Für mein PJ-Tertial in der Chirurgie in Südafrika habe ich mich bewusst gegen die deutsche PJ-Hochburg in Kapstadt und für ein Tertial am Indischen Ozean in Durban entschieden. Eine Entscheidung, die ich keine Sekunde bereut habe, auch wenn sie zunächst mit einigen Fragezeichen verbunden war.
Kapstadt ist ohne Zweifel eine beeindruckende Stadt: spektakuläre Landschaft, viele internationale Studierende und eine etablierte Infrastruktur für PJler aus Deutschland. Genau das war aber auch der Grund, warum ich etwas anderes wollte. Ich hatte das Gefühl, dass man dort schnell in einer „deutschen Blase“ mit vertrauten Strukturen, bekannten Gesichtern und vielleicht auch einer gewissen Distanz zur tatsächlichen Realität des südafrikanischen Gesundheitssystems landet.
Durban hingegen war für mich zunächst ein unbeschriebenes Blatt. Weniger touristisch, weniger europäisch geprägt, dafür aber umso authentischer. Schon nach den ersten Tagen wurde mir klar, dass ich hier eine ganz andere Erfahrung machen würde. Das Krankenhausleben war intensiver, direkter und oft auch herausfordernder. Die Patientenzahlen waren hoch, die Krankheitsbilder teilweise fortgeschrittener als ich es aus Deutschland kannte, und die Ressourcen begrenzter. Genau das hat jedoch meinen Lernprozess enorm beschleunigt.
Im chirurgischen Alltag durfte ich früh Verantwortung übernehmen. Assistieren im OP, eigenständige Wundversorgungen und die Betreuung von Patienten gehörten schnell zum Alltag. Die Hierarchien waren flacher, der Umgang kollegial und gleichzeitig professionell. Besonders beeindruckt hat mich die Gelassenheit und Improvisationsfähigkeit des Teams, Fähigkeiten, die im medizinischen Alltag hier unerlässlich sind.
Auch abseits des Krankenhauses hatte Durban viel zu bieten. Der Indische Ozean lag praktisch vor der Haustür, und nach langen Arbeitstagen gab es kaum etwas Besseres, als den Nachmittag am Strand zu genießen. Die kulturelle Vielfalt der Stadt, mit starken indischen, afrikanischen und kolonialen Einflüssen, machte jeden freien Tag zu einer kleinen Entdeckungsreise. Märkte, Street Food und die offene, herzliche Art der Menschen haben mich schnell in ihren Bann gezogen.
Natürlich war nicht alles einfach. Sicherheitsaspekte spielten eine größere Rolle als in Kapstadt, und man musste lernen, sich bewusst und vorsichtig zu bewegen. Auch organisatorisch war vieles weniger strukturiert, was gelegentlich Geduld erforderte. Doch genau diese Herausforderungen haben das Tertial für mich so wertvoll gemacht.
Rückblickend kann ich sagen: Wer bereit ist, sich auf etwas Neues einzulassen, wird in Durban mit einer einzigartigen PJ-Erfahrung belohnt. Es ist vielleicht nicht der einfachste Weg, aber definitiv einer der lehrreichsten und authentischsten.
Und genau darum ging es mir.




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