Nathalie Bauer, M.A.

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Westfälische Wilhelms-Universität
Germanistisches Institut
Abteilung für Sprachwissenschaft
Stein-Haus, Schlossplatz 34
48143 Münster

Raum: SH 9
Telefon: +49 (0) 251   83 - 24635
E-Mail: Nathalie Bauer

Sprechstunde

Im Wintersemester 2018/19

findet die Sprechstunde montags von 16-17 Uhr statt. Bitte melden Sie sich über diesen doodle-Link zur jeweiligen Sprechstunde an.

  • Forschungsinteressen

    • Gesprächsanalyse
    • Interaktionale Linguistik
    • Medizinische Kommunikation
    • Gesprochene-Sprache-Forschung und computervermittelte Kommunikation

  • Promotionsprojekt

    Empathie in medizinischen Interaktionen –
    eine gesprächsanalytische Untersuchung kommunikativer Verfahren zur Indizierung und interaktiven Aushandlung emotionalen Verstehens

    In der medizinpsychologischen Forschung besteht Konsens darüber, dass Empathie in medizinischen Interaktionen sowohl einen positiven Einfluss auf subjektiv wahrgenommene, psychosoziale Outcomeparameter als auch auf objektiv messbare, physische Behandlungsergebnisse hat, da PatientInnen im Kontext empathischen Kommunikationsverhaltens erhöhte Adhärenz und Kooperationsbereitschaft zeigen, die wiederrum eine präzisere Diagnostik durch die behandelnden ÄrztInnen ermöglicht (Derksen et al. 2013, Lelorain et al. 2012, Neumann et al. 2009). Diese Erkenntnisse forcieren zunehmend aktuelle Forderungen nach einer patientenzentrierten, „sprechenden“ Medizin. Vor diesem Hintergrund sowie aber einer zunehmenden Kritik an den in diesen Studien vorrangig eingesetzten Analyseinstrumenten wie retrospektiven PatientInnen- bzw. ÄrztInnen-Befragungen oder Kodierungen authentischer und simulierter Gespräche, die dem Phänomenbereich Empathie in seiner interaktionalen Komplexität nur bedingt gerecht werden können, ist es geradezu verwunderlich, dass bislang nur vereinzelte Untersuchungen (Ruusuvuori 2005, 2007, Heritage/Lindström 2012), nicht aber systematisch angelegte gesprächsanalytische Studien zu Empathie in medizinischen Interaktionen vorliegen.

    Diesem Desiderat widmet sich das vorliegende Promotionsprojekt, das Empathie nicht mit von außen herangetragenen Kategorien oder retrospektiven Bewertungen zu „messen“ versucht, sondern dessen zentrales Ziel es vielmehr ist, aus einer emischen Perspektive zu rekonstruieren, wie PatientInnen und medizinische AkteurInnen Empathie lokal in der Interaktion indizieren und metapragmatisch aushandeln bzw. reflektieren. Mit Methoden und Konzepten der Gesprächsanalyse, der Interaktionalen Soziolinguistik sowie der Angewandten Gesprächsforschung wird anhand eines Korpus von 56 onkologischen Aufklärungsgesprächen  der zentralen Fragestellung nachgegangen, wie Empathie im Sinne der Ethnomethodologie als ein „emergent achievement“ (Garfinkel 1967), als eine Verstehensanzeige in Bezug auf Emotionsdisplays bei gleichzeitiger Berücksichtigung epistemischer Asymmetrien (Kupetz 2015) durch die Interagierenden in der medizinischen Kommunikation interaktiv konstituiert wird.

    Mit dieser interaktionalen Perspektive auf Empathie knüpft das Dissertationsvorhaben sowohl an die gesprächslinguistische Verstehensforschung (Deppermann 2008, 2010), an Erkenntnisse im Bereich von Interaktion und Emotion (Peräkylä/Sorjonen 2012, Selting 2012, Günthner 1997) und zur Verhandlung epistemisch asymmetrisch zugänglichen Erfahrungswissens im Gespräch (Heritage 2011, 2012) sowie an Untersuchungen zur Anzeige von Empathie in informellen Alltagsinteraktionen (Kupetz 2014, 2015) an. In diesem Forschungskontext hat das vorliegende Promotionsprojekt – über seine eingangs dargestellte Bedeutung für die medizinische Praxis im Sinne der Angewandten Gesprächsforschung hinaus – auch innerdisziplinäre Forschungsrelevanz in der linguistischen Gesprächsforschung: Einerseits vermag der vorliegende Ansatz interaktional fundierte Erkenntnisse über Empathie im Gespräch durch deren Analyse in einem institutionellen Kontext weitergehend zu vertiefen; andrerseits birgt er durch die Fokussierung auf Emotionsdarstellungen und -thematisierungen im Sinne interaktional verhandelten Erfahrungswissens das Potenzial, die Sensibilität für die Mehrdimensionalität solcher epistemischen Größen in der Interaktion zu schärfen (Heritage 2012, Sidnell 2015).

