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Die Schweiz kennenlernen

Ich habe schon länger darüber nachgedacht, einen Teil meines praktischen Jahres des Medizinstudiums in der Schweiz zu absolvieren. Aber warum genau die Schweiz?

Wie mittlerweile sehr viele andere Studierende der Medizin, hat mich die viel gelobte Lehre aber eben auch die hohe Lebensqualität, die gegeben sein soll, gelockt. Da ich mich verhältnismäßig spät für ein Tertial in der Schweiz entschieden habe, habe ich mich „erst“ ca. ein Jahr im Voraus beworben. Damit war ich für Bewerbungsphasen in der Schweiz schon eher spät dran. Auf sehr beliebte Stellen sollte man sich gut und gerne drei Jahre vorher bewerben.Ich hatte Glück und in Laufenburg gab es für meinen gewünschten Zeitpunkt noch eine freie Stelle als sogenannte „Unterassistentin“.Ein Jahr später begann ich also, mich auf meine schweizer Zeit vorzubereiten: Koffer gepackt, eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, Handyvertrag für die Schweiz. Daneben machte ich mir natürlich auch viele Gedanken darüber, wie ich als Deutsche im schweizer Spital ankommen würde. Da ich vorher noch nie in der Schweiz gewesen war, hatte ich keine genaue Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Schwyzer-Dütsch als quasi neue Sprache und das Verständnis der solchen machten mir am meisten Sorgen.

Ankommen in Laufenburg

Am 7.9. trat ich dann meine Reise ins ca. 700 km weit entfernte Laufenburg an. Laufenburg ist ein kleines Städtchen direkt an der deutschen Grenze. So gibt es eine Stadt mit diesem Namen in Deutschland und auch in der Schweiz, beide durch eine kleine, alte Brücke verbunden über den Rhein, der die natürliche Grenze darstellt. Neben der schönen Landschaft ist es aber sonst ein eher verschlafenes kleines Dörfchen. Ein großer Pluspunkt war die gute Anbindung an Basel. Mit dem Zug erreicht man diese schöne Stadt in 35 Minuten. Die im Dreiländer-Dreieck aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich gelegene Stadt liegt direkt am Rhein und hat viel zu bieten, vor allem hinsichtlich des Kulturangebotes. Meine Anreise mit dem Zug nach Laufenburg klappte auf jeden Fall reibungslos. Auch der Empfang im Krankenhaus fiel sehr herzlich aus. Anschließend erhielt ich Schlüssel und eine Beschreibung , wo ich mein Zimmer – mein Zuhause für die nächsten vier Monate – finden sollte.Die Unterassistent:innen sowie ein paar Assistenzärzt:innen wohnten direkt gegenüber vom Spital, auf einer kleinen Anhöhe in einem alten Herrenhaus. In meinem Fall sogar mit schönem Blick vom Balkon auf den Rhein.

„Wie bitte?“- Die kleinen sprachlichen Hürden

Die Sprache hatte mir im Vorhin schon einiges an Sorgen bereitet. Es dauerte auch einige Wochen, bis ich mit der neuen Sprache vertrauter wurde und ein gutes Verständnis für das Schwyzer Dütsch entwickelte. Anfangs musste ich noch häufig bei Patient:innen um eine Erklärung bitten. Dabei begegneten mir die allermeisten jedoch sehr freundlich und wechselten oft automatisch ins Hochdeutsche. Die Klangmelodie der Sprache ist ganz anders als im Hochdeutschen, da die Schweizer meist die erste Silbe in Wörtern betonen, in denen ich die Betonung auf die zweite legen würde, wie z.B. beim „WC“ oder auch Wörter wie „Büro“ oder „Fondue“ klingen so direkt anders. Daneben gibt es aber auch Wörter, die es so im Hochdeutschen nicht gibt oder auch andere Bedeutungen haben. So bedeutet im schweizerischen „Dort“ „Hier“, was regelmäßig bei mir für Verwirrung gesorgt hat. Sehr klassisch ist natürlich das Grüezi, aber auch “Hoi” oder „Gute Morge“ hört man oft, wenn es um Begrüßungsfloskeln geht. Für Abschiedssituationen lernte ich mich von meinem „Tschüss“ zu verabschieden, das in der Schweiz nur informell genutzt wird, und stattdessen mehr „Ade“ oder „Adieu“ zu verwenden. Auch Wörter wie „losen“ für zuhören und „schnufen“ für Atmen waren mir schnell nicht mehr fremd.

Zwischen Wandern und Weihnachtsmarkt

Was sich sonst zum Land sagen lässt, ist, dass es landschaftlich wirklich sehr viel zu bieten hat, wenn man gerne in der Natur ist. Ich konnte wunderschöne Wanderungen machen während meiner Zeit dort. Im Winter Ski zu fahren, durfte natürlich auch nicht fehlen. Die Schweiz ist ein kleines Land, daher ist das meiste mit dem Auto schnell zu erreichen- selbst von so einem nördlichen Punkt wie Basel aus. Ein Vorurteil, welches tatsächlich absolut zutrifft, ist die Pünktlichkeit der Schweizer Bahn. Eine Verspätung von 5 Minuten wird oft schon argwöhnisch begutachtet: in Deutschland wäre dies noch mehr als pünktlich. Während der vier Monate konnte ich sowohl Bern, als auch Luzern und Zürich besuchen: Alle Städte liegen nur ungefähr 1-2h Zugfahrt entfernt von Basel. Auch ein klassisches Klischee, welches nicht aus der Luft gegriffen ist, ist wohl die Käse-Vielfalt. Wird Fondue bei mir im Ruhrgebiet eher nur zu Festlichkeiten gemacht, gab es in Basel einige „Fondue-Stübli“ und auch ein „Chäsbängli“ auf dem Weihnachtsmarkt (Ein ausgehöhltes Brot mit Fondue Käse).

Mounia

Ich bin Mounia und studiere Medizin im schönen Münster. Gerade befinde ich mich in meinem praktischen Jahr und habe dafür einen Teil der Ausbildung in der Schweiz verbracht.

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