heißt [schon] X' sowie 'X und X', Vortrag am Freiburg Institute for Advanced Studies


Tagungsankündigung
"Grammatik und Dialogizität: sequenzielle, syntaktische und prosodische Muster zwischen Emergenz und Sedimentierung
"

Gradia G

Zu diesem Thema wird vom 13-15.06.2012 eine Tagung des DFG-Projekts "Grammatik und Dialogizität - Retraktive und projektive Konstruktionen im interaktionalen Gebrauch" stattfinden. Alle Interessierten sind herzlich (nach Anmeldung) eingeladen. Weitere Informationen zu der Tagung finden sich auf der Internetseite und im Programmheft zu der Tagung.

1. Nachwuchstagung der Graduate School Empirical and Applied Linguistics an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster „Linguistik zwischen Empirie und Theorie“

Die Graduate School Empirical and Applied Linguistics der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster lädt interessierte NachwuchsforscherInnen zur ersten Nachwuchstagung am 26. und 27. September 2011 ein.

In der 2009 an der Universität Münster gegründeten Graduate School arbeiten Wissen-schaftlerInnen und Promovierende interdisziplinär an Fragestellungen zu verschiedenen Teilgebieten der Sprachwissenschaft, einschließlich Untersuchungen im Rahmen der Einzel-philologien sowie der Sprachlehrforschung und Psycholinguistik. Die Untersuchungen erfolgen auf einer empirischen Basis, um zu aussagekräftigen Ergebnissen in Bezug auf den tatsächlichen Sprachgebrauch zu gelangen, die ggf. zur praktischen Anwendung (z. B. im Bereich DaF) nutzbar gemacht werden können.
Jedoch: keine Empirie ohne Theorie. Zum einen ist der Zugang zu empirischen Daten ohne einen theoretischen Rahmen, der unter anderem auch die jeweilige Methodik beeinflusst, nicht denkbar. Zum anderen ist es das Ziel, die empirischen Ergebnisse der eigenen Frage-stellungen auf eine theoretische Ebene zu heben und so mit dem weiteren Forschungsfeld in Zusammenhang zu bringen.
Diesem Spannungsfeld wollen wir uns daher unter dem Rahmenthema „Linguistik zwischen Empirie und Theorie“ in der ersten Nachwuchstagung der Graduate School widmen. Den TeilnehmerInnen wird die Möglichkeit geboten, eigene Fragestellungen und Projekte im Bereich der empirischen Sprachwissenschaft zu präsentieren. Dabei sollen vor allem Fragen und Erkenntnisse an der Schnittstelle von Theorie und Empirie gemeinsam diskutiert werden wie z. B.:

  • Welches Verhältnis von Theorie und Empirie liegt einer empirischen Arbeit zugrunde?
  • Welche Konsequenzen bringen empirische Ergebnisse für den theoretischen und methodischen Rahmen der eigenen Arbeit mit sich?
  • Mit welchen Methoden lassen sich theoretische Annahmen empirisch überprüfen? Wie viel empirische Evidenz verträgt/benötigt eine linguistische Theorie?


Den Eröffnungsvortrag wird Prof. Dr. Reinhard Fiehler (Institut für Deutsche Sprache, Mannheim) halten.

Programm der Tagung
Weitere Informationen zur Tagung


Eröffnung des Centrums Sprache und Interaktion (CeSI)
 

Am Mittwoch, den 21.04.2010 wird das Centrum Sprache und Interaktion offiziell eröffnet. Es bündelt verschiedene Einrichtungen und Projekte, die sich mit der qualitativen, empirischen Erforschung von Sprache und Sprachgebrauch in der Interaktion auseinandersetzen.
CeSI ist eine am Germanistischen Institut der WWU Münster angesiedelte Einrichtung für aktuelle Forschungsfragen in Zusammenhang mit empirischen Untersuchungen zu Sprache im Gebrauch. Die Eröffnungsveranstaltung beginnt um 14.00 Uhr in Raum 116.

Stellenausschreibungen

Stellenausschreibung DaF-Lektorat an der XISU in Xi'an