    Schlüsselbegriffe: Gesprächsanalyse, Angewandte Gesprächsforschung, Medizinische Kommunikation, Interaktionale Verstehensforschung, Sprache und Emotion, Epistemik
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    Literatur

    Bentz, Martin et al. (2017): "Von der Pathologie zum Patienten: Optimierung von Wissenstransfer und Verstehenssicherung". SpIn - Sprache und Interaktion 3 (2017): 1–45.

    Couper-Kuhlen, Elizabeth (2009): "A sequential approach to affect: The case of 'disappointment'". In: Haakana, Markku/Laakso, Minna/Lindström, Jan (eds.): Talk in interaction. Comparative dimensions. Helsinki: Finnish Literature Society: 94–123.

    Deppermann, Arnulf (2008): "Verstehen im Gespräch". In: Kämper, Heidrun/Eichinger, Ludwig (eds.): Sprache - Kognition - Kultur. Sprache zwischen mentaler Struktur und kultureller Prägung. Berlin, Boston: De Gruyter: 225–261.

    Deppermann, Arnulf (2010): "Zur Einführung: 'Verstehen in professionellen Handlungsfeldern' als Gegenstand einer ethnographischen Konversationsanalyse". In: Deppermann, Arnulf et al. (eds.): Verstehen in professionellen Handlungsfeldern. Tübingen: Narr: 7–25.

    Derksen, Frans/Bensing, Jozien/Lagro-Janssen, Antoine (2013): "Effectiveness of empathy in general practice: a systematic review". The British journal of general practice : the journal of the Royal College of General Practitioners 606/63: 76-84.

    Garfinkel, Harold (1967): Studies in Ethnomethodology. Englewood Cliffs/NJ: Prentice Hall.

    Günthner, Susanne (1997): "Complaint Stories. Constructing emotional reciprocity among women". In: Kotthoff, Helga/Wodak, Ruth (eds.): Communicating gender in context. Amsterdam u.a.: Benja-mins: 179–218.

    Heritage, John (2011): "Territories of knowledge, territories of experience: empathic moments in interaction". In: Stivers, Tanya/Mondada, Lorenza/Steensig, Jakob (eds.): The Morality of Knowledge in Conversation. Cambridge: Cambridge University Press: 159–183.

    Heritage, John (2012): "Epistemics in Conversation". In: Sidnell, Jack/Stivers, Tanya (eds.): The Handbook of Conversation Analysis. New York, NY: Wiley, J: 370–394.

    Heritage, John/Lindström, Anna (2012): "Knowledge, Empathy, and Emotion in a Medical Encounter". In: Peräkylä, Anssi/Sorjonen, Marja-Leena (eds.): Emotion in Interaction: Oxford University Press: 256–272.

    Kupetz, Maxi (2014): "Empathy displays as interactional achievements—Multimodal and sequential aspects". Journal of Pragmatics 61: 4–34.

    Kupetz, Maxi (2015): Empathie im Gespräch. Eine interaktionslinguistische Perspektive. Tübingen: Stauffenburg Verlag. (=Stauffenburg Linguistik Band 88).

    Lelorain, Sophie et al. (2012): "A systematic review of the associations between empathy measures and patient outcomes in cancer care". Psycho-oncology 12/21: 1255–1264.

    Neumann, Melanie et al. (2009): "Analyzing the "nature" and "specific effectiveness" of clinical empathy". Patient education and counseling 3/74: 339–346.

    Peräkylä, Anssi/Sorjonen, Marja-Leena (eds.) (2012): Emotion in Interaction: Oxford University Press.

    Ruusuvuori, Johanna (2005): ""Empathy" and "Sympathy" in Action: Attending to Patients’ Troubles in Finnish Homeopathic and General Practice Consultations". Social Psychology Quarterly 3/68: 204–222.

    Ruusuvuori, Johanna (2007): "Managing affect: Integration of empathy and problem-solving in health care encounters". Discourse Studies 5/9: 597–622.

    Selting, Margret (2012): "Complaint stories and subsequent complaint stories with affect displays". Journal of Pragmatics 4/44: 387–415.

    Sidnell, Jack (2015): "Epistemics". In: Tracy, Karen/Sandel, Todd/Ilie, Cornelia (eds.): The Internation-al Encyclopedia of Language and Social Interaction. Hoboken, NJ, USA: John Wiley & Sons, Inc.

  • Publikationen

    Bauer, Nathalie (2016): Onymische Anredeformen in computervermittelter Kommunikation – zur vokativen Verwendung von Rufnamen in WhatsApp-Interaktionen. In: StudSpIn - Studentische Arbeitspapierreihe Sprache und Interaktion, 26 (12/2016).

    Bauer, Nathalie/Holla, Kerstin/Westhues, Stefanie/Wiemer, Patricia (2016): Streiten 2.0 im Shitstorm – Eine exemplarische Analyse sprachlicher Profilierungsmuster im sozialen Netzwerk Facebook. In: Arens, Katja/Torres Cajo, Sarah (Hrsg.): Sprache und soziale Ordnung. Studentische Beiträge zu sozialen Praktiken in der Interaktion. (= Wissenschaftliche Schriften der WWU Münster, Reihe XII - Band 15). Münster: Monsenstein und Vannerdat, 127-156.

