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So „lekker“ war mein PJ-Tertial in Kapstadt – ein persönliches Fazit

Zwei Monate in Kapstadt sind schnell vergangen – in dieser Zeit habe ich unglaublich viel erlebt, gelernt und tolle Menschen kennengelernt. Zwischen Klinikalltag und Freizeit in atemberaubender Naturkulisse lagen oft nur wenige Stunden. Genau dieser Kontrast hat mein PJ-Tertial in Südafrika so besonders gemacht. Kapstadt war für mich nicht nur ein Ort zum Arbeiten und Lernen, sondern ein Lebensraum, der mich täglich herausgefordert, überrascht und bereichert hat.

Besonders prägend war für mich der Kontrast zwischen dem Krankenhausalltag im öffentlichen Gesundheitssystem und dem entspannten,  Lebensgefühl, das Kapstadt auf den ersten Blick ausstrahlt. Während im Krankenhaus Ressourcenknappheit, Zeitdruck und medizinische Entscheidungen den Alltag bestimmten, war das Leben außerhalb der Klinik von Natur, Gemeinschaft und einer bemerkenswerten Gelassenheit geprägt. Diese Gegensätze haben mir immer wieder vor Augen geführt, wie komplex und vielschichtig diese Stadt ist – und wie wichtig es ist, hinter die touristische Fassade zu blicken.

Ein wesentlicher Teil dieses Alltags sind die vielen kleinen kulturellen Eigenheiten, die Kapstadt so besonders machen. Sprache spielt dabei eine große Rolle. Begriffe wie „Howzit?“ als alltägliche Begrüßung oder „lekker“ als universelles Wort für alles Positive begegnen einem ständig. Besonders faszinierend fand ich das südafrikanische Zeitverständnis: „just now“ bedeutet selten wirklich „gleich“, sondern eher „irgendwann später“, während „now now“ zwar etwas dringlicher klingt, aber ebenfalls Geduld erfordert. Diese entspannte Haltung im Umgang mit Zeit war für mich anfangs ungewohnt, wurde aber schnell zu einer wertvollen Lektion – gerade in einem Umfeld, in dem nicht alles planbar ist. Auch kulinarisch spiegelt sich diese Kultur des Miteinanders wider. Das Braai, das südafrikanische Barbecue, ist weniger ein Essen als vielmehr ein soziales Ritual. Es geht darum, gemeinsam Zeit zu verbringen, sich auszutauschen und den Moment zu genießen. Typische Snacks wie Biltong gehören genauso selbstverständlich zum Alltag wie der gemeinsame Kaffee nach der Arbeit oder das Abendessen mit Blick auf den Sonnenuntergang. Kapstadt verfügt über eine erstaunlich vielfältige und hochwertige Gastronomieszene, die internationale Einflüsse mit lokalen Traditionen verbindet.

Neben all diesen schönen Eindrücken gab es jedoch auch viele Momente, die nachdenklich gemacht haben. Die enorme soziale Ungleichheit in Südafrika ist allgegenwärtig und lässt sich nicht ausblenden – weder im Krankenhaus noch im täglichen Leben. Gespräche mit Patienten, Ärzten und den Locals haben mir immer wieder gezeigt, wie unterschiedlich die Lebensbedingungen sind und mit welchen Herausforderungen viele Menschen täglich konfrontiert sind. Gleichzeitig habe ich eine große Dankbarkeit und Freundlichkeit erlebt, die mich tief beeindruckt hat. Besonders im Krankenhaus begegneten mir viele Patienten mit Respekt und Vertrauen, trotz langer Wartezeiten und begrenzter Möglichkeiten.

Diese Erfahrungen haben meinen Blick auf mein eigenes Medizinstudium und meine zukünftige Rolle als Ärztin nachhaltig geprägt. Mir wurde bewusst, wie privilegiert mein Leben und meine Ausbildung in Deutschland ist und wie sehr medizinische Versorgung von gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen abhängt. Das Arbeiten in einem anderen Gesundheitssystem hat mir nicht nur fachliche Kompetenzen vermittelt, sondern auch ein besseres Verständnis für globale Gesundheitsfragen.

Rückblickend war mein PJ-Tertial in Kapstadt weit mehr als ein Auslandspraktikum. Es war eine intensive Lern- und Lebenserfahrung, die mich fachlich, persönlich und menschlich wachsen ließ. Die Kombination aus medizinischer Arbeit, kulturellem Austausch und der unmittelbaren Nähe zur Natur war einzigartig und hat diese Zeit unvergesslich gemacht. Kapstadt hat mir neue Perspektiven eröffnet, meinen Blick auf Medizin und Gesellschaft geschärft und mir Erinnerungen geschenkt, die weit über dieses Tertial hinaus bleiben werden. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung durch PROMOS, die mir diese Erfahrung ermöglicht hat – und nehme bleibende Erinnerungen an viele „lekkere“ Momente mit nach Hause.

Marie

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