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Durban, Südafrika – Alltag im Krankenhaus im chirurgischen PJ-Tertial

Der Alltag im chirurgischen PJ-Tertial in Durban unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem, was ich aus Deutschland kannte und genau das machte diese Erfahrung so besonders. Jeder Tag begann früh, meist noch vor Sonnenaufgang, wenn die Luft bereits warm und die Stadt langsam zum Leben erwachte. Im Krankenhaus angekommen, ging es direkt los: Visite, Patientenvorstellungen und die Planung der anstehenden Operationen bestimmten den Start in den Tag.

Was mich von Anfang an beeindruckt hat, war die hohe Eigenverantwortung, die uns Studierenden übertragen wurde. Anders als in vielen deutschen Kliniken war man hier nicht nur Beobachter, sondern ein aktiver Teil des Teams. Ich durfte regelmäßig im OP assistieren, kleinere Eingriffe unter Anleitung selbst durchführen und war stark in die postoperative Betreuung eingebunden. Wundversorgungen, Drainagen ziehen oder das Schreiben von Anordnungen gehörten schnell zur Routine.

Die chirurgischen Fälle waren oft komplexer und weiter fortgeschritten als ich es gewohnt war. Viele Patientinnen und Patienten suchten erst spät medizinische Hilfe auf, sodass Krankheitsbilder häufig in einem fortgeschrittenen Stadium behandelt werden mussten. Das bedeutete nicht nur medizinisch spannende, sondern auch emotional fordernde Situationen. Gleichzeitig lernte ich, mit begrenzten Ressourcen umzugehen, ein Aspekt, der mir noch einmal ganz neue Perspektiven auf die Medizin eröffnet hat.

Ein typischer Tag war schwer planbar. Zwischen Notfällen, spontanen OP-Änderungen und einer hohen Patientenzahl blieb wenig Raum für feste Strukturen. Flexibilität war daher eine der wichtigsten Eigenschaften, die man mitbringen musste. Dennoch funktionierte das Team erstaunlich gut. Die Zusammenarbeit war eng, der Umgang direkt und oft auch humorvoll, selbst in stressigen Situationen.

Besonders prägend war für mich die Arbeitsatmosphäre. Trotz hoher Belastung herrschte eine bemerkenswerte Gelassenheit. Probleme wurden pragmatisch gelöst, Hierarchien waren spürbar, aber weniger starr als erwartet. Fragen zu stellen war jederzeit möglich, und Engagement wurde geschätzt. Wer Interesse zeigte, bekam auch die Chance, viel zu lernen.

Nach langen Arbeitstagen endete der Alltag oft mit einem starken Kontrast: Während man tagsüber mit herausfordernden medizinischen Situationen konfrontiert war, konnte man abends am Meer abschalten und das Erlebte verarbeiten. Dieser Wechsel zwischen intensiver klinischer Arbeit und der entspannten Atmosphäre Durbans war einzigartig.

Insgesamt war der Krankenhausalltag im chirurgischen PJ-Tertial in Durban intensiv, lehrreich und manchmal auch anstrengend, aber genau diese Mischung hat ihn so wertvoll gemacht. Ich habe nicht nur fachlich enorm profitiert, sondern auch gelernt, mich in einem völlig anderen Gesundheitssystem zurechtzufinden und über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.

Luis Jaeger

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