  • Lehre

    Wintersemester 2018/19

    Syntax des gesprochenen Deutsch (094086)

    Seminar * Aufbaumodul Sprache * WiSe18/19 * Di 8–10 * Raum VSH 19

    Sommersemester 2018

    Verstehen in der Interaktion (092125)

    Seminar * Vertiefungsmodul Sprache * SoSe 2018 * Fr 10–12 * Raum VSH 011

    In diesem Seminar wollen wir uns mit verschiedenen Praktiken der Verstehensdokumentation, - aushandlung und -absicherung aus einer interaktionalen Perspektive beschäftigen: Wie zeigt mir mein Gegenüber an, dass es etwas verstanden hat? Wie überprüfen Interagierende ihr gegenseitiges Verstehen in der laufenden Interaktion? Diesen und anderen Fragen werden wir uns mit der Betrachtung verschiedener sprachlicher Verfahren der Verstehensdokumentation und -absicherung (u.a. in Form von Erkenntnisprozessmarkern, Responsivpartikeln, Konstruktionen mit kognitiven Verben und verschiedenen Konjunktionen, Reformulierungen und Ko-Konstruktionen) widmen. Dabei soll die Anzeige und Absicherung von Verstehen auch in besonderen sequenziellen Kontexten wie beispielsweise institutionellen Interaktionen und in Bezug auf Emotionsdisplays näher betrachtet werden. Aufgrund des empirischen Fokus des Seminars werden die thematisierten Formen der Verstehensdokumentation und -aushandlung nicht allein auf Basis der im Seminar behandelten Literatur erarbeitet, sondern auch anhand eines selbst erhobenen Datenkorpus analysiert und diskutiert. Es wird mithin die Bereitschaft vorausgesetzt, eigenständig Daten zu erheben und zu transkribieren.

    Wintersemester 2017/18

    Sprache und Emotion (090133)

    Seminar * Vertiefungsmodul Sprache * WS 2017/2018 * Mi 12–14 * Raum VSH 18

    Sprachliche sowie para- und nonverbale Mittel der Emotionsdarstellung und -bearbeitung in sozialen Interaktionen stehen im Fokus dieses Seminars. Nach einführenden Sitzungen zur Datenerhebung und Transkription sowie me-thodisch-theoretischen Vorüberlegungen werden im zweiten Seminarteil sowohl narrativ rekonstruierte emotionale Erfahrungen wie z.B. Beschwerdegeschichten oder Angsterlebnisse als auch "in situ" indizierte Emotionen wie Über-raschung oder Enttäuschung in ihrer sequenziellen Einbettung im Gespräch näher betrachtet. Diese Formen der Darstellung und Bearbeitung von Emotionen werden dabei auch in spezifischen Interaktionssituationen wie institu-tionellen Kontexten und medial vermittelten Interaktionen wie Briefen, WhatsApp-Chats und Telefongesprächen untersucht. Die im Rahmen des Seminars thematisierten Formen der Emotionsanzeige und -bearbeitung werden nicht allein auf Basis der Seminarliteratur erarbeitet, sondern auch anhand eines selbst erhobenen Datenkorpus analysiert und diskutiert. Die Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist mithin die Bereitschaft, eigenständig Daten zu erheben und zu transkribieren.

    Sommersemester 2017

    Grammatik der deutschen Sprache (098039)

    Übung * Grundlagenmodul Sprache * SoSe 2017 * Do 8–10 * Raum VSH 06

    Wintersemester 2016/17

    Gesprächsanalyse (096112)

    Seminar * Vertiefungsmodul Sprache * WS 2016/2017 * Di 10–12 * Raum VSH 010

    Das Seminar ist als Einführung in die Gesprächsanalyse konzipiert. Nach einem ersten Teil des Seminars zur Daten-erhebung und Transkription authentischer Face-to-Face-Interaktionen sowie methodisch-theoretischen Vorüberle-gungen werden im zweiten Seminarteil zentrale Gegenstandsbereiche der Gesprächsanalyse näher betrachtet. Die im Rahmen des Seminars thematisierten Konzepte und Erkenntnisse der Gesprächsforschung werden dabei nicht allein auf Basis der Seminarliteratur erarbeitet, sondern anhand eines selbst erhobenen Datenkorpus analysiert und diskutiert. Die Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist die Bereitschaft, eigenständig Daten zu erheben und zu transkribieren.

  • Vita

    seit 10/2016 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Dr. Susanne Günthner
    2015-2016 Tutorin in der Abteilung Sprachwissenschaft des Germanistischen Instituts der WWU Münster
    2015-2016 Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl von Prof. Dr. Susanne Günthner an der WWU Münster
    2014-2016 Masterstudium der Angewandten Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
    2011-2014 Bachelorstudium "Kultur und Wirtschaft" (Schwerpunkt: Romanistik) mit dem Hauptfach "Sprach- und Medienwissenschaft" an der Universität Mannheim und der Université de Toulon, Frankreich